Der Sänger macht sich schon lange gegen Rechts stark, Demokratiefeinde fühlen sich aber erst jetzt angesprochen.

Wien (lei) - Vergangenen Donnerstag gab Herbert Grönemeyer im Rahmen seiner aktuellen "Tumult"-Tour ein Konzert in Wien. Mittendrin hielt er eine lautstarke Ansprache gegen Rechts, in der er forderte, "keinen Millimeter nach Rechts" zu rücken. Dafür erntete er zwar Applaus seitens des Publikums, doch er löste damit einen Shitstorm auf Twitter aus. Während zahlreiche liberale Politiker, unter anderem auch Außenminister Heiko Maas, ihre Unterstützung aussprachen, verglichen vor allem Mitglieder der AfD den Sänger mit Joseph Goebbels und klassifizierten seine Rede als "linke Propaganda".

"Auch wenn Politiker schwächeln [...], dann liegt es an uns zu diktieren wie eine Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht so 'ne Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze", gab Grönemeyer lauthals von sich. Dass ihm die Thematik am Herzen liegt und deswegen seine Emotionalität verständlich ist, bewies er gerade wieder im Juli. Dort trat er im Rahmen des "Kosmos-Wir bleiben mehr"-Festivals in Chemnitz auf und bezog ebenfalls Stellung gegen den Rechtsruck.

Dieser Enthusiasmus kommt auf Seiten der rechten Parteien naturgemäß weniger gut an. Doch in welchem Ausmaß sich Mitglieder der AfD anschließend über Herberts Rede echauffierten, sprengte jegliche Grenzen des guten Geschmacks und bleibt somit der Linie der Partei treu: Bevor man selbst rational Stellung bezieht, wird abgelenkt und vorschnell ein Urteil über politische Gegner gefällt.

AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch tweetete: "Das ist Ton u Furor des neuen Terrors von Links. Wer das unterstützt ist wie Heiko Maas ein Fall für den Verfassungsschutz."

Auch vor Vergleichen mit Hitlers Propaganda-Minister schreckt die Partei (wieder einmal) nicht zurück. Ausgerechnet der AfD-Sprecher für Bildung und Forschung, Götz Frömming, sieht Parallelen zu dessen Rede im Sportpalast.

Gründe für den Eklat rund um Grönemeyers Konzertansprache liefern sein angeblich aggressiver Tonfall und die Verwendung des Wortes "diktiert". Wer allerdings schon einmal einem Grönemeyer-Konzert beigewohnt hat, der weiß, dass der Sänger von Natur aus ein sehr lautes Organ hat und selbst den langweiligsten Album-Deep-Cut mit größtem Enthusiasmus ankündigt.

Dieser Meinung sind auch zahlreiche Twitter-User, die den Sänger verteidigen. Kabarettist Florian Schröder behaupetet, "das ist seine Bühnenfigur".

Auch Satiriker Shahak Shapira meldete sich zu Wort. "Vergleichen jetzt Leute Grönemeyer mit Goebbels, nur weil er eine Rede in ähnlicher Lautstärke gehalten hat?"

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laut.de-Porträt Herbert Grönemeyer

Vor seinen ersten Plattenerfolgen arbeitet er als musikalischer Leiter des Schauspielhauses Bochum und als Filmschauspieler - unter anderem im Welterfolg …

15 Kommentare mit 61 Antworten

  • Vor einem Monat

    "...dann liegt es an uns zu diktieren wie eine Gesellschaft auszusehen hat" ist schon eine Aussage, die man kritisch sehen sollte. Mit solcher Agitation bekehrt Grönemeyer keine Nazis und AfD-Anhänger, sondern verschlimmert die Lage.

    • Vor einem Monat

      Die wollen doch gar nicht bekehrt werden, da sie tiefbraun sind. Die sind verloren. Sie verkörpern den Anteil an braun, den es in jeder Gesellschaft gibt und der durch die neurechten Deppen nun aus den Löchern gekrochen kommt. Dagegen hilft nur der Kampf.

    • Vor einem Monat

      Mit "uns" wird er sicherlich nicht nur die Konzertbesucher gemeint haben.

  • Vor einem Monat

    ich möchte ja nur ungern die traute wohlig-warme atmosphäre der selbstvergewisserung hier stören, aber der typ hat doch mal einfach richtig einen an der klatsche. seine "rede" da zeigt insofern parallelen mit goebbels und anderen deppen auf, als dass er sich scheinbar ebenfalls mittlerweile als führerfigur und sprecher des "aufstandes der anständigen"" fühlt und das lautstark und zu wirlich JEDER sich ihm bietenden gelegenheit vor seinesgleichen kundtut. kann er ja machen. aber dass einige leute (u.a. olli schulz und böhmermann) echt noch davon ausgehen, dass der typ irgendwie noch einer wäre, auf "den sich in deutschland alle irgendwie einigen könnnen, der uns trptz aller differenzen zusmmenhält," ist jawohl ein schlechter witz. nein, er spricht zu denen, die sowieso seiner meinung sind. alle anderen ballen mittlerweile bei seinem anblick die faust in der tasche. und, wie immer, sind das nicht nur afdler, sondern auch viele in der sog. "mitte." schade, weil der kampf gegen rechts eigentlich genauso wie das thema klima etwas übergreifendes werden sollte, aber dank solcher irrer wie gröhli, "suv sind waffen," und hambacher forst deppen, ist das ganze zu einem typischen "links gegen rechts" verkommen. ein kampf, den die linken wie immer verlieren werden.

    • Vor einem Monat

      Beim typischen Kampf "links gegen rechts" verlieren nicht die Linken, da verlieren alle Teilnehmer.

    • Vor einem Monat

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Monat

      Ja! indeed. und es ist so sinnlos, aber vllt gehör tpolarisierung auch einfach irgendwie dazu. man/frau geht ja auch gerne zum fußball und sowieso ist leben entscheidungen treffen blablubb. einfahc nur belämmert, weil ich glaube, dass man sich durchaus über gröhli und fff hinaus in einem deutlich größeren kreise auf das einigen könnte, was gröhli und fff ja prinzipiell auch wollen. nur halt in weniger radikal und mit mehr grautönen. aber nein. brüllen wir lieber weiter rum und bespucken familienväter, die sich nen suv gekauft haben, und die eigentlich auch mla mit dem gedanken gepsielt hatten, vllt doch gün zu wählen, weil sie vllt doch mehr sind als die inkranation des bösen.

    • Vor einem Monat

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Monat

      Wieso ist man denn links, wenn man einen SUV bespuckt? Links sein würde für mich bedeuten, dass man dafür sorgt, dass die Menschen, die den SUV produzieren, den Mehrwert ihrer Arbeit ausgezahlt bekommen und dass der SUV umweltfreundlich ist. Alles andere ist doch total verkürzt.

    • Vor einem Monat

      stimme dir prinzipiell zu. nur weil gröhlis rede bescheuert ist oder mir die omnipräsenz der heiligen greta auf den sack geht, ist das keine entschuldigung, gleich die afd zu wählen und ins komplette gegenteil umzuschlagen. aber, um mal bei dem thema hier zu bleiben, die rede ist und bleibt halt einfach bescheuert. natürlich ist sie inhaltlich absolut null mit goebbels reden zu vergleichen, aber sie zeigt einfach sehr schön personifizert und in einer minnute komprimiert, was bei so manchen hysterikern abgeht und wie das auch in, zumindest verbal, aggression umschlagne kann. und natürlich das übliche "ich bin STAR und deshalb ist meine meinung G-A-N-Z wichtig weil ich bin ja ein sprachrohr." schnarch. klar. sicher. leg dich wieder hin.
      im geschrei und in der wagenburg à la "hier wir anständigen - da ihr nazis! NAZIS! UND JETZT DIE LICHTERKETTE AN!" gehen halt nun einmal auch die grautöne unter. das gilt für schreihälse mit ihrem "links grün versiffte kommunisten vaterlandsverräter" genauso wie für staiger und konsorten. und das ist schade, weil es halt einfach polarisiert. die welt besteht halt nicht nur aus nazis und autonomen.

    • Vor einem Monat

      mein kommentar hier bezog sich auf was von gleep, der hat seinen tiel aber wieder gelöscht.

      @olivander ja, links müsstne wir hier erstmal definieren. ist von mir sehr pauschal für, sagne wir mal, den "progressiven" teil der gesellschaft gebraucht (inkludiert grünenwähler in großstädten genauso wie greta oder markus staiger - an sich natürlich keine homogene gruppe) und rechts sind eher so die... familie, kind, reihenhaus, disziplin, arbeit, "patrioten," sicherheit geht vor freiheit, fremden sowie fremdem begegne ich erstmal mit vorsicht, eher ingenieur als geisteswissenschaften, eher sportverein als par tin einer band usw. natürlihc auch alles andere als eine homgene gruppe. aber diese zwei "welten" werden hier voll gegeneinander ausgepsielt, obwohl es da doch zumindest partiell schnittmengen gibt, die man gut nutzen könnte.

    • Vor einem Monat

      "stimme dir prinzipiell zu. nur weil gröhlis rede bescheuert ist oder mir die omnipräsenz der heiligen greta auf den sack geht, ist das keine entschuldigung, gleich die afd zu wählen und ins komplette gegenteil umzuschlagen"

      Das bezieht sich dann wohl auf mich. Hatte etwas in der Art (nur etwas schärfer) in meinem Post formuliert, hatte dann nach erneuten Lesen deines Posts selber gemerkt, dass das etwas am Thema vorbei ging/nicht deine Stoßrichtung war. Vo daher gut, dass du das noch einmal klar gestellt hast und dem Rest deines Posts würde ich dann auch mehr oder weniger zustimmen.

  • Vor einem Monat

    Dramatischer finde ich dass ich nicht wusste, ob er singt oder politische Botschaften schreit.