laut.de-Kritik

Königliche Grooves halten die Beine in Bewegung.

Review von

Mit einem simplen, schleppenden Schlagzeug-Beat steigen Gabin in ihr zweites Album ein. Schicke Bläser tupfen energische Farbkleckse in den geradeaus arrangierten Titeltrack, vorgetragen von Edwyn Collins, der mit dem ewigen "Girl Like You"-Stigma durch die Gegend laufen muss. Seinen Job am Mikro erledigt er souverän und omnipräsent, liefern ihm Filippo Clary und Massimo Bottini doch eine Steilvorlage par excellence.

Textlich gesehen gerät das Unterfangen schon einmal ganz lustich. Schwadroniert Collins doch in der ersten Person darüber, was der "Mr. Freedom" an einem Morgen macht, an dem seine Angebetete nicht ans Telefon geht. Derlei unausgelastet wagt dieser sich an Arbeiten, die man(n) eben so macht, wenn die Freundin nicht da ist: Toaster reparieren, Toilette schrubben, die Mutter besuchen, Zahnpasta kaufen und Pornofilm ausleihen. Ein ganz normaler Tag also.

Die bezaubernde Dee Dee Bridgewater verleiht danach der Uptempo-Nummer "Into My Soul" den letzten Schliff. Scheinbar mühelos, energisch und versiert singt sie den Mann an, der gerade eben noch in der Seilbahn gefangen ist und dann von dort oben direkt in ihre Arme fällt. Im Schlepptau hat die Jazz-Queen ihr Töchterlein China, das das folgende "The Other Way Round" wie eine swingende Rockröhre intoniert.

Clary und Bottini beweisen Stil und Geschick bei der Auswahl der Interpreten ihrer Songs. "Bang Bang To The Rock'n'Roll" markiert den vorläufigen Höhepunkt der zum Arschwackeln einladenen Tracks. Hier shuffelt der Besen und gniedelt die Surf-Guitar in Erwartung des kommenden Frühlings.

Bis hierhin erfahren Tempo und Partytauglichkeit eine fortwährende Steigerung. Erst Chinas zweiter Beitrag "The Thousand And One Nights" lässt Zeit, um nach den aufwühlenden Tanzbodenfüllern zur Ruhe zu kommen. Die soulige Ballade kommt etwas klischeebeladen daher, bietet aber genug Flair, um nicht entnervt weiter zu skippen. Obwohl ... dort wartet das mächtig dahin rollende "It's Gonna Be" mit elegant dahin geworfenen Blues-Licks und einem Jho Jenkins, der Textfragmente cool as fuck singspricht.

Die Begeisterung über den fulminanten Start mit vier gnadenlos tanzbaren Krachern können Gabin letztendlich nicht über die Ziellinie retten. Das klingt gegen Ende doch etwas zu oft gehört. Instrumentale Spielereien - wie beispielsweise in "Midnight Caffè" - kommen über das Prädikat "nett" nicht hinaus.

"Just Be Yourself" mit seinen C64-Klängen zu Beginn entwickelt sich zwar zum energischen Hüftwackler und auch der Kehraus gelingt mit "... And She's Still Watching Me" atmosphärisch. Den königlichen Groove zu Beginn haben Clary und Bottini bis dahin aber doch etwas versaut.

Trackliste

  1. 1. Mr. Freedom
  2. 2. Into My Soul
  3. 3. The Other Way Round
  4. 4. Bang Bang To The Rock'n'Roll
  5. 5. The Thousand And One Nights
  6. 6. It's Gonna Be
  7. 7. Midnight Caffè
  8. 8. Just Be Yourself
  9. 9. Africa
  10. 10. ... And She's Still Watching Me

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