laut.de-Kritik

So aufregend wie ein Spiel um den dritten Platz.

Review von

Ian Brown tut, was er tun muss. Weil die Wiedervereinigung seiner Stone Roses eher schleppend verläuft, veröffentlicht er sein inzwischen siebtes Soloalbum. Das trägt den Titel "Ripples", was die darauf enthaltene Musik ziemlich treffend umschreibt: Die zehn Songs plätschern vor sich hin, entwickeln so aber einen Sog, den man von den Groove-orientierten Stone Roses kennt.

Dabei bemüht sich Brown um größtmögliche Abwechslung. "The Dream And The Dreamer" setzt auf Funk-Gitarre, "Blue Sky Day" auf Blues-Anleihen und "It's Raining Diamonds" auf Möwengesang. Vorwürfe einer gewissen Bequemlichkeit muss er sich dennoch gefallen lassen. Die Vier- bis Sechs-Minuten-Stücke spulen die gleichen Melodien, Bassläufe und Textfetzen zum Teil in Dauerschleife ab.

Bereits der Album-Opener und erste Single-Auskopplung "First World Problems" treibt es auf die Spitze. Innerhalb des Songs wiederholt Brown unerträglich oft den Chorus, bis sich dieser im Hirn eingebrannt hat wie ein nerviger Werbe-Jingle. Über die Ähnlichkeiten zu Primal Screams "Loaded" ärgerten sich enttäuschte Fans schon im Vorfeld. Mangelte es der einstigen Speerspitze der Manchester-Musikszene etwa an Inspiration?

Mehr Eingebungen wären tatsächlich wünschenswert gewesen. Stattdessen wirken Cover-Songs von Barrington Levys "Black Roses" und Mikey Dreads "Break Down The Walls" deplatziert. Gerade Letzterer ist ein vernebelter Reggae-Ausflug ohne Ziel, der nur eine Frage aufwirft: Warum?

Um sich beim ersten Solomaterial seit neun Jahren nicht in Einsamkeit zu verlieren, holte sich der Brite seine Söhne ins Liverpooler Studio. Sie halfen beim Schreiben und Aufnehmen von drei Songs. Die kreative Kontrolle über das komplette Projekt lag trotzdem bei Brown, der einen Großteil der restlichen Instrumente selbst spielte.

Oasis gaben einmal zu Protokoll, dass die Stone Roses großen Einfluss auf ihr Schaffen hatten. "Ripples" klingt, als revanchierte sich Brown nun. Nähe zu Noel Gallaghers "Who Built The Moon?" ist herauszuhören. Von einer Kopie kann selbstverständlich keine Rede sein. Dafür ist der 55-Jährige ein viel zu stolzer Musiker.

Dass Brown auch ohne seine Stone Roses kann, bewiesen die Fan- und Kritikerlieblinge "Unfinished Monkey Business" und "Golden Greats" aus den neunziger Jahren. "Ripples" reiht sich hier nicht ein. Das Album wirkt so aufregend wie ein Spiel um den dritten Platz.

Trackliste

  1. 1. First World Problems
  2. 2. Black Roses
  3. 3. Breathe And Breathe Easy (The Everness Of Now)
  4. 4. The Dream And The Dreamer
  5. 5. From Chaos To Harmony
  6. 6. It's Raining Diamonds
  7. 7. Ripples
  8. 8. Blue Sky Day
  9. 9. Soul Satisfaction
  10. 10. Break Down The Walls (Warm Up Jam)

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