laut.de-Kritik

Die falschen Gäste auf den falschen Beats.

Review von

Sieben von zehn: Mit dieser Punktzahl bewertete Lupe Fiasco sein neuestes Werk "DROGAS Light" in einer eigens verfassten Review selbst. Wieso es nicht zu einer höheren Bewertung reicht? Naja, die Songs seien eben eine "gemischte Tüte" und mehr eine "Zusammenstellung bereits existierenden Materials, das sich ähnelt".

Na, wenn das mal nicht eine gute Grundlage für eine kohärente Platte abgibt ... Zumindest gibts "ein paar neue Songs" obendrauf. Wesentlich seien aber ohnehin seine lyrischen Fähigkeiten, "sozialkritische Kommentare und phantasievolles Geschichtenerzählen". Das also, was seine Stellung im Game seit Jahren verfestigt, beherrsche er immer noch wie kaum ein Zweiter.

So. Das alles klingt zwar in Hinblick auf die Musik ein wenig belanglos, fast schon, als leide Lupe an akuter Altersmüdigkeit. Ganz Unrecht hat er mit seiner Bewertung aber sicherlich nicht, wenngleich er bei der Punktzahl ein Auge zugedrückt haben mag. "DROGAS Light" klingt tatsächlich wie ein liebloser Zusammenwurf von Songs, die dem Format Album nur bedingt gerecht werden.

Vielleicht will Lupe das aber auch gar nicht, so ein Gesamtkunstwerk. Für sich genommen funktionieren die einzelnen Songs mitunter recht gut - wenn auch eher im Mainstream-Radio als in Kellern von wütenden Teenagern.

"Wild Child" hält als Negativbeispiel dafür her. Ausgesprochen cheesy "School's Out"-Lines wie "Life's a beach but no Bahamas, I just wanna wear pajamas / Whole life I been fightin' on piranhas" markieren dabei noch nicht einmal den Gipfel des Ganzen. Die unerhört weichgespülte und austauschbare Hook vom noch unbekannten Jake Torrey (der genauso klingt, wie er heißt) schreit nur so nach Radio-Airplay.

Leider klingen weite Teile des Albums so. Meistens folgen sie diesem einen Muster, nach dem auch gefühlt die Hälfte aller neuen Eminem-Songs funktionieren: solide bis stark eingerappte Parts ohne große Überraschungen, ein wenig Hook-Geträller von Gastsänger(in) XY mit belanglos pathetischer Hookline: Fertig ist der vorhersehbare Song.

Abgesehen von den unsäglichen Gute-Laune-Uptempo-Tracks, die sich dazwischen einschleichen, hat "DROGAS Light" aber durchaus auch seine Sonnenseiten. Bei aller Anbiederung sollte man nicht vergessen: Lupe war und ist ein bissiger Rapper, wenn auch auf den falschen Beats. "Kill" klingt dank eines glänzend aufgelegten Ty Dolla $ign wie ein wahr gewordener Kiffertraum, "Tranquillo" mit Rick Ross und Big K.R.I.T. bietet Spitting in seiner reinsten Form.

Das Hauptmanko Lupes bleibt jedoch allgegenwärtig: Es fehlt ihm ein eigener Sound. Gerade wenn man denkt, er habe sich eingependelt, versucht er umgehend, wie jemand anderes zu klingen. Irgendwie bezeichnend erscheint da auch die Ästhetik der Leadsingle "Jump", die Langzeit-Kollaborateur Soundtrakk produzierte: Übersteuerte Großraumdisco-Bässe und ein nervig gecuttetes Vocal-Sample grüßen leider mehr aus 2011 als von der Höhe der Zeit. Das war nach dem unterschätzten 2015er-Album "Tetsuo & Youth" so nicht unbedingt abzusehen und ist vielleicht genau deshalb um so bedauerlicher. Wenigstens handelt es sich nur im die Light-Version.

Trackliste

  1. 1. Dopamine Lit (Intro)
  2. 2. NGL (feat. Ty Dolla $ign)
  3. 3. Promise
  4. 4. Made In The USA (feat. Bianca)
  5. 5. Jump (feat. Gizzle)
  6. 6. City Of The Year (feat. Rondo)
  7. 7. High (Interlude) (feat. Simon Sayz)
  8. 8. Tranquilo (feat. Big K.R.I.T. & Rick Ross)
  9. 9. Kill (feat. Ty Dolla $ign & Victoria Monet)
  10. 10. Law (feat. Simon Sayz)
  11. 11. Pick Up The Phone (feat. Sebastian Lundberg)
  12. 12. It's Not Design (feat. Salim)
  13. 13. Wild Child (feat. Jake Torrey)
  14. 14. More Than My Heart (feat. Rxmn & Salim)

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LAUT.DE-PORTRÄT Lupe Fiasco

Nein, er ist kein herkömmlicher Rapper. Er hat früher Hip Hop gehasst, weil das Genre Frauen erniedrigt. Er ist Muslim, trinkt keinen Alkohol, raucht …

2 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Hör ich trotz der Warnung gern mal rein
    Lupe hat schon einige sehr schöne Tracks

  • Vor 3 Jahren

    Die Rezension kann man so unterschreiben. Im Vergleich zu Tetsuo & Youth, das wirklich einige kreative Perlen zu verzeichnen hatte, kommt Drogas Light ohne Überraschung daher und lässt jegliche Vielfältigkeit vermissen. Das kennt man von Lupe eigentlich nicht (vielleicht mit Ausnahme vom grausamen "Lasers" Album, das zwar seine Facetten hatte, aber halt die Falschen :-) ) Ich frage mich immer, wer sich diese scheußlichen und belanglosen Schmalzhooks anhört, bzw. wer daran Gefallen finden kann, aber scheinbar funktioniert's bei den Amis...
    Das nächste Album kann nur besser werden ;)