laut.de-Kritik

Der Schnitter lässt Köpfe rollen.

Review von

"The reaper is back / His angels are black!" – ja, ja, Chris, wissen wir. Der textliche Captain Obvious ist gesund und munter, der Gladbecker Stahlexport läuft prächtig und so feiern Sensenmann wie Metalheads eine fröhliche Party. Lasst die Köpfe rollen!

Ein bisschen Regen, ein bisschen dramatisches Klavier, Hufgeklapper, ein markerschütternder Schrei. Dann darf die Saitenfraktion endlich die Ankunft ihres Idols ankündigen. Den ersten Ohrwurm schütteln Grave Digger mit "Hell's Funeral" locker aus dem schwarzen Leichentuch. Ein klassisches, leicht thrashig angehauchtes Riff, das Boltendahl im Refrain doppelt, dazu schicke Soloausritte – die Fans sind bedient.

Der Mix findet genau die richtige Balance zwischen Nostalgie und Moderne, klingt nie altbacken. Die Gitarre beißt, das Schlagzeug knallt. Eine so schön raue, gleichzeitig fette Soundwand wünscht man sich heutzutage öfter inmitten all der glattpolierten, klinischen Produktionen – insbesondere im Power Metal-Bereich.

Die stellenweise haarsträubenden Lyrics rettet das allerdings auch nicht mehr. "I'm a tattooed rider / Straight out of hell / I'm a lawbreaker / Thunder yells / I'm a risktaker / A troublemaker / Hunted like a spider / Tattooed rider!" Erst schütten, dann grölen, lautet hier wohl die Devise, dann macht's vermutlich mehr Spaß. Ob man sich die Zeilen, die "Satan's Host" vorweist, auch schöntrinken kann? Dem Alter, in dem Gangshouts der Kategorie "Suck my dick!" lustig waren, dürften nicht nur die Bandmitglieder selbst, sondern wohl auch die meisten Anhänger entwachsen sein.

Brecher wie das im Low-Tempo gehaltene "Season Of The Witch", das flotte "Resurrection Day" oder der Groovebatzen "Dia De Los Muertos" leisten zum Glück schlagkräftige Abhilfe. Auch wenn man auf "Oh-oh-oh"-Chöre und ein wenig Pathos gut verzichten könnte, legen Grave Digger angenehm wenig Wert auf Pop-Appeal. Der nimmt bei einigen Genrekollegen ja bekanntermaßen gerne Überhand. Stattdessen setzen die Deutschen nach Art des Hauses auf die rohe Kraft des Thrash, um ihren Sound anzureichern.

In der zweiten Hälfte offenbart "Return Of The Reaper" dennoch einige Durchhänger. Die Riffs nutzen sich stellenweise ab, die Vocals bewegen sich zu sehr auf vorgefahrenen Pfaden. Doch wenn eine Band es schafft, trotz schwerem Teutonenakzent ("Nothing To Believe") sympathisch zu klingen, ist das eigentlich egal. Grave Digger bereichern ihr Liveset mit neuen potentiellen Hits, jeder Menge Mitsingtralala und Hörnerfutter. Der Schnitter ist tatsächlich zurück.

Trackliste

  1. 1. Return Of The Reaper
  2. 2. Hell Funeral
  3. 3. War God
  4. 4. Tattooed Rider
  5. 5. Resurrection Day
  6. 6. Season Of The Witch
  7. 7. Road Rage Killer
  8. 8. Grave Desecrator
  9. 9. Satan's Host
  10. 10. Dia De Los Muertos
  11. 11. Death Smiles At All Of Us
  12. 12. Nothing To Believe

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1 Kommentar

  • Vor 5 Jahren

    Ach meine Grabschaufler, ihr enttäuscht mich nie. Gut bis auf „Heart of Darkness“, das mag ich bis heute nicht, aber sonst: Power Metal wie er sein sollte. Melodisch, ordentlicher Groove und das Schlagzeug sorgt für Dampf.