Nach der abgesagten "The Field Trip"-Tour begeistert der Rapper aus den Südstaaten mit einem Mix aus souliger Psychedelica und Moshpit-Bangern.

Köln (rnk) - Vom Soundcloud-Underground zum gefeierten Kritikliebling - und sogar ein Meme. Ein paar Witzbolde mischten einen Konzert-Ausschnitt von Yachty mit einer KI-Spielerei. So sieht man dank Bodyswap plötzlich Elon Musk und andere Promis anstelle des Hip Hop-Stars auf einer Konzertbühne enthemmt abgehen. Der leibhaftige und reale Lil Yachty kam nun nach einer Absage im vergangenen Jahr gestern endlich nach Köln.

Das aktuelle Album "Let's Start Here" switcht zwischen sämtlichen Genres und klingt mal wie Prog Rock oder Funk aus den Siebzigern. Ansonsten teilt sich die Setlist auf seiner "The Field Tour" in zwei verschiedene Parts auf, in denen auch Fans von härteren Trap-Sounds auf die Kosten kommen.

Im Neonkreuz: Support Jean Dawson und der Beef

Den Abend eröffnet Jean Dawson. Das rote Neonkreuz am Mic-Ständer verbreitet schon fast etwas Justice-Atmosphäre. Genre-technisch ist bei dem 28-Jährigen ebenfalls ein Genre-Hopping zwischen Emo-Rock-Sound und schwerem, bratzigen Trap-Sound angesagt. Wie Yachty eilt dem Künstler der Ruf voraus, für ordentlich Moshpit-Stimmung zu sorgen, ansonsten behandelt er auch ernstere Themen wie Depression und Unsicherheit. Derweil gockeln Kendrick Lamar und Drake in einem Beef rum, der längst die Boulevard-Seiten und auch die Kids hier vor Ort erreicht hat. Eine kleine Umfrage bei meinen Stehnachbarn, die extra aus Lübeck für das Konzert anreisten, ergibt klare Solidarität mit dem Kenny-Lager. Lil Yachty, der von Lamar in seinem Drake-Diss einfach dem Drake-Camp zugerechnet wurde, steht nun inmitten des Kreuzfeuers und ist wahrscheinlich froh, gerade weit entfernt in Deutschland ein Konzert zu geben.

In the Air Tonight: Yachty & Band

Während diese kindische Posse seit Tagen die sozialen Medien elektrisiert, ist es in der Domstadt eher eine große LED-Leinwand mit wunderschön trippigen Visuals, während ein Background-Chor einstimmt. Unter frenetischem Jubel tritt Lil Yachty auf die Bühne und die Security-Leute müssen die dicht gedrängte Masse vor der Bühne sofort mit Wasserflaschen versorgen. Yachty hängen lässig die Pants über dem Hintern, ansonsten sieht er mit seinem teuren Designer-Brillengestell fast schon nerdy aus. Hinter ihm befindet sich eine weibliche Begleitband: Sängerinnen, Drummerin, Gitarristin und eine im anfangs gedämmten Licht stehende Dame an den Tasteninstrumenten.

Virtuos unterstützen sie ihren Chef mit ordentlich Funk, dazu kommt ein souliges "In The Air"-Tonight-Cover. Und das macht mich als ziemlichen Phil-Collins-Hater dann doch fertig: die ganzen Kids, teilweise wahrscheinlich in der Oberstufe, singen jede Zeile absolut textsicher mit. Die ohnehin unrealistische Möglichkeit, dass der aseptische "Tarzan"-Sänger mit Beamten-Charisma doch mal in Vergessenheit geraten sollte, geht in einem glucksenden Jubel der zahlreichen Fans im fast ausverkauften Palladium unter.

Extreme Moshs und Atombombe

Der ruhige Teil ist damit erst einmal abgehakt, nun dürfen die zahlreichen Banger aus der Trap-Phase ran. Ab hier verwandelt sich das Palladium wirklich in einen Hexenkessel, die bereits erwarteten Moshs gehen nun bei "Minnesota" los und schon bald sieht man an den Außenrändern nonstop verschwitzte Konzertbesucher, die erst einmal im Foyer des Saals nach Luft japsen. Die Band ist nahezu verschwunden, Yachty darf nun quasi solo die tobende Menge vor der Bühne zerstören. Wo er noch zu den psychedelischen Sounds von "Let's Start Here" den erwachsenen Crooner-Rockstar gab, hüpft er tatsächlich wie in dem bekannten Meme über die Bühne. Etwas schade, dass diesmal nicht seine Concrete Boys-Crew dabei ist, doch Boat, wie ihn seine Fans nennen, wuppt das auch gute alleine.

Einen kurzen Moment zwischen den Mosh-Momenten nutzt er, um seinem verstorbenen Freund Juice WRLD zu gedenken. Ein sinnvoller Break, denn der Pit ist teilweise wirklich extrem und somit eine letzte Chance, der Gluthölle vor der Bühne schnell zu entgehen. Wer es nicht schafft, wird in der letzten Welle noch einmal quer durch den Raum geschubst. Dann ist aber wirklich Schluss und im Zugabteil dürfen alle runter kommen, auch wenn "I've Lost Vision" heute einen ordentlichen Nu Metal-Anstrich bekommt. Der letzte Song "The Black Seminole." bekommt mit seinem langen Klavier-Intro fast schon einen epichen "November Rain"-Hardrock-Balladen-Anstrich. Gerade der Pink-Floyd-Tribute-Ausbruch zum Ende des Songs ruft lauten, anerkennenden Beifall hervor.

War es das nun? Rock-Show oder explosive Banger-Party wie bei der Atombomben-Grafik zu "We Saw The Sun"? Ganz einfach: beides. 2024 darf alles gleichzeitig stattfinden und sich der Musik unterordnen. Heute auch zum Glück ohne dumpfe Politik-Phrasen, da dürfen sich edgy Rockbands gerne mal ein Beispiel nehmen. Es war ein großer Abend für Musik und auch Yachty, der große Performer-Qualitäten mit und ohne Band bewiesen hat. Das ist für jemanden, der zu Karrierebeginn noch als mäßig talentierter Soundcloud-Rapper tituliert wurde, ein gewaltiger Sprung auf die dunkle Seite des Mondes. Es sieht derzeit nicht so aus, als ob er da bald weg ist.

Fotos

Köln, Palladium, 2024 Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason.

Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich) Zwischen Psychelic-Funk und Trap-Banger: Lil Yachty zerstört mit  Begleitband das Palladium. Support: Jean Swason., Köln, Palladium, 2024 | © laut.de (Fotograf: Rinko Heidrich)

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