laut.de-Kritik

Tanz tief in den finnischen Wäldern.

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"Unsere Songs sind dazu gemacht, die Menschen die ganze Nacht tanzen zu lassen oder ihnen Trost in traurigen Momenten zu geben", sagt Jonne Järvelä, Sänger, Gitarrist und kreative Kraft der finnischen Folkmetaler Korpiklaani. Dieses Ansinnen ehrt den Bandkopf. Passend zur anhaltenden Corona-Tristesse veröffentlichen die Waldkauze aus dem hohen Norden ihr elftes Studioalbum. "Jylhä" (auf deutsch: majestätisch) verströmt in der Tat gute Laune.

Das ist nicht neu. Korpiklaani stehen nun mal für diesen Humppa-Täterä-Folksound, in dem Akkordeon, Violine oder Banjo zum Tanz bitten. Ein Song wie "Huolettomat" (Der Sorglose) steht exemplarisch dafür. Hält aber auch typisches Metalriffing und donnernde Schlagzeugklänge parat. Ähnlich wie In Extremo, die ihren Mittelaltervibe mit exotischen Instrumenten reibungslos in den Rock integrieren, verquicken auch Korpiklaani, finnischen Folk und Heavy Metal gleichberechtigt miteinander.

Ihre Liebe zum traditionell geschmiedeten Stahl lassen Korpiklaani besonders im Opener "Verikoira" anklingen, der Parallelen zu Judas Priests "Painkiller" aufweist. Für "Pidot" holten sich die Finnen Unterstützung von Exodus-Basser Jack Gibson, der bei seinem Gastauftritt freilich das Banjo zupft. Der neue Longplayer verfolgt aber nicht nur einen härteren Ansatz als die Vorgänger, sondern bringt auch dezente Reggae-("Leväluhta") und Punk-Einflüsse ("Sanaton maa") ins Spiel. Starke Hymnen wie das furiose "Niemi" oder das stimmungsvoll sanfte "Mylly" sorgen für Abwechslung und zeigen, worauf die Skandinavier stets bauen: auf eine groovende Rhythmus-Sektion und eingängige Melodien.

Textlich geht es nicht nur um die typischen Sing- und Trinklieder oder die in den finnischen Wäldern tief verwurzelte lappländisch-samische Kultur. Auch lyrisch ist auf "Jylhä" mehr Abwechslung angesagt. "Kiuru" etwa greift einen Doppelmord in einem finnischen Dorf von 1959 auf. In "Miero" geht es um die Zerbrechlichkeit des Lebens, das nur ein Augenzwinkern im Vergleich zur Unendlichkeit des Kosmos’ ist.

Mit 13 Songs und über einer Stunde Spielzeit ist das neue Album aber eindeutig zu lang ausgefallen. Der Spannungsabfall macht sich im zweiten Drittel bemerkbar. Wenn man ganz böse ist, kann man sagen: Das Gedudel nervt mit der Zeit. Doch das ist Geschmackssache. Die Fans der Band werden "Jylhä" genauso lieben wie seine Vorgänger.

Trackliste

  1. 1. Verikoira
  2. 2. Niemi
  3. 3. Leväluhta
  4. 4. Mylly
  5. 5. Tuuleton
  6. 6. Sanaton maa
  7. 7. Kiuru
  8. 8. Miero
  9. 9. Pohja
  10. 10. Huolettomat
  11. 11. Anolan aukeat
  12. 12. Pidot
  13. 13. Juuret

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