laut.de-Kritik

Ihre bodenständige Art fällt dem leblosen Sound zum Opfer.

Review von

Von einer gelernten Malerin und Lackiererin zur Duettpartnerin von Helene Fischer. Kerstin Ott legte innerhalb weniger Jahre eine steile Karriere hin. Auslöser war Ende 2015 ein Deep-House-Remix ihres Songs "Die Immer Lacht" vom sächsischen Produzenten-Duo Stereoact, der sich ganze 62 Wochen in den deutschen Single-Charts hielt. Nun erscheint mit "Ich Muss Dir Was Sagen" das mittlerweile dritte Album der Schleswig-Holsteinerin.

Das entstand wieder einmal gemeinsam mit Produzent Thorsten Brötzmann (Helene Fischer, Ben Zucker) und Songwriter Lukas Hainer (Santiano, voXXclub) und rückt keinen Millimeter vom bisherigen Erfolgskurs ab, Schlager-Klänge und clubbige Versatzstücke mit bodenständigen, ehrlichen Texten zu verbinden.

Zumindest die einfühlsame Piano-Ballade "Schweigen Wurde Ihre Art Zu Weinen" überzeugt mit einer wichtigen Botschaft, geht es doch darum, die Sensibilität für das Thema Einsamkeit im Alter zu schärfen. Auch in "Und Sie Träumt" singt Ott zu dezenten R'n'B-Rhythmen, die wenigstens kurzzeitig das Soundbild auflockern, über das Thema Anonymität. Jedenfalls verlässt sie in diesen beiden Songs die Ich-Perspektive und wendet sich den existenziellen Nöten des Einzelnen zu. Das wirkt durchaus sympathisch.

Ansonsten bietet das Werk inhaltlich nicht unbedingt mehr als Durchhalteparolen ("Ich Geh' Meinen Weg"), Herzschmerz ("Ich Muss Dir Was Sagen", "Mein Herz Bleibt Steh'n") und, wie die robuste Kämpfer-Natur selbst aufrichtig gesteht, "Marmeladenglasmomente". Das Leben hat für sie letzten Endes viele Höhen, aber auch viele Tiefen. Am Ende geht es ohnehin immer irgendwie weiter. Der Mensch wächst schließlich mit seinen Erfahrungen.

Dabei fällt die Musik so harmlos wie nur möglich aus. Irgendwas mit Gitarre muss so gut wie immer sein. Dazu ertönt ein kraftloser Bass nebst Fingergeschnippe und housiger Elektronik, die schon vor zehn Jahren niemanden mehr hinterm Ofen hervorgelockt hätte. Und wenn es in einigen wenigen Momenten doch etwas nachdenklicher ("Ich Geh' Meinen Weg", "Geh' Nicht") sein soll, klimpert ein Piano vor sich hin, das im Grunde so viel unvorhergesehene Spannung wie eine Vorabendserie auf RTL vermittelt. Letzten Endes hat man im Verlauf der rund 45 Minuten größtenteils damit zu tun, nicht in einen Dämmerzustand zu verfallen, so leblos gestaltet sich das Soundbild.

Das, was auf der Platte alles falsch läuft, führt beispielsweise "Wegen Dir (Nachts Wenn Alles Schläft)" vor Augen, das mit Howard Carpendale-Gedächtnisgesängen im Gegensatz zu den meisten Stücken nicht unbedingt schlecht beginnt. Sobald aber die lustlose Gitarre und der 4/4-Beat nach wenigen Sekunden einsetzen, war es das schon mit der Eleganz. Da stellt der stromlinienförmige Refrain nur den Gipfel der Behäbigkeit dar. Jener kommt nur ein klein wenig lauter als die Strophen daher, so dass man die Nummer sowohl auf jedem x-beliebigen Dorffest als auch auf Mallorca auflegen kann, ohne dass man sie bewusst registriert.

Schlussendlich funktioniert das Album nicht mehr und nicht weniger als nach dem Credo: Je weniger man die Persönlichkeit musikalisch betont, desto mehr Geld spült das Produkt in die Kassen. Das garantiert, dass sich "Ich Muss Dir Was Sagen" ebenso wie die Vorgänger wie geschnitten Brot verkauft.

Trackliste

  1. 1. Schau Mal
  2. 2. Berliner Luft
  3. 3. Wegen Dir (Nachts Wenn Alles Schläft)
  4. 4. Ich Geh' Meinen Weg
  5. 5. Marmeladenglasmomente
  6. 6. Ich Muss Dir Was Sagen
  7. 7. Mein Herz Bleibt Steh'n
  8. 8. Geh' Nicht
  9. 9. Alles Was Uns Zwei Passieren Sollte
  10. 10. Wir Stehen Zusammen
  11. 11. Wahrheit Schmerzt
  12. 12. Und Sie Träumt
  13. 13. Schweigen Wurde Ihre Art Zu Weinen

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