laut.de-Kritik

Die alkoholgetränkte Melancholie ist dahin.

Review von

Auf die neue Far From Finished-Scheibe habe ich mindestens so sehnsüchtig gewartet, wie auf die letzte The Ducky Boys oder nen anständigen Sommer ... Letzterer macht wohl immer noch Pause, "The War Back Home" war eher enttäuschend und auch an "Living In The Fallout" muss man wohl mit einer anderen Einstellung rangehen, als noch ans Debüt.

Auf eben jenem roch man den billigen Fusel förmlich aus jeder Strophe heraus und man hatte den perfekten Soundtrack für jede feucht-fröhliche Party gefunden. Der Boston-Spirit war einfach jederzeit präsent und man lauschte den melancholischen Säuferweisheiten von Steve Neary mit Hingabe. "Living In The Fallout" ist mit Sicherheit kein schlechtes Album, die alkoholgetränkte Melancholie ist aber leider Gottes dahin. Ich hasse es wirklich, wenn Musiker mit ihrem Leben auf einmal zufrieden sind und fröhliche Musik machen ....

Quatsch, natürlich gönne ich es jedem Musiker, wenn er mit der eigenen Mucke seinen Traum verwirklichen kann, aber die (unterschwellige) Melancholie der zehn Stücke des Debüts fehlt mir hier schon etwas. Ein wenig ist sie im Opener "Disaster" noch vorhanden, doch macht die fröhliche Melodie den zynischen Text fast vergessen. Noch krasser brettert "Plague" durch die Boxen, könnte der Song mit den ganzen 'Aaaaahs' und 'Oooohs' doch auch von Bad Religion stammen. Geiles Teil, aber eben unerwartet, schließlich kommen die Jungs ja nicht aus dem sonnigen Kalifornien, sondern aus dem eher nasskalten Massachusetts.

Natürlich finden sich noch ein paar Nummern, die im Stile des Debüts erklingen und einen Schuss Wehmut beinhalten. Ganz geil ist da "Roses And Razorblades", "Broken" oder auch "Twenty-One Guns", die den Spirit der alten Songs bestens transportieren. Ihren neuen Stil zelebrieren sie beispielsweise mit "Watch Your Back", bei dem es sich um astreinen Streetpunk mit stellenweise erstaunlich coolen Soli handelt. In eine ähnliche Kerbe schlagen sie mit "Heroes And Ghosts" und vor allem "1849" ein, das vom Tempo her noch deutlich mehr kickt. Auch die leichten Ska-Anklänge mit Klavier am Ende sind gelungen.

Plötzliche Schwenks in andere Bereiche scheinen den Jungs zu gefallen. So wird aus dem recht zügigen "Just Us Kids (November)" in letzter Minute plötzlich astreiner Rhythm'n'Blues. Dafür ist und bleibt "Wanna Be A Catastrophe" ne richtig geile Rock'n'Roll-Nummer mit herrlicher Säuferkulisse im Hintergrund und "A New Tune" dürfte nicht umsonst so benannt worden sein, hat der Track doch das Potenzial, auch als Hitsingle rauszukommen.

Zum Abschluss setzt es mit dem Titeltrack nochmal einen Schuss Melancholie, der eine gelungene Verbindung zwischen Vergangenheit und Jetzt herstellt. "Living In The Fallout" ist im Vergleich zu "East Side Of Nowhere" weniger melancholisch, liefert dafür aber einen kräftigeren Kick in den Arsch.

Trackliste

  1. 1. Disaster
  2. 2. Plague
  3. 3. Roses And Razorblades
  4. 4. The Imposter
  5. 5. Watch Your Back
  6. 6. Broken
  7. 7. Wanna Be A Catastrophe
  8. 8. A New Tune
  9. 9. Just Us Kids (November)
  10. 10. Heroes And Ghosts
  11. 11. 1849
  12. 12. Twenty-One Guns
  13. 13. Living In The Fallout

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