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Schuh-Plattler: Konzerte des Jahres

  • Romano, Konstanz, 21 Jahre laut.de

laut.de ist seit diesem Sommer volljährig. Da muss man jemanden engagieren, der es checkt mit Rhythmus und Exzess und so kamen wir auf Romano. Man muss keines seiner Lieder kennen, um hier spontan steil zu gehen, entweder um sich den Pop-Klaps vom Chef abzuholen oder einfach mitzugrölen: "DEIN ANWALT RUFT MEIN ANWALT AN DANN RUFT MEIN ANWALT DEINEN ANWALT AN!"

Das hätte natürlich ganz schlimm werden können dieses Jahr für die Specials: Einen Ska/Punk-Meilenstein von 1979 mit einem neuen Album in schlechtes Licht zu rücken und eine peinliche Nostalgietour abzuspulen. Aber die Sache mit dem Livespielen in Fast-Originalbesetzung üben die Briten mit Originalsänger Terry Hall schon seit Jahren, so dass auch auf "Encore" nix schief ging. Live ging es auch 2019 noch ordentlich ab, so ähnlich muss es 1979 gewesen sein, nur dass Hall damals noch tanzte statt rauchte und man noch "Little Bitch" hören durfte.

  • Mine, Konstanz, Kulturladen

250 Zuschauer im Konstanzer Kultclub: Das waren dann schon so etwa 200 Prozent mehr Leute als drei Jahre zuvor an gleicher Stelle. Mine hat sich dafür nirgendwo angebiedert, sondern ihren Düsterpop-Weg einfach nur konsequent weiter verfolgt. Dass ihre melodramatischen Momente bei vollem Haus besser kommen, sollte klar sein, wenngleich sie selbst immer noch eine Fan-Nähe ausstrahlt als stünde sie im Juze nebenan.

Enttäuschung des Jahres:

Front 242, Zürich, X-tra

Dass früher alles besser war, musste ich mir in diesem Fall auf Youtube anhand von Liveclips ihrer 1991er-Tour selbst schönreden. Denn was die einstige belgische EBM-Institution hier ablieferte, spricht ihren Klassikern "Official Version" oder "Tyranny For You" völlig Hohn: Sänger De Meyer grunzt nur noch wie ein Synchronsprecher bei "Ice Age" und Richard 23 hüpft ungelenk auf seinen zwei Quadratmetern hin und her und brüllt seine Befehle für die Reha-Sportgruppe. Der Live-Drummer spielte dazu nur für sein privates In-Ear-Vergnügen. Ein Trauerspiel. Ewiggestrige, schwarz gekleidete Enthusiasten feierten diesen Gerontologenkongress derweil unverdrossen ab.

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