laut.de-Kritik

Wie kann ein Mensch mit so vielen Worten nur so wenig sagen?

Review von

Der Titel von Meros zweitem Langspieler könnte kaum ironischer sein, hat er doch selbst dafür gesorgt, dass sein Status als "Unikat" in der deutschen Musiklandschaft relativ zügig flöten ging. 2018 war "Baller Los" noch eine erfrischende Abwechslung - ohne vom Hocker zu hauen überraschte der damals 18-jährige Rapper aus Rüsselsheim mit seinen Staccato-Flows halb Deutschland. Doch das Gimmick des jungen, technisch versierten Rappers nutzte sich schnell ab. Nicht nur, weil Mero zahlreiche Trittbrettfahrer hervorlockte und sich weigerte, von seinem Erfolgsrezept abzuweichen, sondern auch weil man beim genaueren Hinhören konstatieren muss, dass das vermeintliche Wunderkind gar nicht mal so begabt ist.

Meros Sprechgesang klingt beim ersten Hören beeindruckend, entpuppt sich aber letzten Endes als musikalisches Luftschloss. Ja, er weiß was Reimketten sind, auch wenn diese selten die Komplexität von "Haus-Maus"-Reimen übersteigen, und kann relativ verständlich Doubletime spitten. Aber es ist fast schon erschreckend, wenn man mit so vielen Worten so wenig zu sagen hat. Damit will ich jetzt nicht seine Themenwahl per se kritisieren, denn grundsätzlich ist es mir Schnurz, ob sich ein Rapper den Rucksack aufzieht oder von "Drip" und "Ice" schwadroniert, aber ein wenig Abwechslung oder Kreativität sollte man schon an den Tag legen.

Rüsselsheim, Instagram, Frauen, Shisha, Neider, Fame: Das sind die Inhalte von Meros Musik. Ohne Ausnahme. Bereits nach nur drei Tracks ist die Grenze dieses Horizonts erreicht und der Youngstar beginnt, sich im Kreis zu drehen. Auch auf musikalischer Ebene findet fast keine Abwechslung statt. Klar ein, zwei Beats können sich durchaus sehen lassen (namentlich: "Mermi Flow" und "QDH Family"), aber insgesamt ist das instrumentale Grundgerüst der LP viel zu monoton, um mehrfaches Hören zu belohnen. Da kann man am Ende eigentlich nur froh sein, dass der Hesse wenigstens weiß, wann Schluss ist und seine zweite LP auf knackige 40 Minuten reduziert.

Auch den Hooks, für die Mero in der Vergangenheit bereits des Öfteren gelobt wurde, muss man weitestgehend ein Armutszeugnis ausstellen. Egal ob nervige "LaLaLaLes" auf "Panama Safe" oder Marktschreier-Gesülze auf "Meine Hand": Das bleibt zwar alles im Ohr, ist aber so furchtbar einseitig und von jeglicher Kreativität befreit, dass man sich wünscht, O-Tips könnten den Gehörgang von mehr als nur Ohrenschmalz befreien.

Selbst wenn Mero die Sprache wechselt und wie auf "Olabilir" türkisch rappt, klingt nicht nur die Hook absolut grauenhaft, auch der Beat tönt wie Royalty-Free Oriental-Gedudel. Übersetzt man dann noch den Text, kann man angesichts des vagen Nonsens, den der Rüsselsheimer von sich gibt, nur verwirrt den Kopf schütteln.

Es ist schon eine Leistung auf dem eigenen Album so schlecht abzuschneiden, dass einem Rapper wie Eno oder Xatar die Show stehlen. Deren Features auf "Panama Safe" und "Strasse Macht Ärger" sind zwar auch keine Offenbarung, aber angesichts der nie endenden Reimfolgen auf Grundschulniveau eine mehr als willkommene Abwechslung. Brado, der sich auf "Olé Olé" die Ehre gibt, hat sich allerdings eine etwas zu dicke Scheibe von seinem Mentor abgeschnitten und klingt lediglich wie eine dreiste Kopie.

Dass Mero kein One Hit-Wonder geblieben ist, wie viele es anfangs vermuteten, ist erstmal keine sonderliche Überraschung. Ähnlich wie RAF Camora mit seiner "Palmen aus Plastik"-Reihe hat er sein Alleinstellungsmerkmal allerdings schon nach zwei Alben wieder verloren und steuert nun in Höchstgeschwindigkeit gen Belanglosigkeit.

Vielleicht ist der Titel des Albums ja sogar Wunschdenken und Mero ist sich bewusst, dass er angesichts der wachsenden Konkurrenz nach nur einem Jahr seinen Zenit schon überschritten hat? Sollte dem so sein, könnte er seiner nächsten LP einen ebenso bedeutungsschwangeren Titel wie "King" oder "Oldschool" verleihen und sich verzweifelt an vergangene Erfolge klammern, während seine Karriere in den letzten Atemzügen liegt.

Trackliste

  1. 1. Intro (Unikat)
  2. 2. Malediven
  3. 3. Panama Safe
  4. 4. Mermi Flow
  5. 5. Unikat
  6. 6. Meine Hand
  7. 7. Punch
  8. 8. Olé Olé
  9. 9. No Name
  10. 10. Olabilir
  11. 11. Strasse Macht Ärger
  12. 12. QDH Family
  13. 13. Mein Kopf
  14. 14. Outro

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