laut.de-Kritik

Shirley Manson spießt nach wie vor Männer-Egos auf.

Review von

"No Gods No Masters" ist das siebte Album der Alternative-Rock-Veteranen Garbage, und diese Zahl wird von Sängerin Shirley Manson zur "DNA des Inhalts" erklärt und erhöht, denn sie stehe für "die sieben Tugenden, die sieben Leiden Mariens, die sieben Todsünden". Ganz schön viel Anspruch, der im Folgenden erfüllt werden muss: Der Opener "The Men Who Rule The World" ist dann gleich ein elektronisch eklektisches Emanzipationsstück gegen Patriarchat und Kapitalismus, um so ein paar Übel der Welt mit messerscharfen Melodien aufzuspießen.

Und mit stets leicht aggressiv tickendem Sound geht es weiter, der mal brodelnd und mal barsch daherkommt, aber stets von Mansons übercooler selbstbewusster Stimme geprägt ist. Und mit dieser konfrontiert sie männliche Egos unnachahmlich herausfordernd: "If I Had A Dick / Would You Know It / Would You Blow It" heißt es beispielsweise im an Depeche Mode erinnernden "Godhead".

Es gibt Songs, die ein wenig nach der frühen Melancholie von The Cure ("Wolves") klingen, andere spielen mit der Lässigkeit von Roxy Music oder Talking Heads ("Anonymous XXX") und einige wie "A Woman Destroyed" lassen die unterschätzte Genialität von Curve aufblitzen, die in den frühen Neunzigern mit ihrer Mischung aus Industrial, Electronica und Noise-Indie-Rock den Sound von Garbage vorwegnahmen.

Das Kunststück der neuen Garbage-Songs liegt darin, unverkennbar nach Garbage zu klingen und dennoch frisch: Ihr Gitarren-Indie-Rock bleibt mit gut gelegten Synth-Infusionen viral und viszeral. Was hier vielleicht fehlt ist so etwas wie ein Überhit, aber vermutlich ist die Band darüber längst erhaben, denn diese schiebt sie quasi mit Coverversionen von David Bowies "Starman" und Patti Smiths "Because The Night" auf der Deluxe-CD-Version nach.

Denn wenn Garbage sich musikalisch immer noch selbst herausfordern mögen, haben sie die Spielregeln trotz Anprangerung von Marktregeln die des Musik-Marketings durchaus begriffen: Wer aber seit nun fast dreißig Jahren relevant bleibt, braucht keine Master mehr.

Trackliste

  1. 1. The Men Who Rule the World
  2. 2. The Creeps
  3. 3. Uncomfortably Me
  4. 4. Wolves
  5. 5. Waiting for God
  6. 6. Godhead
  7. 7. Anonymous XXX
  8. 8. A Woman Destroyed
  9. 9. Flipping the Bird
  10. 10. No Gods No Masters
  11. 11. This City Will Kill You

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1 Kommentar mit 2 Antworten

  • Vor einem Tag

    As always: Needs more gar(b)age. Schade. :(

    • Vor 18 Stunden

      Ja. Ist leider etwas zu egal geworden, die Platte.

    • Vor 18 Stunden

      Meinung zu Butch Vig?

      Viele seiner als so legendär empfundenen Produktionen klingen für mich beliebig. *wegduck*
      Auf helmet's betty hat er Milquetoast gemacht, das ist gerade noch so knackig und knarzig genug für helmet geworden.
      Butch mag's gern glatt, aber Shirley & Garbage verdienen halt mE wenigstens einmal und durchgängig so ne richtig rotzige, fiepsende und scheppernde Garage-Production für die der Butch halt eindeutig nicht in Frage kommt, der ist nämlich schon seit Anfang der 90er hilflos dem Glatt- und Schönklang ergeben.

      Und an jemanden abgeben wird er's auf seine alten, "abgewichster Profi"-Tage ja wohl leider auch nicht mehr. Liegen gelassenes Potential, diese Band nicht wenigstens einmal so roh und unnahbar zu produzieren, wie Shirley sie in ihren Lyrics regelmäßig skizziert.