laut.de-Kritik

Missratene Fortsetzung mit mehreren Tiefpunkten.

Review von

Dass nach der Zahl 1 die 2 kommt, lernen manche Kleinkinder schon, bevor sie richtige Sätze bilden können. Die Rapper KC Rebell und Summer Cem lassen auf ihr erstes Kollaboalbum "Maximum" nun allerdings nicht "Maximum II", sondern "Maximum III" folgen. Eine logische Erklärung dafür gibt es nicht, aber seit wann basieren Promophasen deutscher Rapper auf Logik?

Ob das Album nun den wenig aussagekräftigen Titel "Maximum II" oder den ebenso wenig aussagekräftigen "Maximum III" trägt, ist natürlich eigentlich völlig unerheblich, allerdings leider schon das Interessanteste, was es über die Veröffentlichung zu erzählen gibt. Die Singles fielen vor allem durch die reichlich vorhandene Produktplatzierung in den Musikvideos auf. Außerdem sollen sich KC Rebell und Summer Cem für kurze Zeit auf den Social Media-Plattformen entfolgt haben, um es so aussehen zu lassen, als lägen sie im Clinch, allerdings weiß das keiner so genau, weil sich offensichtlich niemand dafür interessierte.

"Maximum II" befindet sich jetzt also in den ewigen Jagdgründen, "Maximum III" dafür wartet mit 14 Tracks, moderner Produktion und Features von Luciano und Gentleman auf. Der Song mit Loredana, das von Destiny's Child "inspirierte" "Geh Dein Weg", hat es nicht auf das finale Album geschafft. Schon bei Erscheinen stieß der Song auf starke Ablehnung, die Kontroverse um Loredana, die Betrugsvorwürfe und Boykottaufrufe taten wohl ihr Übriges.

Auch wenn die "Say My Name"-Kopie nicht unter den 14 Tracks ist, heißt das selbstverständlich nicht, dass auf dem Album nicht trotzdem eifrig kopiert wird, denn wir sind hier im Deutsch-Rap. Wer Pop Smoke auf Wish bestellt, erhält vermutlich das Intro "Geht nich gibs nich". KC Rebell kandiert den scheppernden Beat schon nach wenigen Sekunden mit den ersten peinlichen Lines: "Mister, Mister / Rebell iz da / Drip-Minister". Den zweiten Vers übernimmt Summer Cem und spielt in Anlehnung an Chief Keefs Klassiker "I Don't Like" auf die gegenwärtige Pandemie an: "Husten mit Coronaviren, that's the shit I don't like".

Der langsame Beat von "Iron Man" steht Summer Cem recht gut zu Gesicht. Gelangweilt und lässig klingt er meist ansprechender als aggressiv und schnell, und davon profitiert auch sein Flow: "VVS-Steine sind realer als Torch / Schlaf' in Hotels, residier' in Resorts / Wo ich bin, kommst du Pisser nur hin / Wenn du dir dafür erst einmal ein Visum besorgst", rappt er vor dem zweiten Refrain, in dem sich KC Rebell selbst zum elften Wu-Tang Clan-Mitglied ernennt.

"Anani Bacini" kommt mit einem kompromisslosen Beat und einer ebenso kompromisslosen Hook daher, in der die türkische Phrase stolze sieben Mal wiederholt wird. Summer Cems jaulende Singsang-Parts sind zwar eingängig, aber angenehm ist das nicht, wenn einem auch nach dem Hören noch die Zeile "Wie reich kann man werden mit paar Klicks und bisschen Hype? Steinreich" im Kopf herumschwirrt. Auf das Stilmittel der Wiederholung greift das Duo nicht nur auf "Anani Bacini", sondern auch gleich in der nächsten Hook von "Valla Nein" zu Genüge zurück. Wer Feature-Gast Luciano noch nie "normal" hat reden hören, kann das hier tun. Der Unterschied zu seiner Rap-Stimme ist wirklich enorm - lachend wirkt der sonst so aggressiv rüberkommende Rapper ganz sympathisch.

Das Duo griff für "Maximum III" auf verschiedene Produzenten zurück, weshalb der Sound über das Album hinweg zumindest kein Einheitsbrei ist. Wirklich innovativ klingen aber weder die Beats von Juh-Dee, Macloud noch von Mesh oder Geenaro. Generischer Trap, dunkle 808s und Gitarrenloops sind längst im deutschen Rap angekommen und dürften keinen mehr wirklich beeindrucken.

Auf "Wow" gibt sich das Duo betont ironisch und arrogant: "Wie ich sehe, hast du grade einen Lauf, wow / Erste Woche dreitausend verkauft, wow". Für die Zeile "Du liest manchmal Goethe oder Faust, wow" setzt sogar extra kurz der Beat aus, als sei sie es wert, besonders betont zu werden. Heraus sticht sie allerdings nicht nur deswegen, sondern auch, weil sie ganz einfach keinen Sinn ergibt.

Gitarrenbeats wie der von "Eine Nacht" oder "Hall Of Fame" klingen nicht schlecht, aber warum sollte man sich sich darauf KC Rebells hölzernen Flow und Summer Cems Autotune-Gewinsel anhören, wenn es Lil Baby oder Gunna gibt, die über ähnliche, aber bessere Beats schier mühelos hinwegschweben? Hiesige Produzenten, die täuschend echte Kopien der amerikanischen Vorbilder schaffen, sind mittlerweile anscheinend ausreichend vorhanden, das zeigen auch die Alben von diversen Kollegen wie Fler oder Luciano.

Gleich mehrere Tiefpunkte erreicht "Maximum III" dann ab Track 10. Mit "QN" entführen uns die beiden unerwartet in die Dorfdisco, "Gigi" präsentiert die grausamste Hook des Jahres und "Fly" macht auf einmal auf Stadion-Rap mit Chor zum Mitgrölen. Versöhnlich beschließt Gentleman das Werk, der neuerdings auf Deutsch singt. Der Beat passt natürlich perfekt zum Reggae-Künstler, aber auch KC Rebell und Summer Cem wirken hier nicht fehl am Platz.

In der Vergangenheit hat KC Rebell ab und zu emotional und mit Tiefgang gerappt, manchmal sogar Geschichten erzählt. Von dieser Seite zeigt er sich auf "Maximum III" überhaupt nicht, was wohl auch niemand erwartet hat, der den Vorgänger gehört hat. Apropos Vorgänger: Vielen Kommentaren auf Plattformen wie YouTube nach zu urteilen wird "Maximum" im Rückblick als gelungenes Projekt angesehen, das für recht hohe Erwartungen an den Nachfolger gesorgt hat. Diese Erwartungen erfüllt habe "Maximum III" allerdings nicht. Kein Wunder.

Trackliste

  1. 1. Geht nich gibs nich
  2. 2. Push
  3. 3. Rubberbands
  4. 4. Iron Man
  5. 5. Anani Bacini
  6. 6. Valla Nein
  7. 7. Wow
  8. 8. Eine Nacht
  9. 9. In 'n' Out
  10. 10. QN
  11. 11. Gigi
  12. 12. Fly
  13. 13. Hall Of Fame
  14. 14. Bitch Salute

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8 Kommentare mit 11 Antworten

  • Vor einem Monat

    Dieses peinliche Anbiedern von dicken Enddreißigern an die Hauptschulgang ist echt kaum noch zu ertragen.

  • Vor 30 Tagen

    "Die Rapper KC Rebell und Summer Cem lassen auf ihr erstes Kollaboalbum "Maximum" nun allerdings nicht "Maximum II", sondern "Maximum III" folgen. Eine logische Erklärung dafür gibt es nicht, aber seit wann basieren Promophasen deutscher Rapper auf Logik?"

    naja die erklärung war doch: sie wollten promo machen und haben via sozialer medien kommuniziert, "Maximum II" werde aus gründen doch nicht veröffentlicht (kein clickbait). ich glaube diese gründe waren angedeuteter beef zwischen den beiden. dann haben sie die zeitspanne gewartet, die summer für 2 dönerteller und ne sucuk-pizza braucht und den "prank" aufgelöst mit: wir gehen gleich über "Maximum III" und alles tutti.

    summer cem ist ein phänomen. vor 10+x jahren gehörte er zu den sprechgesangskünstlern, deren (debüt)release ich mir interesse gewünscht habe. gerade "es ist soweit" mit farid oder der diss gegen damals reason fand ich sehr geil. inzwischen wünsche ich mir, er hört auf zu releasen. atmen darf er weiter. kc rebel hingegen sollte damit auch aufhören

  • Vor 27 Tagen

    Bei Banger Musik wird doch gewettet wie schlecht man ein Album machen kann und es trotzdem noch konsumiert wird.