laut.de-Kritik

Eine ziemlich konturlose Geschichte, weder witzig noch aufrüttelnd.

Review von

Zwei Jahre sind ins Land gezogen, Zeit für das vierte Album von Good Charlotte. Nach den Verkaufsschlagern "The Young And The Hopeless" und "The Chronicles Of Life And Death", von denen sie neun Millionen Stück absetzten, definiert sich das Ziel bei "Good Morning Revival" ganz von selbst: Neues Edelmetall an der Wand von Produzent Don Gilmore (Linkin Park, Avril Lavigne). Jener zeichnet gemeinsam mit den Brüdern Benji und Joel Madden übrigens auch für die textlichen Ergüsse des gesamten Albums verantwortlich.

Kündigt Joel im Innern des Booklets noch ein "großartiges Erwachen an einem sonnenverwöhnten Morgen" an, enttäuscht das "Good Moring Revival" maßlos. War "The Chronicles Of Life and Death" schon ein textlicher Rückschritt, wagen sie auch hier keinen Neuanfang, sondern verfolgen den Abstieg konsequent weiter. Noch immer profilieren sie sich als Outsider, die sich gegen die Reichen und Schönen auflehnen. Schade nur, dass sie den Louis Vuitton-Täschchen in "Keep Your Hands Of My Girl" nur weitere Oberflächlichkeiten wie Tattoos und einen um den Hals hängenden Schlagring als Antwort entgegensetzen können. Good Charlotte erfassen immer wieder die typischen Klischee-Themen der US-Teenager. Diese unterstellen dem Nachwuchs Degeneriertheit in Niveau und Perspektive, bzw. die Band stellt sie sich selbst aus. So findet der düstere Charakter in "All Black" (ganz innovativ mit Kirchenorgel eingeläutet) seine große Liebe, da sie schwarz gekleidet, schwarzen Kaffee trinkt.

Allgemein ist die Liebe ein ganz heißes Thema. Die Amis thematisieren massenweiße gebrochene Herzen und "Victims Of Love". Das Ganze trällern sie so fröhlich dahin, als ob das Leben als Ausgegrenzter pure Freude wäre. Text und Sound klingen durchgängig nicht stimmig, so dass man die ganze Sache gar nicht ernst nehmen kann. Leider vermittelt die Band den Anschein, genau diese Absicht zu verfolgen. Beim Versuch, ernste Themen zu erfassen, machen sie sich ernsthaft lächerlich! In "The River" bildet das Feature von M.Shadows von Avenged Sevenfold die einzige stimmliche Abwechslung zum ewig gleichen Gejodel der Madden-Jungs. Eine paar kleine Versuche, Variationen im Timbre und Betonung einzubringen, hätte man sich bei 13 Songs schon wünschen können, aber mehr als zwei unterschiedliche Stimmlagen scheinen einfach nicht drin zu sein.

In "Broken Hearts Parade" bauen Good Charlotte sogar noch Bläser und eine Triangel ein. Das trötet und dingelt richtig süß, sind leider aber auch die einzigen nennenswerten instrumentalen Ereignisse neben der Schmalspurkost von Gitarrist Benjamin Madden, Drummer Dean Butterworth und Bassist Paul Anthony. Klar, das Ding muss häufig über den Ladentisch gehen, dafür wird vieles glattgeschliffen. Das Resultat: Eine ziemlich konturlose Geschichte, weder witzig noch aufrüttelnd. Aber hey, irgendwie müssen die Jungs ja auch die Klamotten ihrer Modelfreundinnen finanzieren, oder?

Trackliste

  1. 1. Good Morning Revival
  2. 2. Misery
  3. 3. The River
  4. 4. Dance Floor Anthem
  5. 5. Keep Your Hands Off My Girl
  6. 6. Victims Of Love
  7. 7. Where Would We Be Now
  8. 8. Break Apart Her Heart
  9. 9. All Black
  10. 10. Beautiful Place
  11. 11. Something Else
  12. 12. Broken Hearts Parade
  13. 13. March On

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337 Kommentare

  • Vor 13 Jahren

    Ihr Artikel ist die mit Abstand größte Unverschämtheit, die mir in letzter Zeit untergekommen ist. Entweder der "Tester" hat ein komplett anderes Album als ich gehört, oder er ist ein notorischer Good Charlotte-Hasser, der nur darauf aus ist, die Band und ihre Musik nach allen Regeln der Kunst auseinanderzunehmen. Ich für meinen Teil bin vollauf begeistert von dem Album, obwohl ich absolut wertfrei an die Sache herangegangen bin, soll heißen dass ich mich nie als Good Charlotte - Fan verstanden habe. Das Album besticht durch Innovativität, guten Gesang (der aus definitiv mehr als nur zwei Tonlagen besteht, was hat der werte Herr da bloß gehört?) und ausgereiften, aufeinander perfekt abgestimmten Rocksound. Gerade textlich hat die Band einen großen Schritt nach vorne (!) gemacht, man höre sich die Songs "All Black" oder "Something Else" an und vergleiche sie bspw. mit "Boys and Girls", und behaupte danach, es habe kein Fortschritt stattgefunden. Hier macht sich letztendlich nur einer komplett lächerlich, und das ist nicht die Band, sondern der selbsternannte CD-Tester, der diesen Namen - im anbetracht der eigentlich zu erwartenden Neutralität und Objektivität - in keinster Weise verdient hat. :mad:

  • Vor 13 Jahren

    Stimm- und Tonlagen sind leider nicht ganz das selbe, somit würde dieser Vorwurf an den Reviewer obsolet...

  • Vor 13 Jahren

    Ich kann olliuf97 nur voll und ganz zustimmen.

    Der letzte Satz des Reviews fasst dessen Sachlichkeit hervorragend zusammen. Ganz mies.