Porträt

laut.de-Biographie

Iggy Azalea

Schule knicken, mit Mama Putzen gehen und das damit verdiente Geld sparen, um den Traum vom Hip Hop-Fame zu erfüllen – Iggy Azalea hat mit ihren 22 Jahren 2012 bereits einen weiten Weg auf dem Pursuit of happiness zurückgelegt. Das Beeindruckendste an Amethyst Amelia Kelly (* 7. Juni 1990) auszumachen, fällt aber dennoch nicht leicht.

Iggy Azalea: Neues Video "Mo Bounce"
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Iggy twerkt in ihrem neuen Video quer durch Hong Kong. Besser wird "Mo Bounce" deswegen aber nicht.
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Ist es besagte Unbeirrbarkeit, mit der Iggy ihre Ziele verfolgt? Der selbstgeschaffene virale Millionenerfolg ihrer YouTube-Videos "Pu$$y" und "My World"? Oder ihr Standing als erster weiblicher UND australischer Act auf T.I.s Grand Hustle Records? Fest steht: Respektzoll steht der Wasserstoffblondine aus vielen Kanälen zu.

Mit 14 fängt die Tupac-Enthusiastin im australischen Mullumbimby, New South Wales an zu rappen. Den Künstlernamen leiht sie sich vom Familienhund, eine erste vielversprechende Rap-Formation ("Ich war wie Lisa Lopes von TLC") zerbricht an ihrem kompromisslosen Ehrgeiz. Als sie kurz vor dem 16. Geburtstag nach Miami reist, erzählt sie den Eltern noch von Urlaubsplänen.

Dann bleibt sie in den Staaten. "Amerika hat mich magisch angezogen, weil ich mich zuhause immer als Außenseiterin fühlte. Ich war in Hip Hop verliebt, und die USA als Heimat dieser Musik waren ein Versprechen: Je näher ich mit dieser Musik leben würde, desto glücklicher würde ich sein. So ist es auch gekommen."

Nach einer längeren Station in Atlanta landet Azalea 2010 in der kalifornischen Stadt der Engel. Im Herbst 2011 lösen erwähnte YouTube-Uploads dann einen ersten Hype aus: Der grelle "Pu$$y"-Clip verweist stark auf Sound und Ästhetik der südafrikanischen Persiflage-Rapper Die Antwoord. Im trashigen Stil Yolandi Vi$$ers leckt Iggy sexuell suggestiv am Fruchteis und führt Kampfhunde im Chopped-and-Screwed-Rhythmus spazieren.

Iggy Azalea - In My Defense
Iggy Azalea In My Defense
Belanglose Trap-Standards um Kondome, Handtaschen und Luxuskarren.
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Im mitunter bigotten Amerika erntet sie von einigen Seiten Kritik für den freizügigen Stil. Dazu die Künstlerin: "Für mich ist z.B. Britney Spears im strassbesetzten, halbdurchsichtigen Bodysuit genauso sexuell aufgeladen wie ich, wenn ich 'Pussy, Pussy, Pussy' rappe. Würde ich mich in einen Bodysuit schälen und die Lyrics ein bisschen mit Zucker bestäuben, ließen viele Eltern ihre Kinder sicher auch meine Musik hören."

Ein Gratis-Mixtape ("Ignorant Art") später hängt auch Southern Rap-Star T.I. an der Leine. Anfang 2012 gibt die Australierin bekannt, dass ihr Debütalbum auf Interscope Records erscheinen und Mentor T.I. bei der Produktion behilflich sein wird. Der Stein rollt unaufhaltsam, weshalb Spitzenplätze in den Artist-Watchlists der Musikmagazine sowie diverse Coverstories nicht auf sich warten lassen.

Dort verkauft man Iggy wahlweise als neue Nicki Minaj oder härteste Konkurrenz zu der ebenfalls aufstrebenden Azealia Banks. Mit Letzterer kommt es im Frühjahr zu einem PR-trächtigen Beef. Unterdessen sorgen auch ein Modelvertrag mit Wilhelmina Models (Fergie, Estelle, Natasha Bedingfield), ein Feature mit Steve Aoki sowie ein Auftritt mit Diplo im ersten interaktiv shopbaren Musikvideo der Welt für Auf- und Hinsehen.

Ganz kratzerfrei bleibt Iggys Facebook-Catchline ("Azalean Queen. Grand Hustle Rapstress. Wilhelmina Model. Million Dollar Misfit.") allerdings nicht: Mitte 2012 platzt der Interscope-Deal, mit dem sie ohnehin nicht glücklich ist, das Album wird auf 2013 verschoben und die Rapperin realisiert im Interview-Magazin: "Es ist nicht einfach, ein Dutzend Songs zu schreiben, die der ganzen Welt gefallen." Glück im Unglück: T.I. zeigt Freundschaftsqualitäten und nimmt Azalea bei Hustle Records unter Vertrag.

Auf "Work" reimt sich Twerk, und Iggy platzt, vielleicht ohne es in Australien so genau zu wissen, in den Twerk-Trend Europas hinein. Der Titel erklimmt die #17 in den UK-Charts - im Rückblick erscheint das niedrig, zählt der Track sechs Jahre später doch knapp 325 Millionen Aufrufe auf YouTube. Der Titel nimmt das Album-Debüt "The New Classic", dem sie rasch "Reclassified" nachschiebt - im Grunde die gleiche Platte, aber mit fünf zusätzlichen Tracks.

Auch für den zweiten Longplayer beginnt das Verschiebespiel von vorne. Iggy unterhält die Netzgemeinde stetig mit Ankündigungen eines zweiten Albums namens "Digital Distortion", das aber nie erscheint. Hierfür kursieren ganze Tracklisten bis in Quellen wie Wikipedia hinein. Doch die Dame findet keine Plattenfirma, die auf den Streaming-Star Lust hat - oder auf das Salär, welches sie fordert. Das Vorhaben versandet, trotz des vielversprechenden, spritzigen Projektitels "Digitale Verzerrung". Etliche Tunes erscheinen immer wieder mal als YouTube-Single.

Dann einigt sich Iggy mit Island auf einen neuen Vertrag. Die Liaison währt denkbar kurz und trägt überschaubare Früchte: sechs Songs, auf der EP "Survive The Summer". Das wirkliche zweite Album verschiebt sich immer weiter, bis Iggy im Januar 2019 einen Titel dafür vergibt und twittert: "#InMyDefense really ist das Album, das euch dazu bringen wird "fuck" zu eurer Selbstreflexion und zu Selbstzweifeln zu sagen." Wahrscheinlich meint sie das cool, im Unterton wirkt sie damit wie die Fürsprecherin von Arroganz und nasty Egozentrik.

"Ich bin wirklich stolz auf mein Album. Es scheißt auf 95 Prozent von allem, was ich je gemacht habe." Dass es darauf "scheißt", lässt sich als Vorwarnung auffassen. Als die Platte erst einmal digital am 19. Juli 2019 erscheint, offenbart sich eine textlich enge Bandbreite. Kurz zusammengefasst, handelt "In My Defense" vom Genitalbereich und dem Bankkonto einer jungen Frau.

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Iggy Azalea - In My Defense: Album-Cover
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2019 In My Defense

Kritik von Philipp Kause

Belanglose Trap-Standards um Kondome, Handtaschen und Luxuskarren. (0 Kommentare)

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Splash! 2013 Hingucker am Freitag.

Hingucker am Freitag., Splash!  2013 | ©  (Fotograf: Alexander Austel) Hingucker am Freitag., Splash!  2013 | ©  (Fotograf: Alexander Austel) Hingucker am Freitag., Splash!  2013 | ©  (Fotograf: Alexander Austel) Hingucker am Freitag., Splash!  2013 | ©  (Fotograf: Alexander Austel)

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