14. Juni 2021

"'Nevermind' hat mein verdammtes Leben verändert"

Interview geführt von

Er ist einer der bekanntesten Produzenten der Rockmusik — wenn es um seine eigene Band Garbage geht, hat Butch Vig aber gar kein Problem, die Verantwortung auch mal mit seinen Kolleg*innen zu teilen.

Butch Vig, der unter anderem als Verantwortlicher von Nirvanas "Nevermind" in die Musikgeschichte einging, hat gerade mit Garbage das neue Studioalbum "No Gods No Masters" veröffentlicht. Ein eklektisches Album, wie Vig selbst sagt - und ganz bestimmt das politischste in der Bandgeschichte. Dass diesmal gegen das Patriarchat und andere Missstände angesungen wird, ist allerdings nicht Vig, sondern Sängerin Shirley Manson geschuldet, die für die Texte der Band verantwortlich zeichnet. Wie der Arbeitsprozess bei Garbage so läuft - musikalisch wie textlich - erzählt uns der 65-Jährige im Zoom-Interview. Es gilt aber auch, andere Themen zu besprechen: Denn "Nevermind" feiert im September seinen 30. Geburtstag — und auch ein paar Tipps für angehende Produzenten hat Vig in unserem Gespräch parat.

Mr. Vig, führen Sie mich doch mal kurz durch den Entstehungsprozess von "No Gods No Masters".

Wir haben mit den Arbeiten an der Platte Anfang 2019 begonnen. In Palm Springs, zwei Stunden östlich von Los Angeles, haben wir ein Haus gemietet, unser Equipment im Wohnzimmer aufgebaut und zwei Wochen lang gejammt. Aus diesen Sessions entstanden etwa 35 Skizzen von Songideen. Die nahmen wir zurück nach L.A. mit, fingen an, diese Ideen zu schichten, verschiedene Ansätze und Grooves auszuprobieren. Dann brachte Shirley ihre Texte ins Spiel und das hat schlussendlich diktiert, wo wir hinwollen. Anfangs dachte ich, die Platte würde offen, weitläufig und cineastisch werden. Shirley schrieb aber mehr über die Welt, die sie sah, darüber, wie verrückt alles war. So hatten Duke, Steven und ich das Gefühl, wir müssten die Musik schärfer machen, damit sie besser zu ihren Texten passt.

Diskutiert die Band im Vorfeld, worüber Shirley Manson schreibt? Sprechen Sie mit ihr über ihre Texte, während sie daran arbeitet?

Wir wissen nicht, worum es gehen wird, bis sie es zum ersten Mal singt. Meist sagt sie einfach: "Ich habe eine Idee. Ich möchte das mal ausprobieren". Dann geht sie in die Gesangskabine und singt — und wir staunen meistens und finden es großartig. Als Band erkennen wir dann, wohin sie uns mit ihren Texten bringt. Das definiert, wohin wir mit jedem einzelnen Song in puncto Sound gehen.

Wann war es Ihnen bewusst, dass die neue Platte sehr politisch werden würde?

Ich denke, als wir "The Men Who Rule The World" fertig hatten, einer der ersten Songs, die wir angefangen haben — und das, obwohl der Text zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz fertig war. Shirley singt darin von Männern, die die Welt beherrschen. Wir nahmen die besten Teile raus und bauten die Strophe daraus. Sie hatte einen Protest in Santiago, Chile gesehen, bei dem im Jahr 2019 100.000 Frauen auf die Straße gingen und gegen die Verletzung ihrer Rechte protestierten. Sie hatte dort die Slogans "Hate the Violator" und "Destroy the Violator" gesehen und fand, wir müssten das unbedingt in den Song packen. Darauf haben wir den Song dann aufgebaut, und der war ausschlaggebend für die weitere Richtung der Platte.

Ich nehme an, Sie sprechen nicht nur von der musikalischen, sondern auch der weiteren textlichen Ausrichtung des Albums.

Ich meinte damals, dass das unbedingt der Leadtrack des Albums werden muss. Wir wollten mit keinem normalen Popsong anfangen. Es gibt da einige Stücke, die viel poppiger sind, wie "Wolves" oder "Flipping The Bird". Aber wir hatten einfach das Gefühl, dass "The Men Who Rule The World" den Ton angeben sollte. Weil er das schlussendlich auch tat, haben es ein paar poppigere Stücke schlussendlich nicht auf das Album geschafft und ein paar andere wie "A Woman Destroyed" dafür schon. Das ist echt ein ziemlich düsterer Song. Wir sehen ein Album ja immer als Gesamtkunstwerk an. Wir sind da altmodisch. Ich weiß, dass die Leute heutzutage nur eine Single hören wollen und dann zur nächsten Single gehen oder zur nächsten Single, aber wir machen immer noch ein Gesamtwerk. Ich mag es immer noch, ein Album ganz durchzuhören, so, wie es der Künstler oder die Künstlerin gewollt hat. Die Songs sollen miteinander korrelieren, das ist ganz wichtig für uns.

"Shirley ist der Fokus, der Garbage zusammenhält"

Was war denn der ursprüngliche musikalische Plan? 2019 haben Sie gesagt, Roxy Music und Talking Heads wären ein großer Einfluss für die Entstehung gewesen.

Das stimmt, aber bei Garbage haben wir sowieso viele Einflüsse und Bands, zu denen wir uns hingezogen fühlen. Zum Beispiel die ganzen Post-Punk- und New-Wave-Bands aus den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Ich höre in vielen der neuen Songs Siouxsie & the Banshees heraus — Shirley liebt Siouxsie Sioux, sie war der Grund, warum sie überhaupt zu singen begonnen hat. Auch auch Roxy Music steckt meiner Meinung nach drin, Talking Heads, Patti Smith. Es ist auch immer ein wenig New Order und The Cure enthalten, Joy Division, vor allem bei den Bass-Lines. Wir gehen im August und September 2021 ja mit Alanis Morissette und Liz Phair auf Tour. Auf Liz' Debütalbum "Exile in Guyville", einer brillanten Platte, singt sie extrem tief. Shirley meinte, sie wolle auch einen Song machen, auf dem sie so tief singt. Also sang sie auf "Flipping The Bird" mehrere Töne tiefer, als sie das normalerweise macht - oder vielleicht sogar tun sollte. Beim Chorus geht sie dann stimmlich nach oben - das ist ein interessanter Zugang.

Wenn sich Garbage für ein neues Album treffen, tun Sie das mit einer leeren Seite oder bereits mit einem Fundus an Ideen?

Bei diesem Album passierte es zum ersten Mal, dass wir mit einer komplett leeren Seite rangegangen sind. Das war eine bewusste Entscheidung. Die Vorgabe war: "Lasst uns keine Demos machen, nicht mit irgendwelchen Ideen reinkommen, lasst uns einfach komplett leer reingehen und sehen, was uns einfällt." Sonst haben alle von uns meist irgendwelche Akkordfolgen, Beats oder Riffs im Ärmel, auf denen wir aufbauen. Diese Arbeitsweise war etwas Neues für uns. Als wir diesmal begannen, zu jammen, war es einfach all over the place und das fühlte sich befreiend an. Ob wir das beim nächsten Album wieder so machen, weiß ich nicht, aber wir planen bereits den nächsten Longplayer. Er wird wahrscheinlich ganz anders klingen als diesrs. Aber diesmal tat es uns gut, einfach reinzugehen und zu improvisieren. Aus diesen Improvisationen entstanden kleine Funken, die zu Songs wurden — und daraus ist dann ein Album geworden.

Wenn Sie auf die Alben zurückblicken, die Sie sowohl als Bandmitglied als auch als Produzent gemacht haben: Gab es Beispiele, wo sie überrascht waren, wie anders das Endprodukt klang als das, was Sie eigentlich geplant hatten?

Oh, das passiert die ganze Zeit. Das ist einer der Gründe, warum ich immer noch gerne jeden Tag in ein Aufnahmestudio gehe. Ich denke, dass wir an jenem irgendetwas bestimmtes machen werden — und meistens passiert dann etwas, das einen Umweg verursacht. Das macht es fast immer besser. Wissen Sie, ich mag es, wenn es im Studio etwas Unvorhersehbarkeit gibt. Bei Garbage machen wir keine Demos, wir legen einfach los. Als ich als Produzent anfing, habe ich oft Demos von Bands bekommen und diese Demos waren so gut. Es war schwer für mich, mir vorzustellen, was ich noch damit machen könnte. Jeder bekommt "Demoitis": Man verliebt sich in das erste, das man gemacht hat. Deswegen mag ich es nicht wirklich, mit Demos zu arbeiten. Ich finde es besser, mit Künstlern, die ich produziere — oder eben mit Garbage — ins Studio zugehen und von Null anzufangen. Dann improvisiert du, und das macht jeden Tag aufregend.

In einem Interview mit der "New York Times" meinte Shirley sinngemäß, eines der Hauptcharakteristika von Garbage sei es, dass die Band nirgendwo reinpasse, immer der Außenseiter sei. Stimmen Sie dem zu?

Ja, das sehe ich auch so. Wir wurden nie wirklich im Top-40-Radio gespielt. Aber weil wir poppige Songs hatten, waren wir für viele auch nicht Alternative genug. Früher wurden wir oft auf Rocksendern gespielt, aber das änderte sich nach unserer zweiten Platte. Wir hatten es schwer, dort gespielt zu werden, vor allem, weil Shirley eine Frau ist. Wir hatten das Gefühl, dass wir nie in ein bestimmtes Genre passten. Wir bringen Elemente aus Hip Hop und Elektronik und Popmusik und orchestraler Musik ein, manchmal alles im selben Song. Viele Leute taten sich schwer, zu definieren, was Garbage ist. Das ist heute noch so: Unser neues Album ist sehr eklektisch, jeder Song hat eine eigene Klangidentität. Was das Ganze zusammenhält, ist Shirley: Sie hat einfach eine so starke Stimme und Persönlichkeit, dass sie uns als Band erlaubt hat, mit diesen Umwegen klanglich überall hinzugehen. Sie ist der Fokus und die Kontinuität, die Garbage zusammenhält.

"Viele meiner frühen Aufnahmen klangen schrecklich"

Sie sind einer der bekanntesten Produzenten der Rockmusik. Bei Garbage ist die Produktion aber ein kollektives Unterfangen, da sind Sie eine Stimme von mehreren. Wie ist das für Sie?

Nun, ich habe das große Glück, dass ich sowohl die Chance hatte, in einer Band zu sein, als auch als Produzent zu arbeiten. Das sind zwei verschiedene Dinge, wenn ich in einer Band bin. Ich teile alle Verantwortlichkeiten. Ich kann einen Tag damit verbringen, nur Tontechniker zu sein, ich kann die Produktionsentscheidungen treffen, ich kann Schlagzeug oder Bass oder Keyboards oder Gitarre spielen, ich kann mich einfach auf die Couch legen und eine Flasche Wein bestellen. Wenn ich jemanden produziere, liegt es an mir, seine Vision zu finden. Ich muss mich daran erinnern, dass es seine Musik ist. Bei Garbage ist es unsere Musik, wir schreiben die Songs. Wenn ich die Foo Fighters produziere, Green Day, Against Me oder wen auch immer, dann sind das ihre Songs und ihre Vision. Ich muss ihnen dabei helfen, sie zu verwirklichen. Das sind zwei verschiedene Dinge. Und ich liebe es, dass ich zwischen den beiden hin- und herwechseln kann, denn das hält es frisch und interessant für mich.

Gibt es Erfahrungen aus Ihrer Produzentenkarriere, die besonders nützlich für Ihr Leben als Bandmitglied sind? Und umgekehrt — was lernten Sie als Bandmusiker, das besonders nützlich für Ihre Produzententätigkeit ist?

Ich denke, beides ist sehr eng miteinander verwoben. Ich habe angefangen, in Bands in meiner Heimatstadt in Wisconsin Schlagzeug zu spielen. Ich habe mich schon sehr früh für das Schreiben und Aufnehmen interessiert, aber wir hatten nicht wirklich eine Möglichkeit, irgendwo aufzunehmen. Ich lieh mir den Zweispur-Kassettenrekorder eines Freundes und wir fingen an, live aufzunehmen. Ich lernte, wie man mikrofoniert. Es klang schrecklich, aber es war wirklich aufregend. Ich liebte es. Ich erkannte, dass das alles zur selben Sache gehört. Als Musiker ist man auch Produzent, Tontechniker, das ist alles miteinander verwoben, besonders bei Garbage, wo ich zwischen diesen Rollen hin- und her-wechsle. Ich denke nicht einmal darüber nach, es ist einfach ganz natürlich — egal ob ich spiele, editiere, mische oder was auch immer. Ich schätze, viele Musiker der neueren Schule sind genauso, weil DIY immer mehr wichtiger wird. Künstler können jetzt mit einem Laptop in ihrem Schlafzimmer oder in ihrem Keller unglaubliche Platten aufnehmen. Und dadurch hat heutzutage jeder mehrere Rollen.

Hat diese Verfügbarkeit an Produktionsmitteln der Rockmusik genützt — oder auch geschadet? Dadurch, dass jeder Platten aufnehmen kann, wird der Markt natürlich auch mit unglaublich viel Musik geflutet.

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Die technische Einstiegshürde ist niedriger geworden, so dass jeder gleich loslegen kann. Die Tools, die es da draußen gibt, sind fantastisch. Jeder kann in seinem Schlafzimmer einen Song selbst aufnehmen und ihn ins Internet stellen. Wenn er gut ist, kann er sich viral verbreiten, und eine Million Menschen können ihn innerhalb von 24 Stunden hören, das gab es vor 20 Jahren noch nicht. Aber deswegen gibt es jetzt Millionen und Abermillionen von Bands da draußen. Und ehrlich gesagt, sind fast alle von ihnen sehr mittelmäßig. Um also mit deiner Musik gehört zu werden, musst du wirklich gut sein. Du musst mit etwas aufwarten, das neu oder einzigartig ist, tolle Hooks hat, etwas, das dir hilft, aus dem Meer der Mittelmäßigkeit herauszustechen. Auch als Hörer und Musikfan muss man sich durch eine Menge neuer Veröffentlichungen wühlen, um etwas zu finden, das einen wirklich anspricht. Aber ich denke, das ist auch aufregend, weil es jedem die Möglichkeit gibt, einen Song zu schreiben, ihn aufzunehmen und ihn zu veröffentlichen, was vor 20 oder 30 Jahren sehr schwierig war.

Was würden Sie jungen Musikern oder Produzenten raten, die sich im heutigen Musikbusiness behaupten wollen?

Nun, ich sage das immer wieder zu jungen Musikern oder auch Tontechnikern oder Produzenten: Versucht, euch selbst treu zu bleiben, pusht euch selbst dazu, etwas Einzigartiges, Authentisches zu machen, mit dem man glücklich ist. Man sollte nicht versuchen, ein Popstar oder ein Hip-Hop-Star zu sein, wenn man das nicht wirklich sein will. Man wird sonst nicht glücklich, auch wenn man Erfolg hat. Man muss das, was man macht, wirklich lieben. Ich habe einige Kurse an Universitäten gegeben und oft haben mich die Studenten gefragt: "Was sollen wir tun, um einen Job zu bekommen, wie sollen wir unseren Weg in der Musik finden?" Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich alle verschiedenen Wege anschauen und nicht nur sagen: "Ich will ein Hip-Hop-Produzent sein oder ich will ein Jazz-Engineer sein oder ich will ein Popsänger werden". Schaut euch all die verschiedenen Wege an, auf denen Musik kreativ genutzt wird. Versucht, überall Erfahrungen zu machen. Wenn jemand auf euch zukommt und fragt: "Hey, kannst du meine Band bei diesem Outdoor-Festival am nächsten Samstag mischen?" — sagt einfach "Ja". Selbst wenn ihr nicht wisst, wie man das macht. Wenn jemand zu euch kommt und sagt, ich brauche einen 32-sekündigen Musikclip für einen Werbespot, könntest du den für mich machen? Sagt einfach "Ja" und findet heraus, wie man das macht. Vielleicht landet ihr bei Film-Musik, vielleicht beim Mixing, man weiß nicht, wohin einen sein Weg führen wird. Wenn man sich auf nur einen Bereich in der Musik festlegt, besonders in der Produktion, bleiben viele Möglichkeiten auf der Strecke. Wenn man aber einfach die Augen offen hält und die Möglichkeiten auslotet, dann gibt es viele diese Wege da draußen. Ich ermutige Studenten und jeden, der Musik machen will, alle diese Wege zu erkunden.

Haben Sie das auch gemacht, als Sie selbst angefangen haben?

Das habe ich, es war alles DIY. Es gab keine Recording School, ich habe nicht in einem Studio gearbeitet, also musste ich alles selbst herausfinden. Wir hatten Glück, in Madison, Wisconsin gab es schon immer eine wirklich gesunde Musikszene und einige schicke Studios. Ich bin einfach rumgegangen, habe Bands gefunden und gesagt: "Hey, kommt mal bei uns im Studio vorbei und wir nehmen euch auf". Die wussten gar nicht, was sie da machen. Und ich wusste ebenfalls nicht, was ich tat. Also haben wir viel experimentiert. Wissen Sie, viele meiner frühen Aufnahmen klangen schrecklich. Aber ich lernte daraus. Ich musste die Technik lernen, ich musste das Produzieren lernen, weil jemand Entscheidungen treffen musste. Und dann die technischen Skills: Ich begann auf analogem Band. Sobald Computer im Studio Einzug hielten, habe ich versucht, mir so viel Wissen wie möglich darüber anzueignen. Ich fing an, Filmmusik und Fernsehmusik zu machen, wir haben im Studio Werbespots erarbeitet. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Man steht unter Zeitdruck, es muss zu einem ganz bestimmten Genre passen. Es ist gut zu wissen, wie man das macht, wirklich effizient zu sein und zügig zu arbeiten. Deshalb rate ich jedem, der anfängt, so viele verschiedene Wege wie möglich zu erforschen, weil man vielleicht einen Weg findet, der wirklich aufregend ist und von dem man vorher nicht wusste, dass er möglich ist.

Erlauben Sie mir noch eine Frage: Was machen Sie eigentlich am 24. September 2021?

Ich werde auf Tournee sein. Ich weiß nicht, wo genau, irgendwo in den Vereinigten Staaten. Ich habe mir den Zeitplan noch nicht angeschaut. Was ist denn am 24. September?

Nun, da wird ein kleines Album 30 Jahre alt. Sie kennen es vielleicht, ein unbekanntes Werk namens "Nevermind", das Sie produziert haben.

Ach ja, dieses kleine Album — das mein verdammtes Leben verändert hat. Ich vergesse das Datum immer, aus irgendeinem Grund denke ich dauernd, dass es am 21. September rauskam. Aber stimmt schon, es ist ja der 24. September. Das war ein Zeitgeist-Moment für mich, Mann. "Nevermind" hat so viele Leben verändert. Es klingt immer noch frisch und lebendig. Das Coole ist: Ich habe eine 15-jährige Tochter. Ihre Freunde entdecken gerade Nirvana und sind total begeistert. Jetzt kommen sie zu mir und fragen mich: "Butch, wie war Kurt Cobain eigentlich so?". Zu sehen, wie sie auf die Musik reagieren, so wie die Leute damals vor 30 Jahren, das ist schon echt genial.

Auch wenn man das Ausmaß und die Langlebigkeit wohl niemals vorhersehen konnte: Hatten Sie damals mit Nirvana im Studio eigentlich schon die Vermutung, dass Sie da etwas Großem auf der Spur sind?

Ich hatte keine Ahnung. Ich wusste, dass die Platte gut war, weil ich wusste, dass die Songs eingängig waren und die Band viel geprobt hatte. Sie waren richtig tight. Kurt hatte sein Songwriting in Bezug melodische Strukturen und Akkorde wirklich auf die nächste Stufe gebracht. Dann kam auch noch Dave Grohl dazu, ein totales Powerhouse am Schlagzeug. Die Band klang so kraftvoll. Ich dachte damals, dass wir vielleicht 100.000 Exemplare verkaufen, vielleicht werden wir ja so groß wie die Pixies. Dann haben Nirvana damit 30 oder 40 Millionen Platten verkauft, keine Ahnung wie viele es tatsächlich waren. Aber ja, es war einer dieser ganz besonderen Momente. Es war auch glückliches Timing: Die Welt brauchte zu der Zeit eine Platte wie diese. Sie hat die Musik total verändert.

Mr. Vig, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Ich danke Ihnen fürs Interesse. Und: Alles Gute zum, Geburtstag, "Nevermind", am 24. September! Und auch alles Gute, "No Gods No Masters", das jetzt einen Tag alt ist!

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2 Kommentare mit 38 Antworten

  • Vor 5 Monaten

    Hatte es eben schon souli geschrieben. Die "Nevermind" hat er richtig verkackt. Bin zwar kein Fan von Nirvana, aber die Albini-Mixe sind um Welten besser. Er ist ein hervorragender Mixer, dessen Produktionen einem wie Öl reingehen. Aber sie sind eben auch mutlos und ohne Akzente.

    • Vor 5 Monaten

      Demnach ist er ein Mixer mit "W"?

    • Vor 5 Monaten

      Also hat er die Produktion deiner Meinung nach so richtig gebutchert?

    • Vor 5 Monaten

      Butch? Femmutlich.

    • Vor 5 Monaten

      Hm, habe ja keine Producer-Ahnung, an was macht man das den fest? Bitte für Laien! ;) Kenne das Album natürlich seit der Jugend (in- und auswendig). Und was sind "Albini-Mixe", ebenfalls von Nevermind, oder ein anderes Album?

    • Vor 5 Monaten

      Mixe von Produzentenlegende Steve Albini. Der hat u.a. den Originalmix von In Utero angefertigt.

    • Vor 5 Monaten

      "Hm, habe ja keine Producer-Ahnung, an was macht man das den fest? Bitte für Laien!"

      Daran, wieviel Einfluss die Produktion auf den Bandsound nehmen kann oder will. Steve Albini ist einer von denen die versuchen, den Bandsound so natürlich und unverfälscht klingen zu lassen wie möglich. Andere Produzenten bevorzugen, den Sound zu der Band zu formen und zu gestalten. Ist beides weder gut noch schlecht, sondern hängt davon ab, was die Band möchte und was das Management möchte - wie im Falle von Steve Albini und In Utero einen radiotauglicheren Sound, weshalb In Utero später neu gemischt wurde.

    • Vor 5 Monaten

      Genau.

      Vig ist ein guter Produzent. Und er ist halt auch so ein Typ Produzent, den ein Label quasi an jedes Projekt setzen kann, um für eine Band einen "radiofreundlichen", "sauberen" Mix des kleinsten gemeinsamen Nenners zu schaffen. Das muß man auch erst mal können.
      Die Gefahr ist halt groß, daß dabei etwas von der Eigenständigkeit einer Band weggeschliffen wird. Wie Schwinger sagt, wird ein Typ "Albini" eher versuchen, das aufzunehmen und zu mixen, was man von einer Band bei einem Gig in einem echten Raum hört.

      Auf Youtube gibts Vergleiche zwischen Albinis "In Utero" und dem von Vig. Und da ist keine Frage, welche Versionen mehr Energie haben, mMn.

    • Vor 5 Monaten

      Vielen Dank ihr beiden! Wieder was gelernt.

    • Vor 5 Monaten

      Nevermind wurde von Andy Wallace abgemischt. Es gibt auch einen Mix von Vig, der aber nicht verwendet wurde. Vig war der Produzent. Ich finde den Mix besser als den von "In Utero", ist aber wohl Geschmackssache. Kann schon verstehen, dass einigen der Mix zu glatt gebügelt ist. Soweit ich weiß, sah das sogar Kurt selbst genau so.

    • Vor 5 Monaten

      Jepp. Kurt wollte immer dreckiger klingen, wie seine Vorbilder. Seine Vorgesetzten wollten das immer anders. Die veröffentlichten Mixe sind vielleicht mit ein Grund, weswegen ich mir Nirvana nicht geben kann. Es gibt eine Fülle von mindestens gleichwertigen Bands aus dem näheren und weiteren Umfeld des Genres, die längst nicht so öde klingen.

    • Vor 5 Monaten

      Anfang der 90ern war die Wahrnehmung eine andere. Da staunte die ganze Musikwelt, wie Butch Vig aus einer durchschnittlichen Punkband die größte Band der Welt machen konnte. Und das Gerücht, Kurt hätte das nie gewollt, ist falsch. Kurt Cobain wollte ein Rockstar werden. Er hatte einen ziemlich konkreten Plan. Das ist 1:1 so überliefert. Deswegen wollte er für Nevermind eine massentauglichere Produktion. Überwältigt (und überfordert) von damit eihergehenden Medienrummel, ruderte er im Nachhinein wieder zurück. Wird heutzutage (wie so oft) gerne mal falsch dargestellt.

    • Vor 5 Monaten

      Hat hier jemand behauptet, Cobain habe das nie gewollt? Und: Nirvana war vorher eine "Punkband"??

      Ansonsten ist das Argument der "ganzen Welt" immer etwas dürftig. Vielleicht bin ich hier des Realkeepens schuldig, aber fast alle halbwegs im Genre befindlichen Nachbarbands klingen für mich heute viel fetter als die Nevermind-Nirvana.

    • Vor 4 Monaten

      Mir gehen diese arroganten Kommentare (Ragism) echt langsam aufn Sack. Wer bist du denn eigentlich zu beurteilen, was gutes und was schlechtes Mixing ist? :-D Leute, ihr nehmt euch echt zu wichtig hier in den laut.de Kommentarbereichen. Stinkt mir echt schon seit Jahren und ich hatte jetzt mal das Bedürfnis, es rauszulassen.

    • Vor 4 Monaten

      Shit, Du nimmst das hier ernst?! Wir hatten ja keine Ahnung, außer vielleicht vom Mixing bissl mehr als Du!

    • Vor 4 Monaten

      "Stinkt mir echt schon seit Jahren und ich hatte jetzt mal das Bedürfnis, es rauszulassen."

      Respekt - nach so langer Zeit mal ne richtig eloquente Breitseite. Da hat sich die Anmeldung doch gelohnt! :klatbier:

    • Vor 4 Monaten

      Gepflegte Impulsivität. Gibt es hier viel zu wenig, weiter so, Hayle!

    • Vor 4 Monaten

      Schön für Dich, Hayle. Ebenfalls von mir: Prost!

    • Vor 4 Monaten

      Jo, danke nochmal an die 4 Kommentatoren, die meinen Vorwurf nochmal so herrlich bestätigen.
      Ihr kleinen überheblichen Pappnasen ..

    • Vor 4 Monaten

      Man könnte fast meinen, wir wären im Internet.

    • Vor 4 Monaten

      Bäääämmmm, Pseudi! Ich bin nur einer von 4! Na, was sagst du? Ich gehöre dazu! Nimm das! :D

    • Vor 4 Monaten

      Hayle halt ganz klassischer user*innen-Archetypus "Projektor", daher wohl auch die Unfähigkeit, in den anderen Teilnehmer*innen irgendwas anderes entdecken können als ausschließlich das, was er vorher bereits in sie hinein projiziert hat und dort nun wiederfinden möchte.

      Zeigt diese "Unterhaltung" hier auch ganz treffend auf.

    • Vor 4 Monaten

      und was ist dann ragi für eine user*innen-archetypus?

    • Vor 4 Monaten

      oder ist er in seiner cis-großkotzigkeit ein unikat? :lol:

    • Vor 4 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor 4 Monaten durch den Autor entfernt.

    • Vor 4 Monaten

      Schreibt doch einfach mal Kommentare, ohne meinen zu müssen, immer so einen "ach so schlauen, eloquenten, sarkastischen, philosophischen, kritischen" zweiten Boden einbauen zu müssen. Dass hier jeder meint, das machen zu müssen, zeigt einfach, welch alberne Lemminge hier unterwegs sind.
      So, und jetzt will euch Euch auch gar nicht weiter stören: macht weiter damit, euch gegenseitig auf Eure geschliffenen, klugen Kommentare einen abzuwichsen. Bin raus ...

    • Vor 4 Monaten

      P.S.: Ich weiß, dass mein Kommentar jetzt erstmal einer ersten Rechtschreibprüfung Eurerseits unterzogen wird. Wenn´s da nix zu holen gibt, überlegt ihr euch was anderes Kluges, um den Kommentar direkt abzuwerten. Denkt doch einfach mal drüber nach, anstatt reflexartig sofort irgendwas super Smartes zu kontern.

    • Vor 4 Monaten

      Hm.Weiß nicht, wie Du das so siehst, aber statt so zu schreiben, wie es dir vielleicht gefallen würde, schreibe ich mal lieber so weiter, wie es mir gefällt, hm? Danke. :)

    • Vor 4 Monaten

      "Schreibt doch einfach mal Kommentare, ohne meinen zu müssen, immer so einen "ach so schlauen, eloquenten, sarkastischen, philosophischen, kritischen" zweiten Boden einbauen zu müssen."

      Vvvvvvooooogeeeettttidddddd! :D

    • Vor 4 Monaten

      Um mal kurz zum Thema zurückzukehren: Nicht allein Butch Vig hat Nevermind verkackt, sondern alle Beteiligten. Kein Produzent der Welt hätte aus diesem Schrott ein gutes Album machen können.

    • Vor 4 Monaten

      Weiß nicht ob der Schluss bissl voreilig gezogen ist, @morphibrudi, ist denn eindeutig nachweisbar, dass @ragi damals angefragt wurde?

    • Vor 4 Monaten

      "Wenn´s da nix zu holen gibt"

      Deine Rechtschreibung geht m.E. klar, aber den Akut-Akzent als Apostroph zu missbrauchen sollte als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die Ästhetik gewertet werden.

    • Vor 4 Monaten

      Hätte passen könne. Soweit ich weiß, hat kein Nirvana-Mitglied deutsche Vorfahren. Nur nordirische, kroatische und sogar schottische. Von daher würde ich mich sehr wundern, hätte Ragi hier wissentlich gezögert.

    • Vor 4 Monaten

      Ich Esel. Dave Grohl hat NATÜRLICH deutsche Vorfahren. Oh man, da hast du deine Antwort, souli.

    • Vor 4 Monaten

      Echt, hat er? Na gut. Dann halte ich ihn jetzt wohl für nen schlechten Drummer.

    • Vor 4 Monaten

      Hayle, mit den Formulierungen
      "Ihr kleinen überheblichen Pappnasen [...] macht weiter damit, euch gegenseitig auf Eure geschliffenen, klugen Kommentare einen abzuwichsen"
      hast du tatsächlich sowas wie die Eckpfeiler des laut.de Usertums zusammengefasst, so viel kann ich nach über zehn Jahren guten Gewissens feststellen :D

      Völlig nachvollziehbar, dieses als "Außenstehender" peinlich oder zumindest anstrengend zu finden aber ich denke und hoffe, dessen sind sich vielleicht bis auf die aller selbstverliebtesten User hier so ziemlich alle bewusst. Anfangs fand ich das auch schwer, inzwischen bin ich schon länger in den sich selbst gut vorkommenden laut-Zug eingestiegen und ja, es macht manchmal durchaus Spaß :)

    • Vor 4 Monaten

      "Um mal kurz zum Thema zurückzukehren: Nicht allein Butch Vig hat Nevermind verkackt, sondern alle Beteiligten. Kein Produzent der Welt hätte aus diesem Schrott ein gutes Album machen können."

      Danke für Deine Meinung, morphi. Ich finde Nevermind durchaus gelungen und wette jeder Produzent hätte daraus ein gutes Album machen können.

    • Vor 4 Monaten

      *undergänzung: Bleach war aber dennoch immer mein Fave.

  • Vor 2 Monaten

    Hallo, wer kann mir denn sagen, wie das Sperma schmeckt? - http://bums.pw