laut.de-Kritik

Der Computerjockeys-Kopf ergründet die Gitarre.

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In einer Zeit, die einem vorgaukelt, Musik machen sei eine einzige Casting-Show, erstrahlt ein Projekt wie Guitar doppelt so hell. Hier geht es weder um Marketing-Kalkulation noch um vordergründiges Talent. Guitar ist vielmehr ehrliche Musik, getragen von Leidenschaft und Inspiration. Der Kopf von Guitar heißt Michael Lückner, bekannt als eine Hälfte der Elektro-Band Computerjockeys. "Dealing With Signal And Noise" ist schon das fünfte Album und erneut eine Hommage an die klanglichen Möglichkeiten der Gitarre.

Der schlichte und technische Titel lässt schon erahnen, dass Lückner mit den 13 Tracks das Experiment sucht. Damit stellt sich "Dealing With Signal And Noise" in eine Reihe mit seinen Vorgängern, die musikalische Würdigungen der Stadt Tokio, der Indieband My Bloody Valentine sowie Country und Bluegrass waren. Der aktuelle Longplayer könnte als eine Hommage an die dunkel psychedelischen Sounds der Krautrock-Ära interpretiert werden.

Viel Hall umgibt die Gitarrenakkorde und rückt "Dealing With Signal And Noise" von Beginn an in die Nähe der Solo-Alben von John Frusciante. Doch während der Chili Peppers-Gitarrist auch selbst zum Mikrofon greift, heißt die Stimme von Guitar Ayako Akashiba. Die japanische Sängerin schafft bei Songs wie "Just Like Honey" scheinbar mühelos den Brückenschlag zwischen Pop und dem experimentellen Anspruch in Lückners Musik.

Bei insgesamt vier Songs erklingt die liebliche Stimme von Akashiba. Daneben ist die amerikanische Band Voyager One mit von der Partie, was den psychedelischen Einschlag der Platte verstärkt. Insgesamt bleiben die Kompositionen von jedoch ausgewogen und überfordern die Zuhörer zu keiner Zeit. Trotz der Freude am Experiment beeindruckt "Dealin With Signal And Noise" über die volle Spielzeit mit einem guten Flow.

Von Kopflastigkeit also keine Spur: Das Album ruht vielmehr in sich selbst und überzeugt mit Gelassenheit. Das sind Qualiltäten, von denen die kurzlebigen Casting-Hypes im Fernsehen nur träumen können.

Trackliste

  1. 1. Flowers Look Up Into The Sky
  2. 2. Sine Waves
  3. 3. Ballad Of The Tremoloser
  4. 4. Just Like Honey
  5. 5. Song Without Signal
  6. 6. I Kissed The Dirt+She Kissed Her Bobtail
  7. 7. Watch The White Bird
  8. 8. Guitardelays
  9. 9. Here
  10. 10. Live At Hotel Palestine
  11. 11. What Is Love?
  12. 12. Guitardelays 2
  13. 13. Sign Waves

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