laut.de-Kritik

Sure Shot oder lauer Aufguss?

Review von

Sommer 2003 - der Moment der Wahrheit. Lange hatte das legendäre Hip Hop-Duo die Veröffentlichung seines siebten Werkes hinaus gezögert. Der Wirbel um enttäuschte Reaktionen auf die ersten Album-Snippets und die zunehmende Kritik an DJ Premiers Einfallslosigkeit in Sachen Beats warfen zudem die ängstliche Frage auf, ob Guru und Premo nur noch einen müden Aufguss ihres 98er Vorgängers "Moment Of Truth" zu Stande bringen würden. "Gang Starr Hasn't Got To Be The Sure Shot Anymore?"

Mitnichten, die Legenden bleiben auch im neuen Jahrtausend "The Most Consistent" im Rapgame, auch wenn dieses Mal kein Klassiker wie "Step In The Arena" oder eben "Moment Of Truth" heraus sprang. Zu normal und nicht bahnbrechend genug pumpen die Drums, Scratches und Samples. Doch auch Altbewährtes kann rocken, denn im Gegensatz zu all den halbgaren Premo-Kopien weltweit kreieren Gang Starr trotz Wiederholungen außerordentlich tighte Tracks.

Der Reigen beginnt mit dem kurzen, aber heftigen Gastauftritt von Newcomer Smiley, der auf dem einminütigen "Werdz From The Ghetto Child" mit harten Raps an den legendären "Nutcracker" aus "Hard To Earn"-Zeiten erinnert. Überhaupt verblassen Gurus Leistungen im Vergleich zu den Feature-Artists ein wenig. So regiert The Lox-Mitglied Jadakiss auf dem vibrierend verzerrten "Rite Where U Stand" mit on point-gesetzten Reimen so unglaublich überlegen, dass Guru mit seiner Selbsteinschätzung eines "Top Ten Rappers Of All Time" auf Zeit spielt.

Im schüchtern bouncenden "Skills" entfaltet der alte Mann der Monotonie dagegen seine ganzes Können, wenn er den Battle-Styles frönt. Beim atmosphärisch dichten "Riot Akt" kommen die "sympathischen Sozialarbeiterstyles", wie ein ehemaliges Underground-Mag einst urteilte, wieder zum Tragen. Doch dort darf Guru auch alleine flowen. Beim mitreißenden Kopfnicker "Who Got Gunz" übernehmen jedenfalls wieder die Gäste das Ruder. Fat Joe hat seine Irv Gotti-Pop-Phase anscheinend überwunden, und M.O.P. fronten brüllend wie eh und je.

Wie schon zuvor Jada rappt auch Westküstenboss Snoop Dogg im soulig melancholischen "In This Life..." den Gangstarr an die Wand. Selbst unbekannte Emcees wie NYG'z und H. Stax spitten beim straight minimalistischen "Same Team, No Games" wesentlich hungriger als Guru. Gut, energische Reime waren noch nie seine Stärke. Aber vielleicht tragen auch die hier ungenannten musikalischen Durchhänger "der Eigentümer" einen Großteil der Schuld. Durchschnittliche Fülllieder wie der Opener "Put Up Or Shut Up", die "Sabotage" oder "Deadly Habitz" kommen einfach nicht in die Gänge, und der "Gifted Unlimited Rhymes Universal" ist kein Michael Schuhmacher am Mic, um auch langsame Autos in Titelanwärter zu verwandeln.

"The Ownerz will save Hip Hop", hofften viele Heads im Vorfeld des Albums. Okay, der Anspruch wäre auch für einen Klassiker zu hoch zu gegriffen. Aber vielleicht rettet das Duo die Hip Hop-Kultur ja gerade mit der Besinnung auf die eigenen Stärken, anstatt der Neptunes-Dr. Dre-Yacht hoffnungslos und abkupfernd hinterher zu gondeln. Schuster bleib bei deinen Leisten, die hier einfach gute Beats und Features heißen. Ein ordentlicher, aber nicht der sichere Schuss.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Put Up Or Shut Up (feat. Krumbsnatcha)
  3. 3. Werdz From The Ghetto Child (feat. Smiley)
  4. 4. Sabotage
  5. 5. Rite Where U Stand (feat. Jadakiss)
  6. 6. Skills
  7. 7. Deadly Habitz
  8. 8. Nice Girl, Wrong Place (feat. Boy Big)
  9. 9. Peace of Mine
  10. 10. Who Got Gunz (feat. Fat Joe, M.O.P.)
  11. 11. Capture (Militia Pt. 3)
  12. 12. Playtawin
  13. 13. Riot Akt
  14. 14. Hiney
  15. 15. Same Team, No Games
  16. 16. In This Life... (feat. Snoop Dogg, Uncle Reo)
  17. 17. The Ownerz
  18. 18. Zonin'
  19. 19. Eulogy

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5 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Unverständlich wie man einem Album mit so abartig freshen Tracks wie "The Ownerz", "Rite Where U Stand", "Playtawin" oder "Who Got Gunz" nur 3 Sterne (!!!) geben kann. Und dann bekommen deutsche Möchtegern-Acts deren 5??!! Hallo?!!

  • Vor 11 Jahren

    wenn du mit möchtergern acts unter anderem einen kollegah meinst,würd ich mal ganz leise sein an deiner stelle hehe

    zum album:hat mich lang nicht so geflasht wie der vorgänger moment of truth.paar absolute bomben sind drauf ,aber das ganze wird schnell langweilig und ragt nicht mehr so aus der masse heraus wie bei gang starr eigentlich üblich

  • Vor 11 Jahren

    @Garret (« wenn du mit möchtergern acts unter anderem einen kollegah meinst,würd ich mal ganz leise sein an deiner stelle hehe

    zum album:hat mich lang nicht so geflasht wie der vorgänger moment of truth.paar absolute bomben sind drauf ,aber das ganze wird schnell langweilig und ragt nicht mehr so aus der masse heraus wie bei gang starr eigentlich üblich »):

    da hast du recht mit kollegah und dem vorgängeralbum "moment of truth", dass ist ein classic, aber das album bei weitem nicht.

  • Vor 11 Jahren

    @Garret (« wenn du mit möchtergern acts unter anderem einen kollegah meinst,würd ich mal ganz leise sein an deiner stelle hehe

    zum album:hat mich lang nicht so geflasht wie der vorgänger moment of truth.paar absolute bomben sind drauf ,aber das ganze wird schnell langweilig und ragt nicht mehr so aus der masse heraus wie bei gang starr eigentlich üblich »):

    genau den mein ich ;) ist meiner meinung kein vergleich, deutsche acts(egal ob d/ch/aut) haben im vergleich auch mit eher mittelmässigem ami-output keine chance.

    dass der vorgänger ein classic war...ok, spricht auch niemand von 5 Sternen, aber 3 sterne sind ziemlich unter aller sau: ist ein geiles album, das user-voting spricht auch eine deutliche sprache...

  • Vor 10 Jahren

    stewess ich gebe dir recht, the ownerz ist ein grund solides album, welches minimumm 4 sterne verdient hat, von mir bekäme es allerdings auch 5! aber geschmack ist geschmack, und wem kollegah schmeckt^^
    der ist auch gemüse ;)

    the ownerz - auf jeden ein SURE SHOT!!!