Selbst die mächtige Bertelsmann Music Group geht jetzt in Deckung.

Frankfurt (leah) - Kollegah und Farid Bang stehen derzeit im Rampenlicht wie nie zuvor. Jeder halbwegs Prominente publiziert seine Meinung zu den Echo-Ereignissen, und die ersten Unternehmen ziehen Konsequenzen, um ihren Ruf zu schützen.

So auch die Bertelsmann Music Group. An der Seite von Alpha Empire und Banger Music verkaufte BMG seit Dezember das mittlerweile so umstrittene "JBG3"-Album.

"Pure Heuchelei"

Vor einigen Tagen hatte sich das Label noch hinter seine Künstler gestellt. "Wir bekräftigen unsere Verpflichtung zur künstlerischen Freiheit, so lange sich die Künstler an das Gesetz halten."

Daraufhin warf Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee der BMG "Zynismus" vor. Eine "ausschließlich am Gewinnstreben orientierte" auch noch als Verteidigung künstlerischer Freiheit zu verkaufen, sei "pure Heuchelei".

Auf Abstand

Es folgte die Ankündigung einer Kampagne gegen Antisemitismus. Doch nach andauernden Schlagzeilen vollzog die Bertelsmann Music Group eine Kehrtwende und distanzierte sich nun von seinen Goldeseln.

Vorstandschef Hartwig Masuch erläutert der FAZ ihren neuen Standpunkt: "Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen. Wir entschuldigen uns bei den Menschen, die sich verletzt fühlen."

Fotos

Kollegah

Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion)

Weiterlesen

4 Kommentare mit 9 Antworten

  • Vor einem Monat

    Sicherheitshalber veröffentlichen sie die "Platin war gestern" Version von "JBG3" aber trotzdem noch. Das schöne Geld, das dadurch generiert wird, hat ja nichts mit der Gesinnung der beiden Herren zu tun :)

  • Vor einem Monat

    Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

  • Vor einem Monat

    kolle und der gang banger werden gerade gexaviernaidood.

  • Vor einem Monat

    Scheinheilig.
    Schon vor der Echo-Verleihung hätte BMG das Seil zerschneiden können, damals hat man sich lieber rausgehalten. Aber jetzt steht der Ruf des Unternehmens auf dem Spiel. Kollegah und Farid Bang mit ihren Möchtegern-Labelimperien sind nämlich auf starke Vertriebspartner angeweisen, zumindest beim Einzelhandel.
    Die großen Labels haben immer an Deutschrap verdient, gerade an den bösen Buben. Das wird sich nicht ändern.
    Die Kontroverse wird verpuffen und beim nächsten Album der beiden werden die Majors einspringen.

    • Vor einem Monat

      Es gibt genug vernachlässigte Kiddies, die derlei Machwerke weiter kaufen werden.

    • Vor einem Monat

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Monat

      Das steht außer Frage. "JBG 3" werden sie bald als "Platin war gestern"-Edition mit ein paar zusätzlichen Tracks noch mal veröffentlichen - für stolze 50 €. Die Kids werden's kaufen, sofern "JBG 3" nicht vorher auf den Index wandert, was wünschenswert wäre.

    • Vor einem Monat

      Genau denn wie jeder weiß werden Alben die auf dem Index landen so gar nicht mehr verkauft! Auch diese angebliche Weisheit von wegen „verbotene Früchte“ undso ist völlig an den Haaren herbeigezogen.

    • Vor einem Monat

      Der Verkauf wird zumindest stark erschwert, da indizierte Medien nicht mehr offen in der Auslage stehen dürfen, sondern nur gegen Altersnachweis auf explizites Nachfragen herausgegeben werden dürfen. Einerseits ist eine Indizierung natürlich eine Art von Publicity, um den Bekanntheitsgrad eines Künstlers zu steigern, der Vertrieb des indizierten Mediums wird jedoch in den meisten Fällen derart erschwert, dass sich das finanziell sehr wohl bemerkbar macht. Der indizierte Inhalt verbreitet sich zwar, aber halt nicht über offizielle Kanäle, an denen der Künstler auch verdient, da die entsprechenden Songs nunmal auch aus Downloadportalen und Streamingdiensten verschwinden müssen. Ich wage mal zu behaupten, dass sich kein einziges indiziertes Medium nach seiner Indizierung besser verkauft hat, als vorher, auch wenn zB Bands wie die Ärzte auf lange Sicht von solchen "Skandalen" profitiert haben, da das den Bekanntheitsgrad insgesamt gesteigert hat.

    • Vor einem Monat

      ...da lässt sich ggf. noch hinzufügen, dass der Weg zur Indizierung (wie auch im Fall Kollegah & Co.) oft zu lange dauert, dass Teil bis dahin oft schon massenhaft im Umlauf ist und es auf Eltern- wie Einzelhändlerseite sicherlich genügend Menschen gibt, die bei so was öfters mal "beide Augen zudrücken". Und "nicht in der Auslage stehen" bedeutet zudem, dass für das Medium nicht mehr zu Zeiten/an Plätzen geworben werden darf, die laut Gesetz eine Kenntnisnahme durch Kinder und Jugendliche ermöglicht oder begünstigt.

      Aber von diesen Problemen abgesehen: Bei Prüfungen vor VÖ und konsequenter Umsetzung auf Eltern- und Mitarbeiterseite sicherlich ein sehr starkes und probates Mittel zum Jugendschutz. Hier wäre ggf. Skywise mit paar (Verkaufs)Zahlen hilfreich, falls das noch in seinen Bereich reinfällt, bin aber grundsätzlich bei Horst, dass nach Indizierung zumindest nicht mehr Platten verkauft werden als zuvor. Vgl. z.B. auch die in Hollywood und bei Kinobetreibern äußerst unbeliebten "R" und "NC-17"-Ratings von Kinofilmen, die automatisch die Zuschauerzahlen deckeln.

    • Vor einem Monat

      Und bevor jetzt jemand aufschreit: Prüfung vor VÖ nach derzeitiger Gesetzeslage (Ausschluss von Vorzensur nach Grungesetz) nicht möglich, erst nach Antrag eines Jugenamts oder Ministers, ist klar.

    • Vor einem Monat

      Naja, zumindest bei visuellen Medien wie Filmen und Computerspielen gibt es zumindest mit FSK und USK eine Art Vorzensur. Zwar keine staatliche, aber eine die quasi gesetzlich verankert ist, will man ein Medium legal und mit Schutz vor weiterer Verfolgung (Indizierung, Totalverbot) veröffentlichen. Dieses System sehe ich größtenteils als problematisch an, da es weit über den Schutz der Jugend hinausgeht, erwachsene Konsumenten bevormundet und bei Kunstschaffenden eine Art Schere im Kopf fördert. (wer den amoklaufenden Jugendschutz in den 80er Jahren miterlebt hat weiß was ich meine...)
      Von daher möchte ich Ähnliches ausgedehnt auf Musik eigentlich nicht unbedingt erleben.
      Eine Indizierung oder gar ein Totalverbot sollte ohnehin die Ultima Ratio sein, und nur bei solchen Dingen wie Aufruf zu Straftaten, Rassenhass, persönlicher Beleidigung, verfassungsfeindlichen Inhalten etc. greifen.
      Ansonsten wäre eine Erziehung zu mehr Medienkompetenz wünschenswert, die Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen hilft, bestimmte Inhalte richtig einzuordnen. Aber da entwickeln wir uns - spätestens seit der massenweisen Verbreitung der sogenannten "sozialen Medien" - eher rückwärts, wie mir scheint...