laut.de-Kritik

Tolivers Reisen zwischen Liliput und Brobdingnag.

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Von der Straße auf die großen Bühnen dieser Welt: Für den amerikanischen Multiinstrumentalisten Marques Toliver erfüllt sich nach und nach der Traum, mit dem jede Nacht Abertausende U-Bahn-Entertainer ins Bett gehen. Trotzdem vergisst er seine Wurzeln nicht: "Vielleicht werde ich so berühmt wie Michael Jackson. Dann baue ich mir meine eigene U-Bahn und spiele dort meine Konzerte, wo ich alle meine Freunde einladen kann."

Tolivers Weapon Of Choice hat vier Saiten und hört auf den Namen Violine. Doch keinesfalls ist der Amerikaner mit einem Guetta-Geiger wie David Garrett oder der sich bei Nerds anbiedernden Zelda-Hupfdohle Lindsey Stirling gleichzusetzen. Während diese im Grunde nur Rondó Venezianos gruseliges Geschäftsmodel in die Jetztzeit hieven, besitzt Tolivers Musik Soul.

"CanAan", der sorgengeschwängerte Opener, wird zum Mantra. Die Hookline "Oh Canaan / Sweet Canaan / I am bound to the land of Canaan" verfolgt uns über den ganzen Erstling, hält die musikalische Kontinentaldrift zusammen. Die Klammer, die schlussendlich in "Find Your Way Back Home" geschlossen wird, füllt Toliver mit Geschichten über Unterdrückung, Knechtschaft, Exodus und Liebe.

Geschichten zu denen er sich durch die Autobiographie von Frederick Douglass inspirieren ließ. Als Sklave geboren war der schwarze Abolitionist maßgeblich an Abraham Lincolns Weg zur Sklavenbefreiung beteiligt.

In der beachtenswerten ersten Hälfte des Longplayers stellt der oft überambitionierte Gesang Tolivers ("Try Your Best", "If Only") das einzige Manko dar. In manchen Passagen beginnt der Amerikaner dermaßen zu jodeln, dass man sich wundert, warum er anstelle der Geige nicht das Alphorn zum Instrument seiner Wahl gekürt hat.

Das barocke "Stay" zeigt deutlich auf, wie gut ihm eine deutlichere Fokussierung auf das Wesentliche steht. Vielleicht auch ein Grund, warum ausgerechnet "Repetition", das allein mit Klavier und Geige bezirzt, zu den Glanzstücken auf "Land Of CanAan" zählt. Oft ist weniger eben doch mehr.

Tolivers Geigen im Kammermusik-Soul "Control" tragen hier und da ein wenig zu dick auf, doch das Piano tapst tapfer an ihrer Seite Richtung Soul-Himmel. Von dort bringt er Marvin Gayes & Tammi Terrels "Ain't No Mountain High Enough" mit und webt es geschickt in die Bridge ein. Ein verblendeter Blick in die Spätsommer-Sonne, voll tanzender Linsenreflektionen. Unbeirrt zirpen die Zikaden über den Dächern von Korfu.

Wie der gute alte Kuschelweich-Bär fällt "Weatherman" in sein plüschig weiches Arrangement. Spätestens wenn die Easy Listening-Trompete einsetzt, dürfte es selbst dem Tiger Tom Jones zu zahnlos werden. Dieser klebrige Wetterfrosch wurde eine Runde zu oft in der Zuckerwattemaschine geschwenkt. Das uninspirierte Sedativum "Something's Wrong" wärmt nur beliebige R'n'B-Reste auf.

Tolivers Reisen wechseln fortwährend zwischen Liliput und Brobdingnag. Die richtige Passgröße für sein Flechtwerk aus Soul, R'n'B, Folk und Klassik findet er nur selten. Zwar gelingt ihm ein bemerkenswertes Debüt, doch die eigene U-Bahn muss so aller Voraussicht noch einen Moment auf ihn warten.

Trackliste

  1. 1. CanAan
  2. 2. Stay
  3. 3. If Only
  4. 4. Try Your Best
  5. 5. Repetition
  6. 6. Weatherman
  7. 7. Magic Look
  8. 8. Control
  9. 9. Something's Wrong
  10. 10. Find Your Way Back Home

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3 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Der hat doch sicher auch mal Basketball gespielt, da war doch was. Ich hab euch noch gar nicht die ganze Geschichte mit Michael Jordan erzählt. Naja, vielleicht nächstes mal im Chat. :)
    Ansonsten durchaus anhörbar, er weiß schon, was er tut. Aber mehr auch nicht.

  • Vor 9 Jahren

    Also zu der Sache mit der Botschaft, das war so: Aus diversen Gründen darf ich Euch meinen Arbeitsplatz nicht verraten, steckt halt viel Verantwortung dahinter und hat auch was mit dem Staat zu tun. ;) AUfjedenfall sollte ich etwas erledigen dort und wie immer war ich mit dem Skateboard unterwegs (als Selbständiger, erfolgreicher Mensch, der Einiges erreicht hat, geht das klar. Nur abgeben musste ich es am Eingang. ;))
    ...der Part, den ich nicht verraten kann...
    Nachdem ich mein Business erledigt hatte, sah ich einen schwarzen Bruder auf dem Gang, yo. Er musste mich wohl gesehen haben, als ich vor dem Gebäude ein paar Tricks übte wie Kartenspieler. ;)
    Das war der Bodyguard von Michael und er gab mir Propz... geiles Gefühl, keiner von Euch hat sowas erreicht, wette ich ;)
    Der meinte so, whut whut, zeig deine Skillz doch mal meinem Chef und ich so, wer ist dein Chef?
    Klamme Rede, schnurzer Sinn: Es war mein großes Idol und ich werde diesen Tag nie vergessen.
    :)

  • Vor 9 Jahren

    Leider habe ich keinen Hund. Sonst wäre ich mir sicher, dass er beim ersten Song mitjaulen würde. Probier das doch bitte mal einer aus!
    Einige Songs sind aber durchaus gelungen.