laut.de-Kritik

Meine Fresse, fliegen hier die Fetzen.

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Meine Fresse, fliegen hier die Fetzen. Maceo Parker und die WDR Big Band lassen es sowas von krachen, dass einem Hören und Sehen vergeht. "Roots & Grooves" ist ein absolutes Muss für jede gut sortierte Plattensammlung. Schließlich feiert nicht irgendwer, sondern der Godfather des Funk ein synkopiertes Fest. Mit ihm an der Orgie beteiligt, die Protagonisten der in Jazzkreisen berüchtigten WDR Big Band, die in der Szene über beste Credits verfügen.

Aufgenommen wurde das Ausnahmealbum während einer Europatournee, die der ehemalige P-Funker Parker mit der renommierten 18-köpfigen Big Band unter der Leitung von Michael Abene absolviert. "Mir fehlen die Worte, wenn ich versuche zu beschreiben, wie gut ich mich bei diesem Projekt gefühlt habe", gesteht Parker.

Dieses Gefühl schwitzt "Roots & Grooves" aus jeder Pore. Man hört dem ehemaligen James Brown-Sideman die Spiel- und Singfreude spürbar an. Die emotionale Beteiligung könnte kaum größer sein und wird extrem empfindsam transportiert. Dieses Album ist eine Wohltat für alle Fans explosiven, rhythmusgeladenen Gospel-Soul-Funks.

Nach dem fulminanten Opener "Hallelujah I Love Her So" offenbart "Busted", um was es eigentlich geht: CD 1 ist eine Hommage an den einzigartigen Ray Charles und der singende (!) Parker verwaltet dessen Erbe mit außergewöhnlich erfindungsreicher Ausdruckskraft.

"Hier ist ein Traum wahr geworden", kommentiert Parker das Albumkonzept. "Als ich die ersten Gerüchte hörte, dass ich vielleicht an einem Bigband-Projekt teilnehmen würde, kamen mir sofort die Ray Charles-Stücke in den Sinn. Die wollte ich nämlich schon immer mal spielen. Und die Funkstücke in Bigband-Proportionen hören, war wirklich mal was anderes!"

Hervorheben möchte ich aus der absolut amtlichen Ray Charles-Hommage "Hit The Road Jack" und "Georgia On My Mind". Hier übertrifft sich Parker stimmlich nicht nur selbst, sondern annähernd auch das ehrwürdige Vorbild. Ich weiß, so etwas darf man, wenn das Original von Ray Charles stammt, eigentlich nicht sagen. Aber was soll ich tun, wenn es nun mal so ist?

Offensichtlich bin ich nicht der einzige, der die Sachlage so einschätzt. "Seine Stimme kommt auf fast unheimliche Weise dem Original nahe", bemerkt Big Band-Boss Abene. Bescheiden schmunzelt Parker hierzu: "Ich bin mit einer Stimme gesegnet, die ein bisschen wie seine klingt". Abene bringt es schließlich auf den Punkt: "Wenn man die Augen schließt, klingt es genau wie Ray!"

Der erste Streich der Doppel-CD ist also gelungen und empfiehlt sich ausnahmslos. Ray Charles-Fans kommen ebenso auf ihre Kosten wie Maceo Parker-Verehrer und Big Band-Fanatiker. Über eine Länge von 50 Minuten servieren die Protagonisten ihr grooviges Kaleidoskop. Fein!

Wenden wir uns dem zweiten Silberling zu. Hier handelt es sich um Big Band-Versionen einiger Funk-Hymnen aus Maceos Feder. Nicht fehlen dürfen dabei natürlich "Shake Everything You Got" und "Pass The Peas". Aber schon der Opener "Uptown Up" macht klar, wo der Hase lang hoppelt. Die Drumlegende Dennis Chambers (derzeit bei Santana) knüppelt mit beinhartem Groove auf die Songs ein, während diese unter seinen Schlägen zu wahren Funk-Orgien mutieren. Hier werden definitiv keinen Gefangenen gemacht. Höhepunkt dieses Rausches ist die 17-minütige Version von "Pass The Peas", in der Chambers seiner Rage freien Lauf lässt.

Eingerahmt in fantastische Big Band-Arrangements entfalten die zur Genüge ausgelotet geglaubten Parker-Songs eine ungeahnte Kraft. Von messerscharfen Bläsersätzen gepeitscht, stacheln die Playbacks die Solisten zu absoluten Höchstleistungen an. Die wiederum lassen sich nicht lumpen und wachsen über sich hinaus. Eine wahre Freude, ihnen dabei zuzuhören. "Roots & Grooves" empfiehlt sich allen Maceo-Fans und solchen, die es werden wollen.

Trackliste

  1. 1. CD 1: Tribute To Ray Charles
  2. 2. Hallelujah I Love Her So
  3. 3. Busted
  4. 4. Them That's Got
  5. 5. You Don't Know Me
  6. 6. Hit The Road Jack
  7. 7. Margie
  8. 8. Georgie On My Mind
  9. 9. What'd I Say
  10. 10. CD 2: Back To Funk
  11. 11. Uptown Up
  12. 12. To Be Or Not To Be
  13. 13. Off The Hook
  14. 14. Advanced Funk
  15. 15. Shake Everything You Got
  16. 16. Pass The Peas

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7 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Sehr enthusiastisches Review, da fragt man sich doch, warum es nur 4/5 Punkten gab :)

  • Vor 10 Jahren

    Und da behaupte noch einer, funky geht heute nicht mehr. ;)
    Als stolzer Besitzer von Roots Revisited, Southern Exposure, Funk Overload und Dial: Maceo auf CD sowie einigen alten, aber gut erhaltenen Vinyls aus Parliament-Zeiten (u.a. das Superalbum "Mothership Connection") ist das Neuwerk ein absoluter Pflichtkauf.
    Enthusiastisch? Kai Kopp kann doch kaum anders in seiner schnuckeligen Nische. :D

  • Vor 10 Jahren

    ach, diese leidige 4 oder 5 Punkte-Diskussion. Warum darf ich nicht euphorisch über ein Album schreiben und dennoch "nur" 4 Punkte geben. Im Laufe meiner Zeit bei laut.de bin ich mit 5 Punkten einfach vorsichtig geworden - Insider wissen, warum ;-) - und außerdem finde ich, dass 4 Punkte eine "sehr gute" Wertung ist. Wie in vielen anderen Fällen hätt ich Herrn Parker gerne 4,5 Punkte gegeben, aber die gibts halt net... Kannst du damit leben, NinjaPinguin?

    Und herzlichste grüße an Jan Dilba aus meiner schnuckeligen Nische ;-)

    Kai Kopp