laut.de-Kritik

Die Corona der Prog-Schöpfung.

Review von

Haken erfinden sich auf "Virus" ausnahmsweise mal nicht neu, sondern zementieren nur ihren viralen Status als Corona der Prog-Schöpfung. Der Titel passt perfekt in die Zeit oder - um im Genresprech zu bleiben - wie der 7/8 Takt aufs Metalriff. Das Sextett vermag beides: Haken schlagen und gleichzeitig Widerhaken im Ohr verankern.

Nach dem Findungsprozess auf ihrem Debüt stattet die Band jede Platte mit einer besonderen Stilistik aus. Nach den Siebziger-Exkursen auf "The Mountain", den kauzigen Achtziger-Analogien auf "Affinity" und der Modern Metal-Breitseite auf "Vector" schauen die Fans bei "Virus" erst einmal verdutzt drein. Wie? Nur ein ganz normales Album? Vorgänger und Nachfolger müssen dabei aber zwingend zusammen gedacht werden. Der brettharte Sound von Ex-Periphery-Basser Adam Getgood stellt ebenso wie die Storyline das einende Band dar. Trotzdem fliegt der Gleichklang der Band bei den ersten Reviews bereits um die Ohren.

Die Platte erscheint ironischerweise in der Zeit der Virus-Hysterie. Dabei verwenden Haken den Titel "Virus" mehr metaphorisch als medizinisch. Das an den Klimawandel gemahnende "Carousel" mit seinem Rush in Peace-Gedächtnis-Solo betrachtet den Menschen als Virus.

Die Gruppe erfüllt mit dem neuen Album den Dreijahresplan, der mit "Vector" begann. Beide Platten basieren auf dem Charakter des Cockroach King, den einige sicherlich von "The Mountain" kennen. Diesen Typus beleuchten die Jungs nun etwas genauer und breiten die gesamte Herrschaft des Terrors genüsslich aus, die sie in dem einen Song nur angerissen haben. Während "Vector" eher die Entstehung beschreibt, fokussieren die neuen Texte die Auswirkungen auf gesellschaftlicher Ebene wie die Unterdrückung, die viele Menschen durch das kapitalistische Wirtschaften erfahren.

Die erste Single "Prosthetic" macht keine Gefangenen und wirkt dem Höllenschlund der Bay Area wie den rauchigen Schloten von Birmingham entstiegen. Der Song wächst durch einen an Devin Townsend angelehnten Zwischenpart zu einem epischen Breitwand-Refrain heran. Der Vergleich mit dem kanadischen Drama-King hinkt beim Blick auf den Tourkalender des vergangenen Jahres nicht. Haken spielten im Vorprogramm von Townsend und nutzen die freie Zeit im Tourbus, um an den Ideen für die Platte zu feilen.

Klingt die Platte auf den ersten Höreindruck unspektakulär, treten beim mehrmaligen Lauschen einige Neuerungen zu Tage. "The Strain" und "Canary Yellow" erinnern an die Foo Fighters oder Thrice und sind durch eine Überblendung miteinander verbunden.

Diese Postrock-Vibes treiben die Musiker bei "Invasion" auf die Spitze und spannen im Mittelteil gekonnt einen Bogen zu den Alterna Prog-Meistern Tool. Dieser Zusammenhang springt dem Hörer mit dem Fokus auf Ross Jenkins Stimme, die frappierende Ähnlichkeit mit Maynard James Keenans Organ aufweist, förmlich ins Gesicht.

Zusätzlich schenkt das Kollektiv den Fans der ersten Stunde mit der "Messiah Complex"-Suite die nötige Aufmerksamkeit, das AOR-Atmo, Frickel-Parts im 8 bit-Sound und Prog à la Gentle Giant vereint.

Der Zusammenhang zwischen den beiden Platten ist virulent. Obwohl "Virus" das Konzept von "Vector" weiterführt und dem Sound des Vorgängers verbunden bleibt, stellt die Platte dennoch eine Weiterentwicklung dar, auch wenn diese für Haken untypisch geringer ausfällt.

Trackliste

  1. 1. Prosthetic
  2. 2. Invasion
  3. 3. Carousel
  4. 4. The Strain
  5. 5. Canary Yellow
  6. 6. Messiah Complex I: Ivory Tower
  7. 7. Messiah Complex II: A Glutton For Punishment
  8. 8. Messiah Complex III: Marigold
  9. 9. Messiah Complex IV: The Sect
  10. 10. Messiah Complex V: Ectobius Rex
  11. 11. Only Stars

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2 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 13 Tagen

    Ich hoffe, sie schreiben eines Tages wieder Songs wie auf "The Mountain". Bei allen Platten danach passen die Stücke gut zusammen, aber hängen blieb bei mir fast gar nix. Ist leider oft der sterile, moderne, Knüppelprog, der immer noch denkt, er sei besonders badass und gleichzeitig zu hoch für Normalsterbliche.

    • Vor 13 Tagen

      Jenau wat ich denke..."The Mountain" hat mich wirklich durch Täler und über Hügel gejagt, "Falling back to earth" oder auch "Somebody" mit dieser wundervoll verschobenen Melodie hat in meinen Ohren wirklich etwas eigenständiges gehabt. Mit "Affinity" konnt ich gar nichts anfangen. Gerade läuft die neue Scheibe und zunächst ist es Geknüppel...:-/

    • Vor 13 Tagen

      Ihr bester Song ist aber auf Affinity.

    • Vor 13 Tagen

      Welchen meinste denn? Spontan fällt mir da keiner ein, der auch nur in die Nähe der fünf schönsten oder fetzigsten auf "The Mountain" kommt.

    • Vor 11 Tagen

      The Mountain ist definitv besser als Affinity, Vector und Virus. Virus würde ich noch besser einschätzen als Vector.
      Das beste Album der Truppe bleibt, für mich, Visions.
      Ich bin weiterhin gespannt, wie diese Band sich entwickelt. Diese Zusammenfassung des ersten Jahrzehnts riecht nach Veränderung...

  • Vor 11 Tagen

    Ja, ist leider meilenweit von "The Mountain" entfernt. Der Funke springt bei mir nicht über