laut.de-Kritik

Eine Hardrock-Sause mit etwas zu viel Speck auf den Rippen.

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Mit typisch schweizerischer Gründlichkeit gehen Gotthard ihr 13. Studioalbum an. "#13" der Titel, 13 Songs stark, veröffentlicht am 13. März – da wird nichts dem Zufall überlassen. Man wird ja auch nicht mal eben so zum größten Hardrock-Export des Landes (neben Krokus, versteht sich). Doch leider braucht es keine dreizehn Hördurchgänge, um festzustellen: Der eine oder andere Filler hat es wohl nur auf die Scheibe geschafft, um die Tracklist ... ja eben: aufzufüllen.

Dabei haben Gotthard einige Trümpfe auszuspielen. Dazu zählt allem voran die immer wieder beeindruckende Gesangsstimme von Nic Maeder, der sein mittlerweile viertes Album mit der Band bestreitet. Ob schmissig wie im Opener "Bad News", locker croonend ("10.000 Faces") oder gefühlvoll wie in den softeren Nummern: Maeder kitzelt nahezu immer eine Topleistung aus seinen Stimmbändern heraus.

Und wo wir gerade bei Balladen sind: Ihren Schmachtüberhit "Heaven", der zur Jahrtausendwende wochenlang durch jeden Kuhstall im Land schallte, können Gotthard wohl nie mehr toppen. Was sie freilich nicht daran hindert, es zu versuchen – auf "#13" gleich mehrfach.

Da gibt es mit "Marry You" die reduzierte Variante, an der auch Eric Bazilian von The Hooters mitkomponierte. Mit Akustikgitarren, dezenten Streichern und einer locker in den Mittelteil eingeworfenen Pianomelodie geht das sauber ins Ohr. Dann wäre da noch die Coverversion von ABBAs "S.O.S.", die bedächtig angeschoben wird und mit einem Breitwandriff hochschaltet. Trotz guter Voraussetzungen leider ein Kandidat für die Skiptaste. Wer covert schon die unantastbaren ABBA? Und dann wäre da noch das volle Powerballaden-Programm namens "I Can Say I'm Sorry", das bei mir ähnliche Abwehrreflexe auslöst wie seinerzeit "Heaven".

Dann schon lieber die flotteren Stücke, bei denen ganz gut Abwechslung aufkommt. In "Missteria" bringen Percussions und weiblicher Backgroundgesang einen Hauch Exotik ein, bis die unvermeidbaren Powerchords in gewohntes Fahrwasser zurücksteuern. In "Bad News" – dem rotzigsten Track der Platte - fährt das Gitarrenduo Leo Leoni/Freddy Scherer angriffslustige Riffs auf, Nic erlaubt sich sogar das eine oder andere 'Shit' und 'Ass'. Ganz schön frisch wirken die Routiniers hier, das wird der Nostalgierockfraktion unter den Fans zünftig das Haar zurückföhnen. Im ebenfalls zackigen "Every Time I Die" bringt ein schiefes Gitarrensolo Farbe rein, ansonsten rockt aber auch diese Nummer glatt und zielstrebig durch die Boxen.

Bis im wunderbar arrangierten "Rescue Me" der letzte Akkord ausklingt, bietet "#13" allerhand schicken, melodiösen Hardrock. Und selbst in jenen Nummern, die in der Mittelmässigkeit stecken bleiben – wie die beiden im Midtempo angesiedelten "Another Last Time" und "Better Than Love" - versteckt sich zumindest eine schöne Gesangsmelodie oder ein nettes Solo. Am Ende hat das Album aber, genau wie viele Nostalgierocker-Fans, die sich nun wieder in ihre enge Jeans zwängen werden: einfach etwas zu viel Speck auf den Rippen.

Trackliste

  1. 1. Bad News
  2. 2. Every Time I Die
  3. 3. Missteria
  4. 4. 10.000 Faces
  5. 5. S.O.S.
  6. 6. Another Last Time
  7. 7. Better Than Love
  8. 8. Save The Date
  9. 9. Marry You
  10. 10. Man On A Mission
  11. 11. No Time To Cry
  12. 12. I Can Say I'm Sorry
  13. 13. Rescue Me

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