Porträt

laut.de-Biographie

Nad Sylvan

Nad Sylvan ist ein bunter Hund. Entstanden aus der kurzzeitigen Liason eines 31-jährigen Tennisspielers und dessen 19-jähriger Spielgefährtin, wuchs er zunächst bei seinen Großeltern auf.

Nad Sylvan - The Regal Bastard Aktuelles Album
Nad Sylvan The Regal Bastard
Der bunte Artrock-Hund beschließt seine "Vampirate"-Trilogie.

Erste eigene Gehversuche in den Achtzigern waren zarte Pflänzchen, die wenn auch nicht von Erfolg gekrönt, dann doch im juvenilen Nad keimten, um reichlich spät zur Blüte zu gelangen. Als Türöffner eignet sich das gemeinsam zur Taufe gebrachte Projekt Agents Of Mercy mit Flower Kings-Mastermind Roine Stolt.

Zwei Soloalben veröffentlicht Sylvan, bevor ihn der Anruf ereilt, der alles auf den Kopf stellt. Am Apparat: der Prog-Guru persönlich, Steve Hackett, Gitarren-Innovator und Genesis-Mitglied in deren Proggy Seventhies. Er teilt Nad mit, er benötige dessen zwischen Peter Gabriel und Phil Collins angesiedeltes Timbre für seine Genesis Revisited-Shows. Sylvan willigt ein und tourt fortan mit dem Soundtrack seiner Jugend um das Erdenrund.

Mit Mitte Fünfzig hängt er seinen Brotjob an den Nagel, um sich fortan gänzlich der Musik zu widmen. Auf der Bühne perfektioniert er sein exaltiertes Image. Was wie eine Mischung aus "Piraten der Karibik" und Bram Stokers ausschaut, inspiriert einen Fan zu einer tollen Wortneuschöpfung: Er meint, Sylvan sehe aus wie eine Mischung aus Pirat und Vampir. So steigt der Vampirate aus dem obskuren Unterbewusstsein des Namensgebers.

Die etwas schrullig wirkende Figur erfährt ihren konzeptuellen Abglanz im ominösen Quartermaster, der auf der 2015 beginnenden "Courting The Widow" seinen Einstand gibt. Hier kulminieren die musikalischen Ideen der letzten Jahre in einem 70-minütigen Feuerwerk, das beeindruckt, aber hier und da zerfasert.

Mit "The Bride Said No" zieht sich der von Renaissance-Klamotten faszinierte Multiinstrumentalist ein strafferes musikalisches Korsett an. 2019 endet die Trilogie mit "The Regal Bastard", einem Meisterwerk des Melodie-orientierten Artrock, das der sinistren Atmosphäre mit luftigen Arrangements, einprägsamen Hooks und tollen Gastbeiträgen von Guthrie Govan (The Aristocrats, Steven Wilson) sowie Mentor Hackett wahre Wow-Effekte hinzufügt.

Ende Mai 2019 sitzt der blonde Sänger vor dem Gig mit Steve Hackett auf dem Gelände der Mainzer Zitadelle und fläzt sich gemütlich im Liegestuhl. Für die kurze Stippvisite nimmt er seine royale Sonnenbrille ab und erzählt davon, wie glücklich er mit der komfortablen Situation als Sänger des Soundtracks seiner Jugend und als Verwirklicher eigenen Materials sei. Für viele Progrock- und Artrock-Fans: ein Ohrenfest.

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