Hinrichtung mit Kopfschuss, zerplatzende Körper: M.I.A.s "Born Free" ist nichts für Zartbesaitete.

London (joga) - Das neue Video von M.I.A. schlägt derzeit in der Medienwelt ein 'wie eine Bombe' - selten war eine Plattitüde so treffend wie hier. Ob mit "Born Free" nicht eine bislang stets eingehaltene Grenze überschritten werde, fragt sogar der renommierte Guardian; andere Medien sprechen von "Hetze gegen Amerika" oder zumindest einem Angriff auf schwache Mägen.

Das neun Minuten lange "Born Free" überlebte auf Youtube gerade mal ein paar Stunden, bevor es gelöscht wurde. Kurz danach ging es mit einer Altersbeschränkung wieder online, nur um kurz darauf wieder komplett zu verschwinden. Ein kalkulierter Skandal? Sicher. Aber ist es der Aufreger um der Aufregung willen oder steckt in den erschreckend brutalen Bildern eine Message?

Eine Orgie der Gewalt

Der Plot ist schnell erzählt: Eine Einheit Gasmasken tragender Polizisten stürmt rücksichtslos einen Wohnblock und nimmt auf brutale Art und Weise nur rothaarige Burschen fest. Sie werden in einen gepanzerten Bus verladen und zu einem verwaisten Wüstengelände transportiert. Ihnen wird befohlen, um ihr Leben zu laufen.

Als sie zögern, schießt der Polizist dem Jüngsten von ihnen in den Kopf. Prototypisch zeigt "Born Free" eine ethnische Säuberung und kulminiert in einer Orgie der Gewalt mit Hinrichtungen und zerfetzten Körpern.

Mit Terror und Gewalt beschäftigt sich die Londoner Künstlerin mit Wurzeln in Sri Lanka, einem Vater bei den tamilischen Rebellen und einem Cousin als Selbstmordattentäter schon lange.

Während sie jedoch bislang nur von Panzern und Granaten sang und in Interviews den Terror als mitunter angemessene Antwort auf Regierungsgewalt darstellte, hat sie nun mit Hilfe von Regisseur Romain Gavras eindrückliche Bilder für ihr Thema gefunden.

Erfahrene Provokateure

Seine bedrückende Wirkung erzielt der Clip mit Hilfe von stark aufgeladenen Motiven. So erinnert die verfolgte Ethnie mit ihren roten Haaren an den jüngsten Religionskrieg in Nordeuropa zwischen Nordiren und Protestanten.

Zu vielen Symbolen oder Geschehnissen bieten sich Assoziationen an. Die mordenden Soldaten tragen die US-Flagge am Revers, bei ihrer Razzia denkt man an die Jagd auf Taliban in Afghanistan oder Al Qaida-Kämpfer im Irak. Der Tod des Kindes verweist auf den Genozid in Südeuropa oder Zentralafrika.

So viel Wirkung hat M.I.A. bislang nicht erzielen können. Offenbar hat sie in Gavras einen Gleichgesinnten gefunden, der überdies reichlich Erfahrung mit Provokationen hat. Schon das Video zu Justices "Stress" ging auf sein Konto und provozierte Anfeindungen in allen Videocommunities.

Weiterlesen

laut.de-Porträt M.I.A. (UK)

In London geboren, auf Sri Lanka die Kindheit verbracht, wieder in London in den Clubs erwachsen geworden und bereits mit Anfang zwanzig ein unstreitbares …

51 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Ob da jetzt Promo hintersteckt oder nicht...
    Drastische Darstallung der Realität. Ob Afghanistan oder Afrika - so ist die Welt.
    Dafür darf man auch mal ein Bewusstsein entwickeln lassen.

    Wer das allein für stumpfe Provokation hält, sitzt wohl in einer Kiste.

  • Vor 10 Jahren

    das video könnte in der form auch auf mtv laufen

  • Vor 10 Jahren

    Kaum sieht man mal keine "Gangsta" mit Knarren sondern real inszinierte Bullen wird der Schrei nach Provokation laut....Kinder werden erschossen und Menschen explodieren ohhh böse dann sollte man auch wohl jede Nachrichtensendung als Provokation abtun...achne halt wenn die Leute nicht rote Haare gehabt hätten sondern eine andere Hautfarbe wär es wohl wieder unter Realismus gefallen und hätte keinerlei Aufmerksamkeit auf sich gezogen. SCheinheilige Drecksgesellschaft....

    ACAB till I die!