laut.de-Kritik

The National mit Frauenstimme.

Review von

Der Aaron Dessner-Touch: Was der Multi-Instrumentalist von The National anpackt, wird zum heißen Thema in Indie-Kreisen. Erst schrumpfte er dieses Jahr Taylor Swift auf "Folklore", um sie im beschränkten Wahrnehmungsbereich von Popskeptikern unterzubringen (dem des Rezensenten inbegriffen). Jetzt folgt das Gegenexperiment: Hannah Georgas soll größer werden. Und es klappt! Mit Dessner an den Reglern wird "All That Emotion" die erste Platte, die von der Kanadierin auf laut.de erscheint. Und eigentlich ist es eine Unart, statt über die Künstlerin über den Typen im Hintergrund zu reden. Georgas hat mit ihren drei bisherigen Veröffentlichungen in ihrem Heimatland immerhin größere Wellen geschlagen und war dort bereits dreimal bei den Juno Awards nominiert.

Wo ihre bisherigen Alben aber auch immer mal mit Radio-Pop-Anleihen spielten, kitzelt Dessner aus ihren Kompositionen nun den ihm anhängenden Indie-Folk heraus. Die Arbeit mit einem solchen Produzenten ist eben ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist ein berühmter Produzent Sprungbrett, andererseits müssen meistens beim Sound Kompromisse eingegangen werden, so dass man am Ende nicht mehr nur noch ein Werk des Künstlers vorliegen hat, dessen Name auf dem Cover steht. Wer sein Album von Mark Ronson produzieren lässt, klingt kommerzieller, wer mit Dessner arbeitet, klingt schnell nach The National mit anderer Stimme.

Ein sehr markantes Merkmal dieses Sounds ist, dass die Drums oft über ihre Rolle als Rhythmus-Spender hinaus wie ein eigenes Melodie-Instrument wirken und den Raum ausfüllen. Obwohl oft viel im Percussion- und Schlagzeug-Bereich passiert, entwickelt kaum ein Stück jemals so was wie Hektik oder Antrieb. Die Musik schreit nach Ruhe, es bedarf Gelassenheit, um sie vollends schätzen zu können. "Just A Phase" beispielsweise rückt die eigentlich überfordernden Drums so sehr in den Hintergrund, dass sie eher Teil der Klanglandschaft werden, als diese zu dominieren.

Ganz ähnlich ist das bei "Easy", das die trüben Gedanken an eine vergangene Beziehung in beschwingt tröpfelnde Klänge übersetzt und dem darauffolgenden "Dreams". Das Stück ist gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, wie viel auf diesem Album atmosphärisch passiert. Immer wieder zischen Gitarren-Anschläge durch den Raum, bleiben aber nie lange genug, um sie richtig erfassen zu können. Am besten gelingt den Kollaborateuren dabei "Punching Bag", das zwischendurch auch mal düstere Töne anschlägt und deutlich experimenteller auftritt. Bei mehrmaligem Hören fällt auf, dass dem Album hinten raus allerdings etwas die Luft ausgeht. Zwar kommt recht spät noch das Highlight "Habits", das doch noch so etwas wie einen Drive entwickelt.

Aber einige Titel scheinen sich sich in ihrer Verträumtheit und melancholischen Atmosphäre zu genügen und dabei die Spannung zu vernachlässigen. Hierzu gehören etwa "Change" und der Closer "Cruel". Der Aufmacher "That Emotion" wiederum könnte zwar auch von "I Am Easy To Find" stammen, funktioniert aber auch mit Georgas Stimme wunderbar. Ein Gitarren-Motiv in "Someone I Don't Know" erinnert gar stark an "Brainy" vom Album "Boxer". So kommt man nicht umhin, "All That Emotion" genau so sehr als Erweiterung des The National-Oeuvres wahrzunehmen, wie als neues Werk von Georgas. Als ersteres funktioniert es weniger gut, da die Musik zu selten von dem abweicht, was man von Dessner gewohnt ist. Als viertes Album von Georgas wiederum klingt es spannend, da sie wunderbar in die für sie neuen Soundgewänder passt und ihre intimen und gefühlvollen Texte durchweg bestechen.

Trackliste

  1. 1. That Emotion
  2. 2. Easy
  3. 3. Dreams
  4. 4. Pray It Away
  5. 5. Someone I Don’t Know
  6. 6. Punching Bag
  7. 7. Same Mistakes
  8. 8. Just A Phase
  9. 9. Habits
  10. 10. Change
  11. 11. Cruel

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