laut.de-Kritik

Blinde, bekiffte Affen weben einen abartig brodelnden Soundteppich.

Review von

Da soll noch jemand behaupten, Hip Hop-Konsum würde nicht bilden: "Ayahuasca", lerne ich, bezeichnet gleichermaßen eine an halluzinogenen Substanzen reiche Lianenpflanze wie das Gebräu, das sich aus deren Blättern herstellen lässt. Hätten Sies gewusst? Prosit!

The Alchemist und Oh No, zum zweiten Mal unter ihrem brandigen Alias im Doppelpack unterwegs, dürften ihren Organismen auch diesmal wieder Einiges zugemutet haben: Der Phantasie nüchterner Produzenten kann der musikalische Wahnwitz, den "Vodka & Ayahuasca" auffährt, schwerlich entsprungen sein.

Das gluckernde, blubbernde Intro heißt willkommen in einem durch und durch die Sinne benebelndem Geräusch-Irrsinn. Bässe pumpen, Melodien hüpfen durchs Bild, immer flankiert von einem ganzen Heer an Zwischenrufern und einer wahren Flut an Samples, Scratches, Stimmen, Gelächter und Einwürfen.

Die überbordende Detailfülle, die über den hilflosen Hörer hereinbricht, mag manchen überfordern. Dichte und Intensität des Klangteppichs, der von blinden, bekifften Affen gewoben scheint, beeindrucken aber gleichzeitig.

Wie schon der Vorgänger, entpuppt sich "Vodka & Ayahuasca" tatsächlich als der "psychedelic mind trip", den "Due Work" verspricht. Die Texte können mit Schützenhilfe von noch so hochkarätigen Gästen noch so ordentlich gerappt noch so abgedrehte Szenarien entfalten - sie verkommen dennoch zur absoluten Nebensache.

Ohne Witz: Den Jungs auch nur ansatzweise konzentriert zuzuhören fällt wirklich schwer, erfordert es doch schon alle Energie, im brodelnden Soundstrudel nicht abzusaufen. Zumal Oh No und The Alchemist wie besessen auf der Klaviatur des Gewohnten herumklimpern - treffsicher immer einen Halbton neben den Erwartungen.

In beider Verrücktheit keinem Kopfnicker-Kaliber wie das bratzige "Gladiator Music" mit dem Veteranen Kool G Rap am Mikrofon, der breite Aufmarsch von "Odds Cracked" oder "Flame Throwers", ein ausgewachsenes Beat-Monster über quakendem Bass. "We got nothin' to prove. We break through." Wie wahr. Die über knochentrockene Drums erteilte Aufforderung "Breathe!" aus "Auralac Bags" - ein gut gemeinter Rat. Manchmal könnte man es glatt vergessen.

"Livers For Sale"? Zum Glück! Nach dem Genuss von "Vodka & Ayahuasca" benötigt man nämlich nicht nur eine neue Leber, sondern außerdem einen Satz frischer Trommelfelle. Ein Austausch-Lungenflügel darfs gerne auch noch sein. "Eeeey, that was crazy shit, hmm? Let's go outside and smoke."

Trackliste

  1. 1. Intro (The Mixings)
  2. 2. Gladiator Music feat. Kool G Rap
  3. 3. Flame Throwers
  4. 4. Drink Up feat. Roc Marciano
  5. 5. Auralac Bags
  6. 6. Vodka & Ayahuasca
  7. 7. Dump Truck feat. Prodigy
  8. 8. Due Work
  9. 9. Odds Cracked
  10. 10. Top Instructors
  11. 11. Dark Shades feat. Evidence & Roc C
  12. 12. The Groove
  13. 13. Livers For Sale
  14. 14. Outro (The Downsides)

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