laut.de-Kritik

Sieger im Stirnfalten-Turnier.

Review von

Markus, Erik, Reimer, Lars und Christian sind Kettcar, mittlerweile in ihren 40ern und verstehen die Welt nicht mehr so ganz. Mit grimmiger Miene schauen sie auf den aktuellen Pressefotos, als stünde eine Wagenladung Rollmöpse anstelle von leckerem Sushi auf dem Catering-Plan. Den Stirnfalten-Wettbewerb haben die Bedenkenträger der Republik gegen die ebenfalls stets mahnenden Heinz Rudolf Kunze und Klaus Lage längst gewonnen.

Die Welt der Hamburger bleibt auf der neuen EP sehr überschaubar, die alten Feindbilder auch. Der arme Herr Kaiser, aufdringliche Werbe-Ikone der Hamburg-Mannheimer-Versicherung aus den 80ern, muss sich in "Palo Alto" die Maßhosen runter ziehen lassen. Die heißt mittlerweile "Ergo" und ihr einstmals netter Grüßaugust ist bei der Check24-Familie gelandet. "Hallo Herr Kaiser, erzählen sie von der Bank, bei der sie früher arbeiteten", spottet Marcus Wiebusch in Richtung des Kapitalismus-Maskottchens. Wo einstmals Zwischenmenschliches verhandelt wurde, steht nun die Generalabrechnung mit der neuen Welt.

Die ist wirklich gemein zu den Hängengebliebenen des technologischen Wandels: Frühere Helden wie Kulturjournalisten, Plattenladenbesitzer und Porno-Queens treffen sich im Waschsalon. Wiebusch steckt sich die Zigarre in das mürrische Gesicht und hat es eh immer gewusst. "Palo Alto", Epizentrum der Techbranche, wird übrigens am Ende abgefackelt. Wem's hilft, den Protagonisten bringt es jedenfalls kaum eine bessere Zukunftsaussicht. Dafür geht die nächste Bierrunde im Golden Pudel bestimmt auf Kettcar.

Einfache Lösungen nach Art der Gelbwesten serviert auch "Scheine In Den Graben". Der stets angesäuerte Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen gibt hier das Mikro an Fjort, Sookee und Kraftklub weiter. Grönemeyer und Westernhagen hätten sicher auch mitgemacht, aber wurden ja leider nicht gefragt. So sieht also das "Nackt Im Wind" für 2019 aus. Es wird allerdings nicht für Kinder in Afrika gesammelt, sondern lieber mit Bono-esken Weltverbesserungspostings abgerechnet. Darf jeder selbst entscheiden, ob welterklärender Zynismus, das Selbstmitleid von privilegierten Menschen und "Wir sind die Guten"-Distinktionsgemaule die bessere Alternative bildet.

"Weit Draußen", wie es so schön im letzten Song heißt, ist das schon sehr lange. Beinahe bemerkenswert, wie Kettcar ein Klischee-Bild ans andere reihen und ein Gesamtbild von einer düsteren Welt erschaffen. Wieder mal in Tränen im Auto die dunkle Landstraße runter und das eigene doofe Leben hassen. Selbst ergebenste Fans müssten zugegeben, dass der hanseatischen Trübsalkapelle hier erschreckend wenig einfällt.

Die Überforderung mit sich und diesen anderen doofen Menschen wurde von Kettcar Anfang der Nullerjahre wunderbar vereinfacht und plausibel erklärt. Vorliegende fünf Songs wurden gefühlt schon mehrfach unter anderen Titelnamen aufgenommen, musikalische Stagnation inklusive. Wer hoffte, dass mit dem letzten Album "Ich Vs. Wir" (2017) alle Erste-Welt-Probleme final abgehandelt wurden, sieht sich getäuscht. Wer nach Lösungen sucht, sollte vielleicht besser auf die Demonstrationen der jungen Menschen schauen, die es trotz Mark Zuckerberg und Alexa auf die Straße schaffen und um eine bessere Zukunft kämpfen.

Trackliste

  1. 1. Palo Alto
  2. 2. Scheine In Den Graben
  3. 3. Notiz An Mich Selbst
  4. 4. Natürlich Für Alle
  5. 5. Weit Draußen

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8 Kommentare mit 15 Antworten

  • Vor 6 Monaten

    Kein Song wurde verstanden. Kindergarten-Review. Und obendrein auch noch ziemlich reaktionär

  • Vor 6 Monaten

    Gleich kommt der reaktionäre laut.de-Komentarfeld-Pöbel und klatscht Beifall.

    Unfassbare flache Review.
    Was hat 'Scheine in den Graben' mit "...einfache Lösungen nach Art der Gelbwesten" zu tun? Welche "einfache Lösung" wird wo postuliert in dem Song?

    Wieviele Klischeesätze kann eine Review beinhalten. 'Nächste Bierrunde auf Kettcar','Selbstmitleid von Privilegierten Menschen','die dunkle Landstraße runter und das eigene doofe Leben hassen' (soso, darum geht es in 'weit draußen'? Ernsthaft?)
    Eine Review geschrieben für die Trolls der Kommentarspalten.
    Hut ab, jeder kriegt die Fans die er verdient

  • Vor 6 Monaten

    Sorry, wer derart originelle Texte mit derart wenigen musikalischen Mitteln - mehr als 3 Töne kann der Sänger nicht - so beeindruckend in Szene zu setzen vermag, der braucht vielleicht auch keine große Weiterentwicklung. Davon abgesehen, dass es, was die Finessen im Aufbau der Songs betrifft, tatsächlich Weiterentwicklungen gibt. Und der Vergleich zu Klaus Lage oder HRK ist nicht wirklich ernst gemeint, oder? Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern wann mich Songs wie "Weit draußen" so kalt erwischt haben. Vielleicht funktioniert das nur für Menschen, die selbst kleine Kinder haben.

  • Vor 6 Monaten

    Party Generation 90er, ungebildet, uncool, unsexy und Stock im Arsch, dazu gesellt sich wohl der Herr Redakteur, der schon immer ein Praktikant im Geiste wa(h)r und auch bleibt. Hoffnung schwindet!

    Nein, wie kann man so ein prätentiöses Review schreiben und quasi einen Offenbarungseid an Unwissenheit zur Schau stellen? Und völliges Unverständnis, wieso bremst den niemand ein bei Laut? Scheißegal Haltung was?

    Beispiele? Kunze u. Lage was haben die da zu suchen? Die wären froh wenn sie nur annähernd so berührende Texte mit Hilfe von drei Worten zustande gebracht hätten, in ihren Karrieren. Verdammt lang her und 1000 mal berührt? Erstes war Bap, sorry, Kunze gerade nicht auf dem Schirm!

    Check24? Ja die 90er sind hauptverantwortlich zu machen, das der Scheiß über unsere Mattscheiben flimmert. Ach ich vergaß heute ist es ja der 60 Zoll Hidense, aus dem Geizistgeilmarkt. Sag es ja die Generation 90, immer und ewig gestrig, ein bisschen Spaß muss sein.

    Zur Scheibe selbst, 5 typische Kettcar Lieder. Zum mitfeiern im Kleinen und das dort die wahre Größe verbudelt liegt. Nicht besonders beim Effekte haschen, aber hört man hin haben sie den Effekt das man nach denkt bevor man sich dazu äußert. Einfache große kleine Songs halt. 4/5

    Gruß Speedi

    • Vor 6 Monaten

      "Party Generation 90er, ungebildet, uncool, unsexy und Stock im Arsch, dazu gesellt sich wohl der Herr Redakteur, der schon immer ein Praktikant im Geiste wa(h)r und auch bleibt. Hoffnung schwindet!"

      Wa(h)rst Du wieder auf Pinselreiniger?

    • Vor 6 Monaten

      Ganz genau!Sehr schön formuliert.Eine so unfassbar schlechte und ahnungslose Review habe ich noch nie gelesen.Mir gefällt die 1. auch am besten,aber so ein hirnloses Geschreibsel ist ja fast schon zum Lachen.

    • Vor 6 Monaten

      "Wa(h)rst Du wieder auf Pinselreiniger?"

      Para eigentlich kann ich dich ja leiden, nur sich immer an den gleichen Sachen hoch ziehen wirft ein sehr seltsames Licht auf deinen Charakter, falls vorhanden!

    • Vor 6 Monaten

      Dein hirnloses Gesabbel wirft ein seltsames Licht auf Deinen Geisteszustand, du adipöser Arbeitsverweigerer!

    • Vor 6 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor 6 Monaten durch den Autor entfernt.

    • Vor 6 Monaten

      ich würde ja gern mit dir sympathisieren speedi, aber dann kommst du mit solch hochnäsigen ergüssen an. nur weil der alltag frustrierend ist, muss man sich nicht gleich über andere erheben. ich weiß außerdem nicht, was es dir bringt, solche rants zu verfassen. lass doch den anderen (in diesem fall dem journalisten) ihre meinung. es wäre wirklich nicht das verkehrteste, wenn du paar gänge runter fahren würdest. so viel mangel an selbstreflexion ist wirklich schwer zu verstehen. chill mal.

    • Vor 6 Monaten

      @Para, das haste dir doch an 2 Fingern abzählen können, das da wieder die üblichen Scheißhaufenfliegen vorbei geflattert kommen und sich genüsslich in ihrer eigenen Scheiße sullen.
      Den las dir nochmal auf der Zunge zergehen und du wirst dir sofort viel näher sein (versprochen). Scheiße könnte klein Speedi doch ein kleines Stück recht haben? Aber darum geht es doch garnicht! Ein kleines Stück Selbstachtung, also ausschließlich niedere Beweggründe! Lach!!!

      Ach ja Leser haben die Wahl: https://secret-wiki.de/wiki/Selbstachtung u. https://de.wiktionary.org/wiki/Schei%C3%9F…

    • Vor 6 Monaten

      Was covfefe schreibt stimmt halt einfach. Du kriegst nichtmal einen einzigen geraden, deutschen Satz raus und machst hier aber einen auf Oberlehrer. Jeder hier weiß, dass du ein bildungsferner "Frührentner" bist, der sich hier regelmäßig versucht den Alltagsfrust von der Seele zu schreiben, indem er verkrampfte Versuche unternimmt sich über Andere zu erheben, nur leider funktioniert das nicht, weil Jeder Dich als den Tiefflieger erkennt, der du nunmal bist, Meuri!

    • Vor 6 Monaten

      "Scheiße könnte klein Speedi doch ein kleines Stück recht haben?"

      Nein.
      Klein Speedi hat Scheiße im Kopf.
      Und teilt das der Welt auch immer und immer wieder lauthals mit!

      "Party Generation 90er, ungebildet, uncool, unsexy und Stock im Arsch,......"
      Und Du laberst was von Selbstachtung?

      "....das da wieder die üblichen Scheißhaufenfliegen vorbei geflattert kommen..."
      Und Du laberst was von Selbstachtung?

      "Den las dir nochmal auf der Zunge zergehen und du wirst dir sofort viel näher sein (versprochen). Scheiße könnte klein Speedi doch ein kleines Stück recht haben? Aber darum geht es doch garnicht! Ein kleines Stück Selbstachtung, also ausschließlich niedere Beweggründe! Lach!!!"

      Wenn's einen Beweis für meine Verdünner-Theorie gebraucht hat, Du hast ihn damit abgeliefert.

      Moron.......

    • Vor 6 Monaten

      Er hat sich sei Arroganz hadd erarbeitet!

  • Vor 3 Monaten

    Offenbar ist dem Rezensenten die Vorgeschichte zu Kettcar, nämlich die grandioseren ...But Alive, nicht präsent: ... But Alive begannen in den 1990er Jahren da, wo Ton Steine Scherben in den 1970ern und Slime in den 1980ern aufgehört hatten. Es war die wichtigste deutschsprachige politische Band der 1990er Jahre. Kettcar war für mich und viele andere erst mal Entpolitisierung, Abwendung von den dringend notwendigen Texten, kurz auch: Enttäuschung. Mit den neuen Alben knüpft Kettcar wieder an ...But Alive an. Bitter nötig in Zeiten von Trump, Erdogan, Putin, Salvini, FPÖ und AfD. Wir brauchen mehr davon, keineswegs weniger.

  • Vor 3 Monaten

    ... und ich muss leider noch mal ergänzen: "Scheine in den Graben" ist eine ziemlich direkte Fortsetzung von "Betroffen aufessen" (... But Alive 1995) und genau das Gegenteil von der üblichen Kunze-, Bono- und Westernhagen-Betroffenheit (wobei Westernhagen eh der Soundtrack zum FDP wählen ist, abgesehen von volksverhetzenden und menschenverachtenden Titeln wie "Dicke").