laut.de-Kritik

Das Freundschaftsbändchen von Petry dürfte damit zerschnitten sein.

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Matthias Reim predigt in Interviews gerne den Rock'n'Roll, kniet in Gedanken vor den Rolling Stones nieder und stempelt den Deutschpop, der sich dieser Tage durch die Radioboxen quält, als zu weich und zu niedlich ab. Wie man es richtig krachen lässt, will er uns nun mit seinem neuen Album "Meteor" zeigen.

Es dauert allerdings keine halbe Stunde, da liegen selbst Deutschpop-Marionetten wie Wincent Weiss, Adel Tawil und die Jungs von Revolverheld lachend in der Ecke. Der Grund: Reims Gefasel von harten Eiern entpuppt sich (wieder einmal) als brüchige Fassade, hinter der nichts anderes steckt, als schwafelnde Stehaufmännchenkost aus dem Schlagerparade-Archiv.

Wie gerne würde man den guten Matze nach dem Opener "Himmel Voller Geigen" in die Arme schließen und ihm die Worte "einfach Hammer, einfach geil, dass es dich gibt!" ins Ohr flüstern. Macht man aber natürlich nicht. Stattdessen steht man mit offenem Mund vor den heimischen Boxen und fragt sich: Wie dreist kann man eigentlich klauen? Hat es jemals eine Freundschaftsbändchen-Übergabe zwischen Matthias Reim und Wolfgang Petry gegeben? Wenn ja: Dieses Band dürfte nun durchschnitten sein.

Auch der anschließende Zukreuzekriecher "Letzte Chance" erinnert spätestens im Refrain an bereits Vorhandenes. Man muss Matthias Reim aber zu Gute halten: Einen Tom Petty hat man schon weitaus schlimmer verarztet.

Nach dem folgenden Achterbahn-Duo "Ich Geb Uns Nicht Auf" und "Erzähl Mir Nichts Von Liebe" hat man alle Zutaten des reimschen Sound-Menüs 2018 auf dem Tisch. Petryesker Partysalat, kross angebratene Sunrise-Avenue-Entenbrust, halbgares Petty-Allerlei und überzuckerter Mousse-Schmalz aus den Karpaten.

Serviert wird natürlich nicht ohne Worte. Während sich auf dem Tisch das nahezu komplette Weder-Fisch-noch-Fleisch-Spektrum ausbreitet, stapelt der von Lederhautfurchen gezeichnete Ober nicht enden wollende Loveletter-Lyrik zum Fremdschämen übereinander.

Das groteske, zwischen Ballermann-Podest und Mercedes Benz-Arena-Bühne pendelnde Reim-Monster "Wir sind jetzt mal unten / Doch es geht wieder rauf / Denn Baby, ich glaube: Wir beide sind einfach nur scheiße drauf", markiert schließlich den imaginären Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Im Restaurant "Zum taffen Reim" ist der Appetit längst vergangen. Vor dem Gästeklo wird die Schlange länger und länger. Und ich steh mittendrin.

Trackliste

  1. 1. Himmel Voller Geigen
  2. 2. Letzte Chance
  3. 3. Ich Geb Uns Nicht Auf
  4. 4. Erzähl Mir Nichts Von Liebe
  5. 5. Meteor
  6. 6. Niemals Zu Müde
  7. 7. Es War der Song
  8. 8. Verdammt Nochmal Gelebt
  9. 9. Wieder Am Start
  10. 10. 1000 Gründe
  11. 11. Chaot
  12. 12. Es Ist Wahnsinn

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