laut.de-Kritik

Ab auf die Spielwiese!

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Außer, dass sie kürzer als Alben zu sein haben, kennen EPs keine Spielregeln. Sie können zum Beispiel eine Visitenkarte eines unbekannten Acts darstellen, eine Erweiterung oder eine Antwort auf den vorangegangenen Longplayer (siehe Kettcars "Der Süsse Duft Der Widersprüchlichkeit") oder als Spielwiese dienen, auf der man sich unverkrampft austoben kann. Drei Jahre nach "Day Breaks" entscheidet sich Norah Jones auf "Begin Again" für die letzte Variante.

Vier der sieben Stücke veröffentliche die Jazz-Sängerin bereits im letzten Jahr als Streams. Diese fasst sie nun zusammen und stellt ihnen die neuen Lieder "Begin Again", "Uh Oh" und "Just A Little Bit" zur Seite. In diesem kleinen Song-Varieté bietet sie Jazz, Folk, Soul, Country und Trip Hop-Elemente eine Bühne.

Gleich den mit Thomas Bertlett aka Doveman entstandenen Opener "My Heart Is Full" erwartet man in dieser Form wohl eher nicht auf einem Norah Jones-, sondern wohl eher auf einem St. Vincent- oder Lana Del Rey-Abum. Jones verzichtet auf ihre üblichen Trademarks, auf jegliche Jazz-Ambitionen. Zu atmosphärischen Synthesizerflächen, dezenten Drumsounds und Echos baut sich die Spannung des fragilen Tracks zum "I Will Rise"-Refrain immer weiter auf, um dann wieder abzuebben.

Ihr Klavier streift "My Heart Is Full" lediglich leicht, nur um im Titeltrack ein fulminantes Comeback zu feiern. Mal zärtlich, mal aggressiv führt sie es durch "Begin Again". Ein herrlich groovendes Stück Jazz, in dem sie sich an einen kritischen Blick auf Amerikas Geschichte wagt. "Can a nation build on blood / Find it's way out of the mood / … / Can we begin again?"

Neben den unterschiedlichsten Tasteninstrumenten wie Klavier, Orgel, Celesta und Rhodes spielt Jones auf "Begin Again" Schlagzeug und akustische Gitarre. Die kommt vor allem im mit Jeff Tweedy (Wilco) entstandenen "A Song With No Name" zur Geltung. Reichlich ächzend und vernarbt spielt sie sich in den Vordergrund dieses leicht psychedelischen Folks.

"Wintertime" bekommt nicht nur dank der den Song durchziehenden Slide-Gitarre einen deutlichen Country-Touch. "It Was You", in dem Dave Guy (Trompete) und Leon Michels (Saxofon) die Sängerin begleiten, klingt dann schon eher nach einer typischen Nummer der mehrfachen Grammy-Preisträgerin.

Abseits von Erwartungen gelingt Norah Jones mit "Begin Again" eine ungezwungene EP, deren Aufnahmen ihr deutlich zu spürenden Spaß bereitet hat. Ein Appetithappen, der wieder Lust auf mehr macht.

Trackliste

  1. 1. My Heart Is Full
  2. 2. Begin Again
  3. 3. It Was You
  4. 4. A Song With No Name
  5. 5. Uh Oh
  6. 6. Wintertime
  7. 7. Just A Little Bit

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4 Kommentare

  • Vor 6 Monaten

    Phantastische Drumarbeit, her damit. Ach ja, Norah ist auch ganz ok.

  • Vor 6 Monaten

    Norah Jones ist eigentlich nicht meine Baustelle. Musikalisch war mir das bis dato zu lanweilig. Aber diese EP hier läuft in Dauerrotation. Wo bei mir der Opener "My Heart Is Full" eher als zu lang geratenes Intro daher kommt. Aber der Rest ist richtig gut.

  • Vor 5 Monaten

    Mag sie und ihre Stimme. Werde mal reinhören.

  • Vor 5 Monaten

    Ich schätze vieles von Norah Jones sehr, vor allem auch ihr erstes, reines Jazz-Album "Come Away With Me". Ein paar Stücke auf den späteren Alben und vor allem einige ihrer Kollaborationen empfand ich aber durchaus auch schon mal einschläfernd - im negativen Sinn.
    Aber immer, wenn Jones experimentell wird und über die Grenzen des Genres hinaus geht, zuerst beim Country-Titel "Creepin' In" auf "Feels like Home", später mit den "Little Willies" oder auf "Downfall", dann kann etwas Großartiges entstehen.
    So wie alles auf dieser EP. Außergewöhnliche Musik, hervorragend "erdig" produziert, unterhaltsam und einfach gut.