laut.de-Kritik

Mehr Kopf als Keiler.

Review von

Viel hat man von Keilerkopf in letzter Zeit nicht gehört und so flattert der zweite Longplayer relativ unerwartet auf den Tisch. Die Zutaten des Ulmer Trios sind gleichwohl die selben geblieben. Jochen, Mark und Achim versuchen ihr Glück mit der sympathischen Melange aus Hip Hop-Beats, Sample-Patchwork, Gitarren und deutschen Texten. Das Ergebnis tönt aber etwas unfrisch aus den Boxen.

Handwerklich liefern die drei solide Arbeit ab. Die Stücke sind gut ausgedacht und fett produziert. Der Kopf nickt zu Beats oder schweren Gitarren-Riffs. Jochen Speidel modeliert zudem ein schlüssiges Sample-Konzept. Allein: die Platte will nicht recht zünden. Ein Grund dafür könnte Shouter Mark sein, dessen Beitrag zur "neuen deutschen Lyrik" wie ein Hamburger Magazin den teutonischen Sprechgesang einmal betitelte, mit wenig Charisma gesegnet ist.

Zu oft erinnert sein Flow an Kollegen aus der deutschen Rap-Branche. Thomas D. grüßt nicht nur in "Lala" und der Single "Nix Zu Verlieren", dessen Strophen stark an "Tag am Meer" erinnern. Prompt stellt sich Retro-Feeling ein, das einen die ganze Scheibe über nicht los lässt. Bei verhalteneren Nummern wie "Bitte Geh'n", "Zum Ersten Mal" oder "Augen Zu Und Durch" funktioniert das Ulmer Konzept am besten. Schade aber, dass die Platte über guten und altbekannten Standard nicht hinaus kommt.

Wer Keilerkopf live sieht, weiß, dass da sympathische Zeitgenossen auf der Bühne stehen, die verdientermaßen ihren Traum verwirklichen. Die vermeintlich finale Wut mancher autobiografischer Texte klingt so aber eher nach Kopfgeburt. Zoff in der Schule, wie in "Augen Zu Und Durch" thematisiert, hat und hatte schließlich jeder mal. Für ein hartes Image taugt das wenig.

Ich kann es nicht oft genug betonen. Bands, die Hip Hop und Rock zusammen werfen, haben es nicht leicht. Und kommen noch deutsche Texte hinzu, wird die Luft dünn. Aber Platten werden ja bekanntlich für Fans und nicht für Pop-Kritiker gemacht. Wer die erste Keilerkopf im Schrank hat, kann also getrost die zweite dazu stellen.

Trackliste

  1. 1. Traumschloss
  2. 2. Hülle
  3. 3. Lala
  4. 4. Bitte Geh'n
  5. 5. Nix Zu Verlieren
  6. 6. Mein Kind
  7. 7. Steine
  8. 8. Augen Zu Und Durch
  9. 9. Punch
  10. 10. Gut Krank
  11. 11. Könnt Ihr Mich Sehen
  12. 12. Zum Ersten Mal

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