laut.de-Kritik

Unbändige Spielfreude, ausverkauftes Haus und ein glückseliges Publikum.

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Für Jamaram stellt die Aufnahme vom 19. November 2011 nicht die einzige aufregende Premiere dar. Denn zum ersten Mal gelang es der Band, ihren alljährlichen Auftritt im Münchner Backstage Werk komplett auszuverkaufen und somit rund 1.500 Zuschauer anzulocken. Dementsprechend heiß und motiviert entern die Münchner die Bretter.

Das zugunsten der Intensität auf 75 Minuten zusammengeschnittene Set bietet einen Querschnitt der gesamten Diskografie, wobei ein Großteil der Stücke in über die Jahre perfektionierten Arrangements erstrahlt. Gleich im "Intro" packt der Achter mehrere komplett verschiedene Styles aus und läutet eine Achterbahnfahrt durch Pop-Songs ("End Up"), Balkan/Latin-Mashups ("Ya Estaba Fria"), eingängige Reggae-Tunes ("Jameleon") und energische Rap-Rock-Ausbrüche ("We Got The Groove") ein. Beim düsteren "Planet Dubwise" holt die Band ihre zuletzt bewiesene Vorliebe für reduzierten Dub auf die Bühne.

Die einzige Ruhepause erhält die schweißgebadete Menge mit den romantischen Tracks "Rhode Island" und "Satin Butterfly". Direkt im Anschluss leitet das bislang unveröffentlichte "Slow", mit dem die Jamaram-Shows bereits seit zwei Jahren ihren Höhepunkt erreichen, einen intensiven Schlussspurt ein und weckt die Vorfreude auf die nächste Studioplatte. Denn eine derart explosive Latin-Bombe sucht man selbst auf den bisherigen vier gelungenen Alben vergeblich.

Die unbändige Spielfreude, die sich bei den meisten Mitgliedern im Dauergrinsen äußert, fängt das Kamerateam aus tollen, nie zu hektisch wechselnden Perspektiven ebenso gut ein wie die glückselige Stimmung im Publikum. Und auch an der klanglichen Komponente gibt es nichts zu beanstanden. Umberto Echo - nach jahrelanger Zusammenarbeit bestens mit dem Jamaram-Sound vertraut - bringt die Songs in einem klaren aber druckvollen Mix unter, in dem jeder der acht Musiker zur Geltung kommt.

Die für Jamaram-Verhältnisse kurzen 75 Minuten macht der anschließende Kurzfilm "Jam The World" locker wett. Geschnitten von Drummer Murxen Alberti und Andreas "Mone" Monsberger hebt sich die 35-minütige Doku deutlich vom typischen "Behind the Scenes"-Geplänkel ab.

Eindrucksvolle Bilder veranschaulichen, zu welch festem Gefüge die Mitglieder in zwölf Jahren Bandgeschichte zusammengewachsen sind. Dabei reicht das bewährte Wechselspiel aus Mitglieder-Statements und Tour-Impressionen vollkommen aus, um die Lebenslust der einzufangen und in einen inspirierenden Bericht umzumünzen.

Bis heute betonen die Münchner in Interviews, dass ihre Songs zumeist beim Jammen entstehen. "Jam The World" liefert nun endlich den Beweis und gewährt Einblick in Jamsessions auf der allerersten gemeinsamen Reise und in der kreativen Jamaram-WG. Außerdem dokumentiert der Film die spannenden Trips nach Uganda (2009) sowie Brasilien (2010) und gibt die dortigen, einzigartigen Stimmungen mit verschiedenen Konzertaufnahmen wieder.

Ganz ohne Klischees und die typischen 'Musik verbindet'-Phrasen portraitieren Alberti und Monsberger die Leidenschaft und das Herzblut, mit der die Band ihr Lieblingshobby betreibt. Im besinnlichen Finale bringt Sänger Tom Lugo die Grundaussage des gelungenen Bonus-Features dann einprägsam auf den Punkt.

"Vielleicht braucht es einfach nicht den großen Erfolg, aber die Frage ist immer, woran man den misst. Wenn man sich anschaut, was wir für coole Menschen kennen, mit vielen Leuten wir Sound machen, wie viele Gigs wir gespielt und wie viel Spaß wir daran haben, dann sind wir schon sehr erfolgreich. Besser kann man es sich eigentlich nicht wünschen."

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. End Up
  3. 3. Ya Estaba Fria
  4. 4. Oh My Gosh
  5. 5. Test It
  6. 6. Planet Dubwise
  7. 7. Jameleon
  8. 8. Green Leaf
  9. 9. Rhode Island
  10. 10. Satin Butterfly
  11. 11. Rainbow
  12. 12. Slow
  13. 13. We Got The Groove
  14. 14. Explosion
  15. 15. Out My Window
  16. 16. Kalahassi
  17. 17. Yes
  18. 18. Outro
  19. 19. Jamaram Stylee
  20. 20. Jam The World (Movie)

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