laut.de-Kritik

Die schönste neuseeländische Neuentdeckung nach Brent Newdick.

Review von

Gleich nach dem Zehnkämpfer Brent Newdick stellt "Electric Hawaii" von Opossom meine schönste neuseeländische Neuentdeckung des Monats August dar. Das Solo-Debüt des ehemaligen The Mint Chicks-Sängers Kody Nielson, das genauso kunterbunt wie sein Cover ausfällt, sorgt jedenfalls für ein gleichermaßen dümmliches, breites Dauergrinsen wie der eindeutig doppeldeutige Name des Sportlers. Was hat sich Kody Nielson beim Einspielen des Album bloß gedacht? Und was die Eltern des Zehnkämpfers bei der Namensgebung?

Die elektronische Version von Hawaii liegt zumindest nicht, wie seine irdische Schwester, im Pazifischen Ozean, irgendwo westlich von Amerika. So viel ist sicher. Ob beide überhaupt vom gleichen Planeten stammen, bleibt noch zu klären. Opossom bedienen sich munter beim Garagen-Pop der 1960er. Vocoder und Höhlen voller Echo lassen diesen aber so verquer und extraterrestrisch klingen, dass man die Luft anhält und schnell nach einem Goldfischglas sucht,
um es als Astronautenhelm übers Cerebrum zu stülpen.

Den luftige Sonnenschein-Opener "Girl", eine spitzbübische Mischung aus Edwyn Collins "A Girl Like You", "Legal Man" von Belle And Sebastian und Velvet Undergrounds "Femme Fatale", unterlegt eine übermütige Marimba. Die ersten Tracks bleiben dieser Mischung treu.

Sommerlich wie Zitroneneis fügt "Getaway Tonight" dem Rezept ein wenig Drum'n'Bass hinzu, "Blue Meanies" rührt noch einen Fingerhut Air sowie die fast vergessenen Soup Dragons unter. Schnell ist klar: In der Gravitation des Planeten Opossum befinden sich Größen der 1990er, die sich wiederum auf vergangene Zeiten beziehen. Musik, ein ewiges Wiederkäuen.

"Watchful Eye" treibt noch ein wenig mehr in den kosmischen Raum ab. Der tiefe Bass und das ständige Ein- und Aussetzen des Rythmus' ergeben einen holprig rumorenden Tagtraum, an den sich die selbstvergessene Stimme Nielsons anschmiegt. Die psychedelische Gitarre und der hängen gebliebene Beat von "Cola Elixir" lassen die Welt endgültig fernab und wie durch ein Kaleidoskop betrachtet erscheinen. Per Anhalter durch die Galaxis.

Doch gen Ende kippt die Stimmung noch einmal komplett. Sollten die ersten Tracks 'Barbarella' gewesen sein, ist das hier das Ende von '2001: Odyssee im Weltraum'. "Inhaler Song" ist so langsam und konsterniert, wir schleichen gemeinsam von Raum zu Raum und sehen uns beim Altern zu. Der schmutzige und zerstörerische halluzinogene Lärm, der sich wie ein Alien über die Lautsprechermembranen her macht, erinnert stark an die Flaming Lips.

Am Ende des Trips kann man "Electric Hawaii" vielleicht vorwerfen, trotz aller schönen Melodien nur über begrenzte und überschaubare Mittel zu verfügen. Das Konzept ist eigentlich schon nach dem zweiten Song durchschaut. Doch die Energie sowie die kurze Spielzeit des Albums lassen Langweile gar nicht erst aufkommen. Brent Newdick, live long and prosper.

Trackliste

  1. 1. Girl
  2. 2. Fly
  3. 3. Blue Meanies
  4. 4. Getaway Tonight
  5. 5. Watchful Eye
  6. 6. Why Why
  7. 7. Cola Elixir
  8. 8. Electric Hawaii
  9. 9. Outer Space
  10. 10. Inhaler Song

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