laut.de-Kritik

Ein Meisterwerk moderner Pop-Musik.

Review von

"Wir müssen wieder anfangen, mehr miteinander zu reden." Was Gentleman in einem Interview mit einem Szene-Magazin verdeutlicht, entwickelte sich zur Losung eines ganzen Albums. "Conversations" heißt die neue LP des Wahl-Kölners, die er gemeinsam mit Ky-Mani Marley aufgenommen hat. Diesen Konversationen liegen Studio-Gespräche und lange Abende in diversen Backstage-Bereichen zugrunde und entfalten sich in insgesamt 14 kraftvollen Songs - davon zwölf Duette - deren Spannweite und Tiefgründigkeit wirklich beeindruckt.

Bereits bei Gentlemans MTV Unplugged Konzert deutete sich die Zusammenarbeit zwischen dem Marley-Spross und dem 41-jährigen, gebürtigen Osnabrücker an. Anschließend überzeugte Ky-Mani schließlich Gentleman von der Idee, diese Zusammenarbeit auf ein ganzes Album auszuweiten. Eine Kollaboration zweier erfolgreicher Solo-Künstler also, die sich noch nie Genre-Grenzen beugten.

Und tatsächlich ist "Conversations" musikalisch schwer zu fassen. Basierend auf einem klassischen Offbeat-Grundgerüst trägt die LP überwiegend eine sehr poppige Handschrift. Dem majestätischen Opener "Signs Of The Times" folgt mit "Tomorrow" ein leicht elektronisch inspirierter Titel. Bei "Questions", "Jah Guide Over Us" und "Mama" sind wiederum die Reggae-Einflüsse unverkennbar. Dieser Genre-Mix sorgt für ein äußerst erfrischendes Hörerlebnis, beinahe nach jedem Song gilt es, Neues zu entdecken.

Insbesondere die Adaption des The Wailers-Meisterwerks "Simmer Down", gemeinsam mit der jamaikanischen Sängerin Marcia Griffiths, überzeugt. Die Atmospähre des Ska-Klassikers von 1963 bleibt hier trotz modernisiertem Klang ebenso erhalten wie die Authentizität des noch immer zeitgemäßen Vortrags: "Simmer down / you lickin' too hot, so / Simmer down / soon you'll get dropped, so / Simmer down / can you hear what I say? / Simmer down / that why won't you / why won't you / why won't you simmer down?" Und Gentleman ergänzt hierbei das Zusammenspiel zwischen Ky-Mani Marley und Marcia Griffiths, die bereits mit Ky-Manis Vater auf der Bühne stand, perfekt.

Gentlemans Solonummer "Red Town" folgt der Marley-Alleingang "Hey", der die klangliche Vielseitigkeit der Platte erneut unter Beweis stellt. Neben bluesigen Keys bringt Ky-Mani hier auch satte E-Gitarren in Anschlag, kombiniert mit kraftvollen Lyrics. "Uprising", das akustische "No Solidarity" und "Way Out" stehen anschließend unter dem Stichwort der 'Freedom Fighters'. Thematisch die Flüchtlingskrise verarbeitend, hinterlässt insbesondere Letzterer einen bleibenden Eindruck, auch dank des pointierten Textes: "There must be a way out for me / You tell me to stay, I will leave / Where is your empathy?"

Die Klangfarbe der LP wechselt im letzten Drittel in Düstere und Ernstere. Sei es der Closer "Quality Of Life" oder das von elegischen Pianos dominierte "How I Feel". Lediglich der an Tempo gewinnende Mutmacher "Motivations" weicht etwas von diesem Klangbild ab. Das sorgt in den letzten Zügen von "Conversations" für genau den musikalischen Facettenreichtum, der das Album über seine gesamte Spielzeit auszeichnet.

Gentleman und Ky-Mani Marley schaffen so ein Meisterwerk moderner Musik, das sich in der Genrefrage kaum festlegen lässt - das sich auch nicht festlegen lassen will. Gleichzeitig sprechen die beiden Künstler gewohnt poetisch über Themen, die sie bewegen und beschäftigen: über die Krisen unserer Zeit, aber auch über Hoffnung und die Rolle, die die Musik innerhalb dieser Zusammenhänge spielt. Miteinander reden kann also unglaublich ertragreich sein. Und in diesen Zeiten unserer aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen ist miteinander zu reden vielleicht sogar wichtiger als alles andere.

Trackliste

  1. 1. Signs Of The Times
  2. 2. Skit 1
  3. 3. Tomorrow
  4. 4. Questions
  5. 5. Skit 2
  6. 6. Jah Guide Over Us
  7. 7. Mama
  8. 8. Simmer Down (Control Your Temper)
  9. 9. Red Town
  10. 10. Hey
  11. 11. Skit 3
  12. 12. Uprising
  13. 13. No Solidarity
  14. 14. Way Out
  15. 15. Skit 4
  16. 16. How I Feel
  17. 17. Motivation
  18. 18. Quality Of Life

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Tilmann Otto spricht Patois. Er lebt in Köln, serviert dessen ungeachtet aber Reggae, der genau so gut aus dem Herzen Jamaikas stammen könnte. Tilmann …

9 Kommentare mit 31 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Moment, Moment, Moment. Reden wir hier von DEM Gentleman?

    Sehe gerade, dass seine bisherigen Alben hier auch stets gut wegkamen, wtf.

    Then again, Reggae ist für mich die schlimmste Musik nach deutscher Partymucke à la Finger im Po, Mexiko. :/

    • Vor 2 Jahren

      eine richtig derb getoastete fassung von finger im po, mexiko würde mein herz höher schlagen lassen

    • Vor 2 Jahren

      OK Freunde, jetzt geht's los mit dem BURGER DANCE!

    • Vor 2 Jahren

      Moment! Mundanus, du setzt Reggae mit Finger im Po gleich? Mit Verlaub, du hast sie ja wohl nicht mehr alle!
      Welche Reggae Songs kennst du denn? Falls überhaupt, auf jeden fall die falschen.
      Zu dem Album: Na ja, es gibt besseres. 5 Sterne sind es für mich auch nicht

    • Vor 2 Jahren

      @ mundanus: Wieso beschwert man sich über positive Bewertungen eines Musikers, mit dessen gesamtem Genre man nichts anfangen kann?

    • Vor 2 Jahren

      Yep,.. man kann Reggae z.T. monoton finden. Reggea hat aber meist immer eine Aussage, zu mindest im ursprünglichen Sinn von Bob M. oder Jimmy Cliff. Hier eine Brücke schlagen zu übelstem Ballermann Schlager ,.. unglaublich.

    • Vor 2 Jahren

      Wirklich unglaublich, dass sich meine Präferenzen so verhalten, ja.

      Und was soll diese Abwertung von deutschem Schlager, hm? Oder die faschistoiden Tendenzen in der willkürlichen Einteilung zwischen Aussage und Nicht-Aussage?

      Lasst uns doch lieber alle Freunde sein... auf Drei singen alle mit... 1, 2, ohhhhh, Chihuahua!

    • Vor 2 Jahren

      die leute wollen lieber 1 andrea berg fikken wenn ihr versteht wass ich meine hehe

      gruß, euer flizzy

    • Vor 2 Jahren

      Junge Junge,.. mundanus ,.. wenn du die Genre Reggae und Schlager nicht auseinader halten kannst würde ich an Deiner stelle einfach schweigen.

    • Vor 2 Jahren

      Seid ihr wirklich alle zu dumm, um zu verstehen, was mundanus meint? Er setzt die beiden Genres doch gar nicht gleich, sondern sagt nur, dass er sie beide furchtbar findet. Dafür spielen die musikalischen und lyrischen Unterschiede keine Rolle.

    • Vor 2 Jahren

      frankwhite weiß wo der Hase läuft, ihr Knechte!

    • Vor 2 Jahren

      Ansonsten: Das, was Flizzy sagt.

    • Vor 2 Jahren

      Yep Santiago,.. und ich kann das nicht verstehen und bin nicht seiner Meinung. Hat nix mit dumm zu tun sondern mit Geschmack ;-).

    • Vor 2 Jahren

      Doch, es hat sehr wohl etwas mit Dummheit zu tun, die Bedeutung von Sätzen völlig falsch aufzufassen.

    • Vor 2 Jahren

      Na Ja Santiago ,.. der trolleske Erzeuger dieses Beitrags ist auch nicht bereit sich mit den geschriebenen auseinader zu setzen sonst würde er auch nicht Partymucke plötzlich mit deutschem Schlager gleichsetzen. Habe diesem Probanten wohl schon zuviel aufmerksamkeit geschenkt. out.

    • Vor 2 Jahren

      Wenn das im Eingangsbeitrag eine Gleichsetzung ist, macht es dann auch keinen Unterschied, ob man in der Bundesliga auf dem 16. oder 17. Platz landet?

    • Vor 2 Jahren

      Santiago, mir ist schon klar, dass keine Aussage über inhaltliche oder musikalische Parallelen getroffen wurde. Dennoch beantwortet das nicht meine Frage, wieso er/sie hier überhaupt kommentiert.
      Wenn ich mit elektronischer Musik nichts anfangen kann, kommentiere ich doch auch nicht unter einer Chemical Brothers Rezension "Was, schon wieder gut bewertet? Das kann doch gar nicht sein. Außerdem, das Genre ist eh kacke." Das überlasse ich doch den Leuten, die sich für die Musik interessieren und vielleicht wirklich sagen oder lesen möchten, wie andere Interessierte das Album bewerten.

      mundanus' Beiträge sind doch einfach nur übles Getrolle und nichts weiter.

  • Vor 2 Jahren

    Ein Reaggae Album mit 5 Punkten? Verschwörung! Das ist doch Satire?!

  • Vor 2 Jahren

    Man würde meinen, kaum einer dürfte mehr auf Reggae hereinfallen, das mittlerweile ausschließlich aus hohlem Herumposieren besteht. Ich habe im Fahrstuhl schon Musik mit mehr Seele gehört. Kommt aber der Provinzpatrick und packt zum hundertsten Mal die Story aus, wie lange er auf Jamaika war, küssen ihm die Kritiker den Arsch.

    • Vor 2 Jahren

      Tilmann! Er heißt Tilman!!

      Verstehe aber den Hate hier nicht ganz. Er ist doch quasi der deutsche Bob Marley. Ewig dabei, gleichermaßen anerkannt bei den Dreads und den Mainstream-Fans. Und dazu noch ein sympathischer Dude. Selbst wenn man mit Reggae nix anfangen kann (kann ich auch nicht wirklich), muss man ihm schon Respekt zollen.

    • Vor 2 Jahren

      Mache mir solangsam echt Sorgen um dich, Django. :D

    • Vor 2 Jahren

      Gentleman ist halt OG...der alte Freundeskreis-Kram und so #backpack :D

    • Vor 2 Jahren

      Reggae war ab Mitter der Achtziger und die Neunziger hindurch eher auf dem absteigenden Ast. Wer aber im aktuellen Zustand des Genres keine Seele, sondern nur "hohles Herumposieren" sieht, muss die letzten 17 Jahre verpasst haben.

    • Vor 2 Jahren

      Yep ,.. was ist Seeed,.. genau wie Gentelman und Marley-Kids absolut hörbar,.. ob es 5 Sterne sein müssen,... mal reinhören.

    • Vor 2 Jahren

      Selbst auf Jamaika findet Reggae nicht mehr statt wie die Präsenz des Einen hier auf laut.de/
      Selbst auf Jamaika haben sie den Reggae satt wie Flizzy die Kadenzen auf JBG/
      Selbst auf Jamaika befindet sich der Reggae im Pat(t) wie tennessianische thugs/
      Denn selbst auf Jamaika trägt der Reggae noch UGGs/
      Heißt: er ist out wie ich ta mère/
      Pardon: ich meinte, outta here/
      Schnupft ruhig weiter euren Tabak aus Eifelharz/
      Ich zerbreche euer Glashaus wie α-Quarz/
      Im Vorbeigehen wie Staffelläufer/
      Kriegt ihr von mir auf Faust - Waffelkäufer!

    • Vor 2 Jahren

      Cüüüüüs, lan

    • Vor 2 Jahren

      Witzig. In Wirklichkeit ist der (Roots) Reggae auf Jamaika seit ein paar Jahren wieder im Kommen; in anderen Ecken der Welt sowieso. Aber Trollen, ohne sich mit der Thematik zu beschäftigen, ist für die etwas schlichteren Menschen sicher der einfachere oder gar einzig gangbare Weg^^

    • Vor 2 Jahren

      Witzig. In Wirklichkeit verstehst du nicht mal die Hälfte von dem, was ich schreibe. :D

    • Vor 2 Jahren

      mundanus ist ein ziemlicher Spast. In Wirklichkeit Schinkenwurst.

    • Vor 2 Jahren

      Ehre wem Ehre gebührt, auch im Reggae gibt es tolle Ausnahmen.

      Kaum ein Genre ist aber so von Durchschnittlichkeit geprägt wie dieses. Normalerweise würde ich es als Fahrstuhlmusik für Juttas betrachten, allerdings macht mich keine andere Musikrichtung so aggressiv wie der platte und harmonisch einengende Downbeat.

      Und ernsthaft - der Kerl heißt Tilmann? Wirkt auf mich eher wie ein Patrick. Egal, er hat jedenfalls so viel Jamaika im Blut wie der Papst Heroin.