Die beiden normalsten Rapper des Landes geben "WAP" von Cardi und Megan ihren eigenen Dreh.

Der ewige Ikea (ynk) - Für das neue Album "Todesliste" hauen Audio88 & Yassin zurück in ihre klassische Kerbe: Wütende Beleidigungen auf scheppernden Beats. Das ließ zumindest die erste Single "Schlechtes Gewissen" vermuten, die die beiden mit Gejohle und Geschrei zurück in ihrer Topform zeigt. Eine zweite Single folgt auf dem Fuß, dieses Mal mit deutlich mehr Konzept und Budget - und einer Referenz, die man so nicht kommen sah:

Wenn es denn überhaupt eine ist: Auf jeden Fall kopiert "WUP" das jetzt schon ikonische Titelformat von Cardi Bs "WAP". Statt "Wet Ass Pussy" heißt es bei den beiden Herren aber "Weiß und Privilegiert". Ein Rundumschlag gegen das weiße Privileg also, serviert auf einem überdrehten Trap-Beat von den Drunken Masters. "WUP" richtet sich an all jene alten Herren, die unter Berichte von Polizeigewalt in Amerika reflexhaft "#alllivesmatter" kommentieren, die Greta Thunberg für eine Dämonin halten und regelmäßig über "linksgrünversiffte Gutmenschen" und "Gender-Gaga" dozieren.

Inhaltlich schön und richtig, was sie da sagen und besagter Typ Mensch kann sein Fett nicht oft genug wegbekommen. Trotzdem schreiben wir nicht mehr das Jahr 2015 und Audio und Yassin sind nicht die ersten, die sich dieser Thematik annehmen, weswegen sie sich textlich inzwischen an hohen Maßstäben messen. Immerhin bearbeiten sie ein Feindbild, auf das vom ZDF über Twitter bis zum lokalen Pausenhof so ziemlich jeder einhackt, der schon einmal Internetzugang hatte. Auch die Pointen wollen nicht so recht zünden. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier Witze abgelesen werden, die schon seit Jahren durch jede auch nur annähernd links-orientierte Meme-Seite kursieren.

Klar, kann nicht jedes Callout das Rad neu erfinden und es ist schön, dass ihre neue Musik ihre aktuelle Weltsicht klarer benennt und widerspiegelt. Trotzdem: Musikalisch fühlt sich diese Form von Halbschatten-Trap-Parodie müde und unangenehm ironisch an. Inhaltlich klingt es, als könne man damit höchstens einen Soziologie-Erstsemster-Kurs beeindrucken. Rap von der Twitter-Bubble für die Twitter-Bubble, quasi. Wenn "Schlechtes Gewissen" noch das Gefühl von Wut und Hunger vermittelte, bissig wirkte, fühlt sich diese Nummer wie eine sichere Wette im aktuellen Klima an. Für Kommentare von dieser breiten Akzeptanz hätte es Audio und Yassin eigentlich nicht gebraucht.

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Audio88

Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) Audio88,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel)

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5 Kommentare mit 18 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Jesus war ein weißer Mann und starb für mich den Heldentod
    Und nicht für hundert Wilde auf 'ner Kreuzfahrt in 'nem Rettungsboot
    Von wegen, mein Herz ist kalt, hab' bei der WM geweint
    Würd' auch Pennern gern was geben, doch die kaufen davon Alk (Alk)
    Erzähl mir nichts von Ungleichheit, zahl' Unterhalt für zwei Jungen
    Und seh die dafür nur zwei Stunden

    Alleine dieser Part ist doch weit mehr als nur für die Twitter-Bubble.

  • Vor 2 Monaten

    Schade. Habe immer viel von den beiden gehalten. Leider fangen die auch mit dieser dämlichen Polarisierung an. Oder ist es doch der Kolumnist hier? Fakt ist doch das die Oligarchen ausgebeutet haben! Der Kampf ist nicht rassistischer Natur, sondern Arm gegen Reich, schon immer gewesen! Kein Mensch will das zb. Kaffeebauern Arm sind. Nur die Kaffeelobby will. Das kann man universell anwenden. Deutschland muss den diskurs suchen und alternative Medien konsumieren, damit sowas wie der Song nicht zustande kommt.

  • Vor 2 Monaten

    ultimate cringe. das ist halt musik für jetzt.de oder ze.tt und die politisierte hip-hop fangemeinschaft, die sich sowas anhört um sich im eigenen weltbild zu versichern. die leute bei denen das potentiell anecken könnte, also so kollegah oder kontra k-hörer werden sich das sicher nicht anhören.
    das kommt raus wenn du mit deiner musik geld verdienen willst, aber dein trademark ist "kritisch" zu sein: "Immerhin bearbeiten sie ein Feindbild, auf das vom ZDF über Twitter bis zum lokalen Pausenhof so ziemlich jeder einhackt, der schon einmal Internetzugang hatte." Dito - und lässt sich das ganze mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanzieren.
    das ist textlich einfach so ein unfassbarer abstieg seit den ersten zwei herrengedecken. ich war ernsthaft bestürzt als ich das gesehen habe, das setzt auf den sonstigen grottenschlechten output der letzten jahre wirklich noch einen drauf.

    • Vor 2 Monaten

      Bin ich bei dir, ist ähnlich beschissen wie haiyti.

    • Vor 2 Monaten

      Da ich Teil der selbigen bin, kann ich sagen: ja, das ist 1a Konsens-Grütze für die woke Twitter-Bubble. Sterbenslangweilig. Leider. Ich mag die beiden sonst echt gern.

    • Vor 2 Monaten

      Nur aus Neugier: Wie weit reichen denn die „letzten Jahre“ mit dem „grottenschlechten Output“ für dich zurück, ShakenUp?

    • Vor 2 Monaten

      "grottenschlechter output" war zugegebenermaßen im affekt gewählt - und wäre höchstens im verhältnis zu ihren ersten beiden alben zu rechtfertigen ;). normaler samt war okay, hatte paar unterhaltsame tracks (schmutzige rapper, hundestammbaum), aber bestimmt nichts was ich mir in dauerschleife anhören würde - und eben auch schon einige nieten dabei (die welt dreht sich weiter, nett sind sie alle). schon damals war halt abzusehen wohin die reise geht: nämlich mit ein bisschen pop-appeal und leichter verdaulichen texten auch mal auf größeren bühnen rappen. sei ihnen gegönnt, aber spätestens mit dem halleluja-ding haben sie mich dann vollends verloren (hab die auf der tour nochmal live gesehen - so schlecht). aus den soloprojekten hab ich nur einzelne tracks gehört, die nicht übel waren, aber definiv nicht interessant genug um mir die ganzen alben zu geben.
      das was die herrengedecke für mich ausgemacht hat, also verschrobenes außenseitertum in den texten auf schrulligen lo-fi-beats hätte sicher auch nicht ewig funktioniert, aber die art und weise wie sie sich weiterentwickelt haben gibt mir definitiv nichts und steht mMn auch in kontrast zu vielem was sie anfangs verkörpert haben, z.B. halt dieser Track + Video hier.

    • Vor 2 Monaten

      Interessant. Ich kenne die alten Sachen gar nicht, von daher kann ich zu ihrer Entwicklung wenig sagen, aber Halleluja und Sternzeichen Hass sind mMn für sich genommen auf jeden Fall sehr vorzeigbare Rap-Platten. Ein paar kleinere Kritikpunkte hätte ich dazu schon auch, aber da ich mir nicht vorstellen kann, dass Yassin raptechnisch vorher Bäume ausgerissen hat und mir insbesondere das Ausproduzierte daran sehr gefällt, werden wir da wohl eher nicht zusammenkommen ;)

      Die Nummer hier ist natürlich keine Überraschung, den Punkt geb ich dir uneingeschränkt. Insbesondere Audios oben von Olivanderi Zwölfi zitierten Part hat man so ähnlich ja schon ein paar Mal von ihm gehört. Nur: Wird ja deswegen nicht weniger treffend. Und für meine Begriffe sind da schon auch paar gute Lines bei. Überhaupt finde ich das Ganze gar nicht soo übel, nette Idee/Adaption, saubere Umsetzung.

      Ansonsten: wb, vielleicht ja diesmal sogar für mehr als ein paar Gelegenheits-Posts? Wäre schön, ein paar mehr diskussionsfreudige (und -fähige!) User könnten wir hier gut vertragen :)

    • Vor 2 Monaten

      Hatte gerade einen langen Beitrag geschrieben und es dann leider versaut, Quintessenz war:
      Kubi: normaler Samt hören, falls noch nicht geschehen, Opus Magnum

      Herrengedecke: mein einstieg und überkrasse texte, beats und flows eher nicht sooo gut. Bei Samt hat Torky dann geregelt.

      Twitter-Bubble: wth sollte musik etwas bewirken müssen, nur weil politisch? Siehe verlinkte Tracks von den Herrengedecken.

    • Vor 2 Monaten

      Hm. Ging mir gar nicht darum, dass das irgendwas verändert oder auch nicht. Es ist in bestimmten Kreisen einfach nur konplett konsens, und das finde ich halt langweilig . Innovativ wie ein Diss gegen Oli P.

    • Vor 2 Monaten

      War auch gar nicht gegen dich, sondern gegen yannik gerichtet. Ich finde die haben ein paar gute lines dabei, hat mich entertaint. War aber tatsächlich schon mal besser.

    • Vor 2 Monaten

      Ah, Missverständnis. Die von Dir verlinkten Tracks zeigen den Qualitäts-Unterschied ziemlich gut, finde ich.

    • Vor 2 Monaten

      @kubischi & capslock. rein technisch sind die sicher deutlich bessere rapper geworden, aber ja das ist dann sicher auch eine frage der präferenz: wenn der style stimmt, ist mir ziemlich egal, ob irgendjemand gut im takt rappen kann. auch die beats sind sicher mittlerweile deutlich professioneller produziert, aber mir hat halt gefallen, dass das gerade nicht so war.

      bezüglich der polit-frage: ob das was bewirkt oder nicht finde ich erst einmal irrelevant, es ist nur hochgradig verlogen, den kritischen gestus zu bemühen und eigentlich auf zustimmung zu zielen. das unterscheidet sich vielleicht in politischer ausrichtung und ästhetik, aber nicht in der politisierung von konsum zB von so einem machwerk: https://www.youtube.com/watch?v=4toCZmzILIs.
      ihre alten sachen waren zwar auch irgendwie politisch, aber halt von ambivalenz geprägt. da musste man bisschen grübeln, wie jetzt was gemeint ist und konnte sich sicher keine bestätigung für irgendwas abholen (außer dass die welt scheiße ist).

      danke fürs welcome back :) aber ich höre halt zu 90% elektronische musik was laut sehr dürftig abdeckt. sonst halt ein bisschen classics, sowie deutsch und us-rap, aber ich digge halt nicht besonders tief und fast alles was ich oberflächlich mitbekomme langweilt mich sehr - mit wenigen ausnahmen (haft, erotik toy records & umfeld, teilweise kdm shey, haiyti, 102boyz). von daher mal gucken wie lange ich lust habe, auf der anderen seite ist jetzt auch wieder lockdown...

    • Vor 2 Monaten

      Was hörste denn für Electro? Bin auch für mehr DnB-Liebe seitens laut.de!

    • Vor 2 Monaten

      gab einige gute sachen dieses jahr. Oprhan Ann haben ein tolles album gemacht, überhaupt alles was auf posh isolation rauskommt ist gut, das Hodge-album ist top, das neue E.M.M.A.-album hat mir sehr gefallen, neue Traumprinz-projekte wie immer hörenswert.
      Was so DnB/Jungle sachen angeht, gabs die letzten beiden jahre mit dem Djrum und dem Skee Mask-album zwei absolute überalben, die genreübergreifend locker zu dem besten gehören was ich die letzten 10 jahre gehört habe.

    • Vor 2 Monaten

      Ah okay, sagt mir jetzt nix, höre gerne atmospärischen Liquid, Hospital Records und co, vllt eher mainstream für die deepen Digger :koks:
      Jungle/Garage/2Step natürlich auch nice - UK ist wirklich sehr eigenständig/kreativ in der Hinsicht!

      Die Spacewalk-Reihe von Rameses B hat mich z.B. extrem geflasht, wenn auch eher Ambient mit vielen Genre-Anleihen (Chillstep schimpft sich das, meine ich), aber wirklich außerirdische Drumsounds + Soundtrack-Vibe.

      Aber z.B. Neurofunk mag ich überhaupt nicht...zu monoton, zu stressig, diese gepitchten Snares - nee, lass mal! :conk:

    • Vor 2 Monaten

      Mal wieder spät dran wie Kamil Stoch:

      Freddy Quinn finde ich dann schon einen harten Vergleich :D Ist aus meiner Sicht eigentlich auch nur deshalb möglich, weil dein

      "es ist nur hochgradig verlogen, den kritischen gestus zu bemühen und eigentlich auf zustimmung zu zielen"

      im Grunde auf jede Art von politischer Kunst anwendbar wäre, die eine Aussage trifft. Ich bin selber durchaus ein Fan von Kryptik (und zweifle auch gerne), aber eine so pauschale Ablehnung von Position finde ich irgendwie Kappes.

      Aber gut, soweit, dass das (auch) mit persönlicher Präferenz zu tun hat, waren wir ja schon ;)

  • Vor 2 Monaten

    "und lässt sich das ganze mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanzieren."

    Tatsächlich oder ist das nur n Spruch?

  • Vor 2 Monaten

    Dieser Kommentar wurde vor 2 Monaten durch den Autor entfernt.