laut.de-Kritik

Die Trashmonster zollen Oderus Urungus Tribut.

Review von

Halloween steht kurz bevor, GWAR liefern pflichtbewusst neue Partyhymnen. Gleichzeitig fungiert "The Blood Of Gods" als ein Requiem, denn Anführer Oderus Urungus ist nicht mehr. Doch all ihr Unwürdigen, habt keine Angst: Auch ohne ihn dürft ihr euch weiterhin vor den Scumdogs in den Dreck werfen, denn mehr oder weniger alles bleibt beim Alten.

Die Riffs und Soli sind immer gerade so anspruchsvoll, dass man sie noch bequem in Kampfmontur spielen kann. Texte und Gesamtpaket sind genau so trashig wie man es von den Plastikmonstern erwartet – aber eben gut gemachter Trash. "Auroch" rumpelt als feiner Oldschool-Thrasher à la Testament daher. Mit zu verdanken ist das Neu-Vokalist Blöthar, der durchweg solide abliefert und sowohl den aggressiven Heeresführer als auch den perversen Blödelheini glaubhaft verkörpert.

Sollte "Fuck This Place" nicht zum Livehit und künftigem Dauerbrenner auf Metalfeten werden, bastelt bitte Puppe mit meinem Antlitz und werft sie GWAR auf der Bühne zum Köpfen vor. Ein flottes Wah-Wah-Intro bringt den Pit zum Schäumen, die Struktur checkt man auch mit zwei Promille im Blut und Kunstblut in den Augen noch und der Refrain ist die Blaupause für Mittelfinger-Gangshouts.

Frisch ausgetobt ist man dann auch bereit fürs eher melancholische "Phantom Limb". Hier erzählen GWAR einerseits einen Abriss ihres Herkunftsmythos' und zollen andererseits Dave Brockie a.k.a. Oderus Urungus Tribut: "You were a soldier / I am a soldier, too / We committed crimes like soldiers do [...] Will you ever scream again? / Your battle hymn / I can feel you / Like a phantom limb". Besser hätte sich die Band nicht von ihrem Gründer verabschieden können. "Phantom Limb" passt wunderbar in die Schlachtengemälde GWARs, funktioniert aber gleichzeitig als ehrliche Trauerhymne. Glaubt es oder nicht: GWAR können empfindsam sein, wenn sie wollen.

Dieser Kontrapunkt hilft auch dabei, "The Blood Of Gods" trotz aller Überzogenheit ernst zu nehmen. So geerdet machen heroische Fanfaren in "El Presidente" und das schelmische Beatles-Zwischenspiel in "Viking Death Machine" gleich noch viel mehr Spaß. Über Wurschtiges wie "Intro Swarm" und "Death To Dickie Dunkin'" sieht man in Hochlaune gern hinweg.

Mit dem AC/DC-Cover "If You Want Blood (You Got It)" setzen GWAR dann auch einen schönen Schlusspunkt hinter Album Nummer 14. Wie die Urheber des Songs fahren sie munter ihre angestammte Schiene, das aber mit ordentlich Drive unterm Arsch. The War on GWAR continues – hoffentlich bald mit ordentlich Blutreserven im Gepäck auch in Deiner Nähe.

Trackliste

  1. 1. War On GWAR
  2. 2. Viking Death Machine
  3. 3. El Presidente
  4. 4. I'll Be Your Monster
  5. 5. Auroch
  6. 6. Intro Swarm
  7. 7. The Sordid Soliloquy Of Sawborg Destructo
  8. 8. Death To Dickie Dunkin'
  9. 9. Crushed By The Cross
  10. 10. Fuck This Place
  11. 11. Phantom Limb
  12. 12. If You Want Blood (You Got It)

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2 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    "Trashmonster"? So wie von "Trash-Metal"?

  • Vor 3 Jahren

    GWAR sind meiner Meinung nach eindrucksvoll mit diesem Album zurück. Die Scheibe wirkt organisch und klingt nach absoluter Spielfreude. Mitte der 90er begannen GWAR in viele verschiedene Richtungen zu gehen mit ihrer Musik, was manchmal klappte (This tiolet earth, Carnival of Chaos), manchmal aber auch gehörig daneben ging (We kill everything, RagNaRök). Auch hier schwanken sie zwischen Metal, Punk, Rock n roll und epischen Hymnen. Über weite Strecken gelingt das sehr gut. Der neue Sänger (und ehemalige Bassist) schlägt sich sehr gut. Es wirkt stimmig und aus einem Guß und auch die Produktion ist tacco. Nach 14 Studioalben verzeiht man den einen oder anderen Ausreißer, aber das hier zählt zu dem Besten, was GWAR mMn seit dem 2001er Überfliegeralbum "Violence has arrived" abgeliefert haben. Meine persönlichen Höhepunkte des Albums sind das sehr simple aber nicht minder geniale, punkig angehauchte "Viking death machine" (Autobahn ich komme!), das rockige "I'll be your monster" und der Gänsehautsong "Phantom limb".

    GWAR spielten die letzten Jahre nach dem Tod von Dave B. immer "nur" die alten Hits und begannen für viele Fans ihre legitimation zu verlieren, weil nichts Neues kam. Das ist vorbei.

    7/10