Die Gangstarap-Thematik dominiert derzeit die deutschen Hip Hop Veröffentlichungen. Doch nun haben einige Hip Hopper die Nase voll: die Szene schlägt zurück.

Kassel/Minden/München (pig) - Zwei Jahre lang hielten deutsche Rapper den Atem an. Aggro Berlin machte den Gangstarap salonfähig, in kürzester Zeit überrollte die Welle die Szene und spaltete sie nachhaltig. Urgesteine wie Toni L und MC Rene sonnten sich kurz im Glanze des Maskenrappers Sido, die Fantastischen Vier sahen Aggro als Bereicherung. Doch nun sind einige ähnlich namhafte Kreuzzügler nicht mehr bereit, ihre große Leidenschaft unter der Knechtschaft von Bling-Bling, Bitches und Beretta zu sehen.

Richtig sauer ist die Newcomer-Crew RaportaZ aus Kassel. Sie veröffentlicht dieser Tage eine EP mit Namen "Gangsta Gangsta". Die sechs Track starke Scheibe befasst sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Rap-Modeerscheinung. Sie versucht beispielsweise auf "Zellenblock 4", den Kids ein Worst Case Szenario des Pseudo-Gangster-Daseins auszumalen, und watscht die Sidos dieser Welt auf dem Titeltrack böse ab: "Das Geld liegt auf der Straße, also bück dich, mach was draus. | Und wenn du scheiße aussiehst, setz dir einfach eine Maske auf." Auch die "Mein Block"-Initiatoren Hecklah & Coch, die passend zum Namen auf ihren Covern gerne in Camouflage mit dicken Knarren posieren, bekommen ihr Fett weg. Mit manchen Rappern will man sich hingegen nicht anlegen: "Es gibt nur wenig Gs dort draußen, ich glaub's Azad und Charnell, | aber check mal Heckla und Coch, | es sei denn du bist schon zwölf."

Etwas beschwichtigendere Worte findet der Mindener Curse. "Gangsta Rap", die erste Single des kommenden Albums "Sinnflut", steht ab dem 14. Oktober in den Läden. "Ich hab' nichts gegen Gangsta Rap. | Ich hab' nichts gegen Gangster, die rappen. | Im Gegenteil, Mann, ich lieb' den Scheiß | doch zu viele von den Kids gehen und kopieren den Scheiß", macht der Labelboss schon im Refrain klar. Zwar sei Rap "die Sprache der Straße, der Gossen und Kloaken, Ghettos und Kiez", die Erscheinungsform hingegen findet der Wortakrobat kritikwürdig: "Es dreht sich alles nur ums Image, wie bei Popmusik, | das ist so lange Street, bis irgendwer nen Kopfschuss kriegt." Curse, der mit anspruchsvollen Battlereimen und tiefgreifender Poesie in der gesamten Szene Anerkennung erhält, scheint geeignet zu sein, um den Parteien die Köpfe etwas gerade zu rücken.

Die Nase voll hat auch Freestyle-Legende David Pe: Der Münchner verrät im Interview mit laut.de, dass der durch Battlerap entstehende Konkurrenzkampf die Szene prinzipiell bereichere. Allerdings sieht der Main Concept-MC genau hier auch das Manko: "Schlimm ist es, wenn es durch das Battle keine Weiterentwicklung gibt, und die sehe ich nicht." Selbstkritisch reflektiert er seine Einstellung schon auf der aktuellen Scheibe "Equilibrium": "Ich weiß, ein wirklich weiser Mann würde sogar seinen Feind lieben | sogar euch Ratten, euch Maden, euch Schmeißfliegen!". Konkrete Personen will er diesen Spezies allerdings nicht zuordnen: "Wenn irgendwas ist, muss man mit den Leuten selber reden."

Was David Pe über Angstmacherei im Wahlkampf und sein Rap-Projekt an Münchens Hauptschulen zu berichten weiß, und wie das mit der inneren Revolution noch mal funktioniert, lest ihr demnächst im vollständigen Interview auf laut.de

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Curse, Azad und Co

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