laut.de-Kritik

Zlatko ist tot, es lebe BB-Harry!

Review von

Na, da ist aber einer glücklich. Die Schinderei mit allanwesenden Kameras, stumpfsinnigen Mitbewohnern und bescheuerten Aufgaben hat sich gelohnt: Harry hat sich seinen Traum erfüllt und eine Platte auf den Markt gebracht!

Soweit die gute Nachricht. Die schlechte, kaum überraschende, lautet dagegen: "Harrys Welt" ist bestimmt nicht der musikalische Meilenstein des Jahres. Auch diesmal wurde nach dem bewährten Konzept gearbeitet, das für Zlatko, Jürgen und Christian so erfolgreich gewesen ist: schnell etwas zusammen geschustert und zum Snackverzehr in die Charts geworfen.

Vom Sound her erinnert "Harrys Welt" eindeutig an Status Quo. Kein Wunder: nicht nur lehnt sich die nicht näher definierte Studioband an deren Sound an, drei Melodien stammen direkt von den englischen Omarockern, darunter die Singleauskopplung "Mir Kann Keiner Was" ("The Wanderer") und das als Rice-Burner-Hymne angedachte "Gold Wing" ("What You're Proposing"). Instrumental präzise eingespielt, hören sich die Gitarren aber etwas zu poppig an, um richtig zu rocken.

Textuell sieht es kaum besser aus. Heißt es in "Big Harry Alarm" noch recht amüsant "Mein Lied ist wie die andern geklaut/Nur ist das einfach doppelt so laut," ist bald Schluss mit lustig. Harrys eigene Beiträge zeichnen sich durch besondere Dumpfheit aus, so "Als Wikinger Bin Ich Zu Spät Geboren," mit dürftiger Anti-Öko-Steuer-Tirade, und das programmatische, aber kaum aussagekräftige "Nimm' Dich Bloß Nicht So Wichtig." Den Tiefpunkt bildet das lasche Anti-Nazi-Lied "Denk Nach" ("Mir wird ganz schlecht von deinem braunen Scheiß/Halts Maul und denk nach").

Die musikalisch anspruchslose wie anstrengende dreiviertel Stunde wird durch multimedialen Schnickschnack versüßt. Neben Lyrics, einigen Fotos und eher unnötigen Links ist das Video zu "Mir Kann Keiner Was" eindeutig der Höhepunkt der CD. Auf fetter Harley cruist Harry lebensfroh in und um Miami herum und trägt dabei stolz seine Einzelgängerphilosophie vor. Das Ganze wird durch ein "Making Off"[sic]-Video abgerundet.

Wer die Scheibe nach zehn Jahren Vergessenheit wieder aus dem Regal fischt und sich wundert, wer das sein soll, wird beim Anblick eines Bud Spencers mit langen Haaren schmunzeln und nostalgisch denken, "na ja, früher war's doch gar nicht so schlecht". Falls man in ihren Besitz gelangen sollte, ist das zwar ein schwacher Trost, aber dennoch ein weitaus größerer als bei den meisten seiner Containergefährten.

Trackliste

  1. 1. Big Harry Alarm
  2. 2. Mir kann keiner was (The Wanderer)
  3. 3. Als Wikinger bin ich zu spät gebor'n
  4. 4. Bevor was passiert (Whatever You Want)
  5. 5. Gold Wing (What You're Proposin')
  6. 6. Weinen wie ein Kind
  7. 7. Baby, bleib so wie du bist
  8. 8. Nimm dich bloß nicht so wichtig
  9. 9. Nur für dich
  10. 10. Denk nach (Down Down)
  11. 11. Volles Rohr
  12. 12. Ich will zu dir
  13. 13. Ich verstehe die Frauen

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