laut.de-Kritik

Dieses Longplayer-Debüt trifft ins Schwarze.

Review von

Acht Jahre haben sich die Schweden Marcus Henriksson und Sebastian Mullaert für ihr Debüt Zeit gelassen. In der schnelllebigen Techno-Welt ist das eine halbe Ewigkeit. Es spricht für die Minilogue, dass sie während der ganzen Zeit an die Qualität ihrer Releases geglaubt und als Folge nichts übers Knie gebrochen haben.

Gut Ding will Weile haben - diese alte Weisheit trifft bei Minilogue voll ins Schwarze. "Animals" präsentiert sich musikalisch gleichermaßen ambitioniert wie abwechslungsreich. Dass es nirgends anders als auf Sven Väths Cocoon Recordings erscheint, verkommt dabei schon beinahe zur Nebensache. Und für Minilogue ist die Platte ein Longplayer-Debüt nach Maß.

Gleich zwei CDs haben sie für ihr Debüt eingeräumt bekommen. Das ist alles andere als üblich. Zeugnis dafür, dass man bei Cocoon an die beiden Schweden glaubt und bereit ist ihnen einen Vertrauensvorschuss einzuräumen. Die insgesamt 26 Tracks von "Animals" zeigen, dass dieser Vorschuss gut angelegt ist.

Die erste Hälfte prägen Tracks, die sich überwiegend um den Dancefloor gruppieren. In der zweiten Hälfte leben Minilogue ihre Vorliebe für Ambient und Downbeat aus, die dem Paket eine zusätzliche Dimension gibt, die man so nicht erwarten durfte.

Ein Grund für die Vorschusslorbeeren, mit denen Minilogue von Cocoon bedacht worden sind, ist im Backkatalog des Duos zu finden. Zu den bisherigen Veröffentlichungsstationen gehören so renommierte Institutionen wie das Kölner Label Traum Schallplatten, Mule Electronic aus Japan, Mathew Jonsons Label Wagon Repair und der britische Underground-Imprint Crosstown Rebels.

Wer derlei Referenzen aufweisen kann, für den öffnen sich eben auch Türen, die anderen für immer verschlossen bleiben. Selbstverständlich profitieren nicht nur Minilogue von dem Deal. Auch Cocoon kann mit "Animals" endlich mal wieder ein gutes Artist-Album veröffentlichen. Im vergangenen Jahr hatte man dort auf Dominik Eulbergs Debüt "Bionik" gesetzt und sich ein wenig verspekuliert.

Minilogue zeigen vom ersten Track an, dass die Vorschusslorbeeren voll und ganz gerechtfertigt sind. Gleich der zweite Track "Cow, Crickets And Clay" verrät viel vom musikalischen Verständnis des Duos. Minimalistisch in der Wahl der Sounds, raffiniert in den Arrangements und gleichzeitig unwiderstehlich im Club, so geben sich Minilogue immer wieder im Verlauf der ersten CD von "Animals".

"Hitchhiker's Choice" oder "We All" sind ebenfalls gute Beispiele für die moderne Technokonzeption, die aus den Produktionen von Minilogue spricht. Kopf und Beine werden gleichermaßen stimuliert. Diese Konzeption ändert sich erst in der zweiten Hälfte von "Animals". Hier spielen die Beats allenfalls noch eine Nebenrolle. Flächen und abstrakte Sounds sind die tragenden Elemente der Produktion.

Mit ihren Ambient-Tracks zeigen sich Minilogue dann von einer bislang wenig bekannten und runden den sehr guten Eindruck ab. Wer die Schweden bisher nicht kannte, dem bietet der Backkatalog reichlich Material, um auf Entdeckungstour zu gehen. Und wer mit den Releases von Minilogue vertraut ist, wird die zukünftigen Veröffentlichungen umso freudiger erwarten.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Yesterday Bells
  2. 2. Cow, crickets and clay
  3. 3. Hitchhiker s Choice
  4. 4. Loud
  5. 5. We All
  6. 6. 33000 Honeybees
  7. 7. Jamaica
  8. 8. View of a juggling ball
  9. 9. Giant hairy super Monster
  10. 10. Hypmotized
  11. 11. Animals
  12. 12. In a distance

CD 2

  1. 1. Old Water
  2. 2. Windows
  3. 3. City lights
  4. 4. Six arms and one leg
  5. 5. Swamp Op
  6. 6. In the shade of the sun
  7. 7. Stations I
  8. 8. Stations 2
  9. 9. Stations 3
  10. 10. Even the wind seemed in deep sleep
  11. 11. Europhonia
  12. 12. Feeling in spring beside the dressing table
  13. 13. Seconds (Colour & Sound)
  14. 14. Outro

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