Ein Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz brachte ihn zum Umdenken, beteuert der Rapper.

Düsseldorf (kah) - Vier Monate nach dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau äußerte sich Kollegah im Bezug auf die skandalträchtigen Textzeilen seiner Platte "Jung Brutal Gutaussehend 3" mit Kollabo-Partner Farid Bang reumütig. Gegenüber dem Magazin Stern gab er zu Protokoll: "Ich werde so etwas nie wieder benutzen". Gemeint sind Passagen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache mal wieder 'nen Holocaust", die zu Antisemitismusvorwürfen und einer Anzeige wegen Volksverhetzung führten.

Der Besuch des Konzentrationslagers sei "eine aufwühlende, klärende Erfahrung" gewesen. "Wir haben eingesehen, dass das echt verletzend sein kann. Ich habe, auch nach dem Besuch von Auschwitz, großen Respekt davor (...) Wenn du mit eigenen Augen siehst, wie dort fabrikmäßig Menschen vergast wurden, vergisst du das nie", so der Rapper. Er machte außerdem geltend, dass es ihm wichtig sei, "für Toleranz und gegen alle Vorurteile rassistischer oder religiöser Art" zu stehen. Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, hatte die beiden Rapper nach der Kontroverse eingeladen.

Vor vier Wochen und damit ganze zehn Monate nach der Veröffentlichung entschied sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für eine Indizierung von "Jung Brutal Gutaussehend 3". Seitdem darf die Platte nicht mehr öffentlich beworben und offen verkauft werden.

Im Frühjahr wurden Kollegah und Farid Bang für "JBG 3" mit einem Echo ausgezeichnet. Ein extra eingesetzter Ethik-Beirat hatte an den genannten Zeilen nichts auszusetzen. Die folgenden Proteste führten zum Ende des Echo in seiner bisherigen Form.

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Kollegah

Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion)

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8 Kommentare mit 16 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

  • Vor 2 Monaten

    Na dann ist ja alles gut!
    Ich kaufe sein Buch!

  • Vor 2 Monaten

    Ich finde die Aktion von vorne bis hinten heuchlerisch. Dass er sich jetzt ein halbes Jahr später von Farid's Line distanziert, hat wohl eher was damit zu tun, dass JBG3 vor kurzem indiziert wurde, sich von daher nicht mehr sonderbar verkaufen wird und dem Künstler eigentlich egal sein kann (gerade bei Fastfood-Rap-Künstlern wie Kolle) - nun kann er sich von seinem Werk distanzieren. Und dazu kommt noch, dass Kolle sich in seinem Buch theoretisch die Leser zu besseren Menschen machen will (ja, ich weiß. Die Praxis sieht anders aus...). Da passt so ein Promo-Move perfekt rein.

    • Vor 2 Monaten

      Außer Ben Salomo interessiert sich kein deutscher Rapper für den Juden. Weder positiv, noch negativ. Selbst die gottesfürchtigen Shisha-Rapper haben fiktiv immer noch Bush's Amerika als Feindbild. Weil sich diese Leute wiederum einen Scheiß für Mexikaner interessieren.

      Die Aktion bringt ihm ein paar verkaufte Einheiten, von ein paar gutgläubigen Idioten, aber generell hat Kolle seine Glaubwürdigkeit schon lange verspielt.

  • Vor 2 Monaten

    Ich hab es auch bereut, dass ich am Tag von dieser sinnlosen Exkursion in der Schule damals nicht geschwänzt hab.

    Da fährt man mit seiner Deutschlehrerin, die Türkin ist, nach Dachau und hört sich stundenlang an, wie scheiße die Deutschen waren. Ist imho schon irgendwie grenzwertig.

    • Vor 2 Monaten

      Was daran ist denn grenzwertig?

    • Vor 2 Monaten

      Ironie oder Schwachkopf - you decide.

    • Vor 2 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor 2 Monaten

      Ich bin mit Deutschen, ukrainischen Juden, Russen, Ungarn, Jugos und Albanern aufgewachsen. Das Deutschsein ist mir nur bedingt "wichtig".

      Aber gerade in einer Schule, in der es relativ viele Juden gibt, hätte man irgendwelche positiven Aspekte des Judentums aufgreifen können. Was soll ein 14-jähriger denn fühlen, wenn er in einem KZ ist? Die Mahnmal-Symbolik ist mir schon klar. Das Thema behandelt man ja nur 3 Jahre im Geschichtsunterricht.

      Ich finde die deutschen Lehrpläne allgemein fragwürdig. Ohne Eigeninitiative wäre man mit dem Gelernten komplett aufgeschmissen, wenn der Ernst das Lebens beginnt. Aber das ist ein anderes Thema.

    • Vor 2 Monaten

      Alter, was labasch du?

    • Vor 2 Monaten

      Der Bann war wohl gerechtfertig wenn man den Müll liest...

    • Vor 2 Monaten

      1) Es ist absolut nebensächlich mit wem du aufgewachsen bist.
      2) Ein Besuch in einem KZ erzeugt Betroffenheit und Betroffenheit ist der erste Schritt in Richtung nachhaltigen Lernens (Didaktik für Anfänger).
      3) KZ's behandelt man sicherlich nicht drei Jahre lang im Geschichtsunterricht, was für ein Unsinn.
      4) Es gibt keine "deutschen" Lehrpläne, die sind (leider) föderal geregelt.
      5) Eigeninitiative ist grundsätzlich erforderlich, wenn man im Leben klarkommen will und hat nichts mit Schule zu tun. Oder wer soll sonst dein Leben für dich führen?
      Was bist du für ein Verwirrter und denkst du vor dem Posten auch nach?

    • Vor 2 Monaten

      Sauber beerdigt.

    • Vor 2 Monaten

      1.) Das mit dem Aufwachsen bezieht sich auf den deutsche Ehre Kommi davor.
      2.) kann Betroffenheit erzeugen, kann aber auch das Gegenteil erzeugen, wenn es einfach in seiner Gesamtheit zu viel wird, soll heißen der Anteil des NS am geschichtlichen Lehrstoff ist zu groß. Zumindest bei uns war es so, und wir haben das beziehungsweise damit verknüpfte Aspekte zwischen der 8. und 12. durchgehend behandelt.
      3.) siehe 2
      4.) Das ist doch wortklauberei, denn a) gibt es auch Vorgaben für förderale Lehrpläne ( ja, Überraschung aber der Lehrstoff gleicht sich dann dich sehr) und b) sind auch Bundesländer dann doch irgendwo deutsch.
      5.) ich denke es ist deutlich worauf er hinaus will, da muss man ihn nicht absichtlich falsch verstehen, um ihn dümmer dastehen zu lassen.

      Es ist mir eigentlich scheiß egal, wenn jemand hier zerpflückt wird, meist ist es sogar sehr amüsant. Aber das hier war so konstruiert, so gewollt, da muss man doch nicht absichtlich so nen Blödsinn verzapfen um sich geistig erhaben zu fühlen....

    • Vor 2 Monaten

      hm, uns zwang man als 11 jährige goofen zum ersten mal die welle zu lesen. und nach dem unfassbar krass schockierendem ende war ungefähr die lernerfahrung, dass der adi die coolste sau aller zeiten gewesen sein muss, wenn sich die dann am ende alle so einscheißen, als sein bild enthüllt wird. das wurde dann durch das aufkommen von black metal und not red Punk verstärkt und dem entsprechend ist vorstellbar, wie die KZ-Besuche verliefen, die dann gefolgt haben...

      also irgendwie hat das nid so funktioniert, wie es hätte funktionieren sollen, mit der didaktik

    • Vor 2 Monaten

      Wir werden leider nicht mehr erfahren, was an der Tatsache, dass die Deutschlehrerin Türkin war, so erwähnenswert war. Trug sie eine Burka? Sagte sie im Unterricht so Sachen wie "mache gute letzte Preis" oder brachte regelmäßig ihre Cousins mit in den Unterricht?

    • Vor 2 Monaten

      ES WAR KEINE DOITSCHE!!!!!

    • Vor 2 Monaten

      Diese schlimmen Traumata, die so viele in der Schule durchleben mussten, dieser schreckliche Geschichtsunterricht! Wir wurden ja regelrecht erzogen, uns bzw die deutsche Gesellschaft zu hassen. Gesammelte Erfahrungen der Opfer demnächst im Sammelband "Unser Auschwitz".

    • Vor 2 Monaten

      Da sieht man mal wieder, dass das Schlimmste was die Juden den Deutschen antun konnten, der Holocaust war.

  • Vor 2 Monaten

    PR-mäßig das Maximale rausgeholt. Nicht schlecht für Pinky und den Brain.