laut.de-Kritik

Zwischen Hochgefühl und dem Boden der Tatsachen.

Review von

"Sie fragen: Gzuz, warum bist du nur so? / Warum gibst du dir die Kante, warum bist du auf Koks? / Warum dies, warum das, warum für keinen Interesse? / Und ich denk' mir nur, warum hältst du nicht einfach die Fresse?" Während Feuilleton und Ordnungshüter wohl immer noch schweißgebadet damit beschäftigt sind, wie sie Gzuz denn nun einordnen sollen, schießt das 187 Strassenbande-Member mit "Wolke 7" sein zweites Solo-Album nach.

Bereits im Vorfeld sah sich Gzuz keinerlei Promo-Zwängen ausgesetzt und schraubte die Box-Vorbestellungen mal so eben auf über 25.000 hoch. Allein das bescherte ihm schon einen Umsatz von rund einer Million Euro. Folgende Zeile aus "Was Hast Du Gedacht?" verwundert daher kaum: "Alles unter 100 K ist für mich nicht interessant."

"Millionär über Nacht, wir haben es geschafft", trällert Ufo361 im Song "Über Nacht" und untermauert damit den Lebenswandel des Hamburgers. "Früher noch arm, mache heute Karriere": Der Aufstieg eines einstigen Rüpels aus der Unterschicht zu einem millionenschweren Rap-Star ist ihm geglückt und zieht sich dementsprechend als roter Faden über die gesamte LP.

"Geldregen, Welt sehen, schnell leben": Gzuz ist "Niemals Satt": "Ich komm' von Toastbrot mit Ketchup, Pasta mit Pasta / Wohnte im Drecksloch." Aber Hauptsache, er und Bonez MC haben gemeinsam "Was Erlebt".

Die vielen Erlebnisse mit "scharfen Waffen, Nasen ziehen, Girls und Party" verpackt Gzuz roh und ungeschönt in seine Zeilen. Wer sich ein bisschen mit ihm und der Bande beschäftigt, glaubt ihm dennoch, dass seine "Libido riesengroß" ist, und er "nie Tee oder Kaffee" kocht: "Ich rühre nur Crack in meinem Kochtopf."

Seine Stimmgewalt unterstützt diese Authentizität merklich und lässt den Zuhörer fast schon hautnah bei Gzuz' Eskapaden dabei sein. Die nicht zu vollbeladenen Boom Bap-Beats wummern ohne jeden Makel durchs Ohr. Einzig "Was Erlebt" und "Nur Mit Den Echten" tanzen ein wenig aus der Reihe und passen sich den melodiöseren Sounds ihrer Gäste, Bonez und Trettmann, an.

Doch auch, wer auf "Wolke 7" schwebt und ein einzigartiges, nie enden wollendes Hochgefühl verspürt, landet manchmal auf dem Boden der Tatsachen und muss erkennen: "Neuer Tag Neues Drama". Gzuz zeigt sich in einigen Momenten ungewohnt nahbar und erweitert seine Inhalte um eine spannende Facette: "Denk' an meinen Vater, vermiss' meine Mutter / Ja, ich vermisse sie sehr / Und ohne die Jungs und die Tochter wäre dieses Leben nichts wert."

Weiterhin gesteht er ein: "Mein Leben so hochinteressant, doch habe mir dennoch so vieles versaut." Mit den folgenden Zeilen lässt er sogar noch tiefer blicken und man ahnt, warum Gzuz nun mal so ist, wie er eben ist: "Hab' es mit Liebe probiert, aber da war ich noch klein / Denn niemand erwiderte sie, also ließ ich es sein - egal, ich bin reich."

Trotz frühkindlicher Prägungen hat Gzuz sich nicht hängen lassen und befindet: "Ja, das Leben kann hart sein / Hallo, Rap und kein Hartz-Style / Das ist Gazi auf Halftime / Auf der Straße seit Tag eins." Ob das echt ist, was Gzuz da rappt? Was hast du gedacht?

Trackliste

  1. 1. Warum
  2. 2. Was Hast Du Gedacht?
  3. 3. Wolke 7
  4. 4. Über Nacht feat. Bonez MC, Maxwell & Ufo361
  5. 5. Drück Drück feat. LX
  6. 6. Halftime
  7. 7. Träume
  8. 8. Bis Dass Der Tod Uns Scheidet
  9. 9. Neuer Tag Neues Drama
  10. 10. Was Erlebt feat. Bonez MC
  11. 11. Niemals Satt
  12. 12. Diskutieren?!
  13. 13. Nur Mit Den Echten feat. Trettmann

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12 Kommentare mit 12 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

  • Vor einem Jahr

    YOU DONE FUCKED IT UP!

    Nach den ersten beiden Tracks wähnt man sich schon auf der titulierten Wolke. So fresh, raw, direkt, unverkrampft..herrlich eingängig. Ganz großes Kino

    Danach aber blankes Entsetzen. Hier und da ein wummernder Bass oder gelungenes Feature trösten nicht über die bodenlose Langeweile der absolutesten Stangenware hinweg, die da aufgetischt wird..Das alles hat man auf 187 oder sonstiger Ebene schon drölfmal gehört. Bisschen aufs Tempo drücken und dann ganz viel Konservendrama, damit es ja nicht zu aufregend wird

    Erst beim wunderbar sommerlichen "Was erlebt" mit Trademark-Hook von Bones zieht es wieder mächtig an, nur um in einen drögen, madig verwursteten Trettmann Finale zu münden, das meilenweit nicht an das geniale Doppel auf DIY heranreicht...

    Eine herbe Enttäuschung auf Albumlänge..So starke Tracks dabei, aber dann ein so krasses Gefälle. 2/5