laut.de-Kritik

Die Düsseldorfer packen Harfe und Glockenspiel aus.

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Für Popmusiker jeglicher Couleur ist Düsseldorf eine Heimatstadt, die viele Tore öffnet, andere aber auch für immer verschlossen hält. Geschuldet ist dies hauptsächlich vier Musikern, die sich in den 70er Jahren entschlossen, die Gitarre mit dem Synthesizer zu vertauschen und fortan wie Roboter zu leben. Seither wird alles, was aus Düsseldorf kommt, an Kraftwerk gemessen. Einzige Ausnahme in dieser Logik sind die Toten Hosen.

Die drei Jungs von Kreidler können sich selbst nach Jahren eigenständiger Releases nicht gänzlich aus dem Schlagschatten der vier Roboter befreien. Allein schon ihre Vorliebe für elektronische Klangerzeugung reicht nach Meinung vieler aus, Kreidler und Kraftwerk über einen Kamm zu scheren. Mit dem aktuellen Album "Future Eve Recall" machen es Kreidler allen Schubladen-Denkern ein gutes Stück schwerer. Kammermusikalische Ruhe strahlt das Album über die volle Spielzeit aus.

Damit rücken auch andere Vergleichspunkte in den Blickpunkt des Interesses. Bei Harfen, Glockenspiel und Streichern denkt man nun mal nicht an Kraftwerk. Weitaus mehr Sinn macht es da zum Beispiel, auf Tarwater hinzuweisen, die mit ihrem Album "Dwellers On The Threshold" Minimal-Elektronik und Folk auf eigenwillige Weise vermählten. Ähnliches tun jetzt auch Kreidler. Nur, dass bei ihnen die Klassik an die Stelle des Folk getreten ist.

Gleichwohl schreiben Kreidler mit "Eve Future Recall" eine Tradition fort, die Bands wie Coil Mitte der 80er Jahre etablierten. Klassische Arrangements und Instrumente wurden im Sampler vorsichtig rhythmisiert und zu einer im Ergebnis wuchtig-barocken Klangcollage montiert. Während sich Coil jedoch stets auf den abseitigen Pfaden menschlicher Existenz bewegten, sonnen sich Kreidler mit "Even Future Recall" im Licht des Lebens.

"Luxemburg" oder "Cervantes" wälzen sich auf rhythmischem Streicherfundament schwer aus den Boxen, bewahren sich aber dank ihrer klaren und reduzierten Klangstruktur eine größtmögliches Maß an Leichtigkeit und überraschen ab und an gar mit ungewohnten, aber trotzdem vorsichtig tanzbaren Grooves. "Eve Future Recall" ist ein Album, das sich weit von frühen Kreidler-Releases entfernt und der Band Terrain für neue Entwicklungen erschließt. Den Kraftwerk-Vergleich wird dann auch niemand mehr bemühen müssen.

Trackliste

  1. 1. Vive Le Vie
  2. 2. Whom The Bells Tolls
  3. 3. Luxemburg
  4. 4. Cervantes
  5. 5. A Canterbury Tale
  6. 6. Schwanentöter
  7. 7. Bopooen
  8. 8. Von Valerie
  9. 9. The Park
  10. 10. Fandorin
  11. 11. The Diary Of Germain Nouveax

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