laut.de-Kritik

Glamouröser Pop Noir auf den Spuren der Cardigans.

Review von

Hätte das selbstbetitelte Debüt der Wahllondoner noch einen stimmigen Soundtrack zu den surrealen Parallelwelten in David Lynchs Kultserie "Twin Peaks" abgegeben, ist der Nachfolger "Radio Wars" für die große Kinoleinwand prädestiniert. Alles unter Blockbusterformat würde den Raum empfindlich einengen, den die Howling Bells für die volle Entfaltung ihres Pop Noir mittlerweile beanspruchen.

"I am the watchtower / I am the light that emanates / I am the key that fits / I am the world that radiates", säuselt uns Juanita Stein mit verhallter Stimme zur Begrüßung von "Treasure Hunt" ins Ohr. So betörend schön schwebt der Gesang von Nina Perssons kleiner Schwester über kristallinen Gitarren und stampfendem Drumbeat, man nimmt ihr jedes Wort unhinterfragt ab.

Unter Verstärkung ihrer drei männlichen Mitstreiter tut es die Sängerin und Gitarristin den Cardigans gleich und plündert schamlos den Fundus klassischer Folk-, Rock- und Country-Elemente. Zu ihrem und unserem Glück sind die Howling Bells mit exzellenten Spürnasen gesegnet, sodass sie sich nur die Sahnehäubchen rauspicken und diese mit einer verschwenderischen Portion New Wave-Touch versüßen und ganz Blondie-like kühl stellen.

Um die Analogie zu Everybody's Darlings ein letztes Mal zu bemühen, knüpfen die Howling Bells klangästhetisch an die glamouröse "Gran Turismo"-Ära der Schweden an, als sämtliche Reverb-Regler noch unverrückbar am Anschlag festgenagelt waren. Wie in der postapokalyptisch anmutenden Single "Cities Burning Down", dem majestätisch schimmernden "Ms. Bell's Song" oder dem fluoreszierenden Midtempo-Ohrwurm "Into The Chaos" lassen die abgewanderten Australier unablässig leuchtende Melodie-Sternschnuppen vom Pop-Firmament herunterregnen.

Dass sie auch die erdige Country-Variante beherrschen, lassen sie sowohl im melancholischen Wiegenlied "Nightingale" als auch im versöhnlichen Schlußtrack "How Long" hinter dem Kaminfeuer durchscheinen. Augenzwinkernd schaffen die Howling Bells auf "Radio Wars" den Spagat aus musikhistorischen Reminiszenzen und futuristischem Ausblick, wobei sie den Hörer ab den ersten Takten mit hypnotisierender Magie in ihren Bann ziehen.

Trackliste

  1. 1. Treasure Hunt
  2. 2. Cities Burning Down
  3. 3. It Ain't You
  4. 4. Nightingale
  5. 5. Let's Be Kids
  6. 6. Ms. Bell's Song / Radio Wars Theme
  7. 7. Golden Web
  8. 8. Into The Chaos
  9. 9. Digital Hearts
  10. 10. How Long

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