laut.de-Kritik

Alkopop für das Petting-Proletariat.

Review von

Irgendwie wollte in den vergangenen Jahren niemand das Fernost-Bewegungs-Quartett richtig wahrnehmen. Und das, obwohl es sich bereits 2003 formierte und schon Songs für Goldene Himbeer-Formate wie CSI oder Fast And The Furios beisteuerte. Erst mit dem Hit "Like a G6". gelang der kommerzielle Durchbruch.

Seitdem stellt sich die Frage, was eigentlich ein G6 ist. Glamour-unerprobten sei verraten - ein G6 ist ein Privatjet. Nicht irgendeiner, eher der Rolls Royce unter den Jets. Privatjets teilen auch dasselbe Schicksal wie Far East Movement: sie sind äußerst wartungsanfällig und absturzgefährdet.

Besonders dem feuchtfröhlichen Nirvana widmet sich die ost-asiatisch abstammende, aber westlich verzogene Gören-Kombo exzessiv. Wer einen drauf machen kann, kann auch lange darüber sinnieren. Alte Trinkerweisheit. Schließlich sprechen Kinder und Betrunkene immer die Wahrheit. Und obendrein schindet es Eindruck beim noch begeisterungsfähigen Petting-Proletariat.

So jagen sich auf "Free Wired" ausschweifende Feierszenen mit hochromantischen Begegnungen über die Tanzfläche. Trinkanleitungen und Mädel-Beeindrucktipps inklusive. Das klingt mal so: "I see you chillin' by the bar. Why don't you grab your girls. And come, chill with a star" ("Girls On The Dancefloor").

Manchmal so: "Poppin bottles in the ice, like a blizzard. When we drink we do it right gettin slizzard ... Now I'm feelin so fly like a G6" ("Like a G6"). Oder im Folgestück "Rocketeer" gerne auch so: "Let's fly, fly, fly, flyy. Up, up here we go, go. Let's fly, fly, fly, flyy. Up, up here we go, go. Where we stop nobody knows. Baby we can stay fly like a G6". Hauptsache der Flieger bleibt vollgetankt wie seine Crew, dann kann nichts schiefgehen.

An diesem Kurs hält Far East Movement eisern fest. Stets mit dem krampfhaften Versuch, aktuell erfolgreiche Pop-Formeln in ein neues, möglichst hippes Gewand aus Electro, Hip Hop und Bassverwandtem zu kleiden. Mit immergleichem Schema. Immergleichen Sounds. Immergleichen Effekten. Wie adoptierte Vierlinge, die Dizzee Rascal, Lady Gaga, David Guetta und Kid Cudi nie haben wollten. An keiner Stelle mehr ansatzweise neuartig, dafür bewährt und kompatibel. Eigentlich rappen die vier Jetsetter auch gar nicht so schlecht, würde es einfach gleichzeitig nicht dermaßen billig klingen.

Es scheint, als hätte sich Far East Movement die Nachfolge der Black Eyed Peas zum Reiseziel gemacht. Nicht nur, dass die Beats trotz ihrer sauberen Fertigung jedem Hype des vorletzten Jahres hintereifern, auch die Lyrics sind gewohnt anspruchslos. Alles derart fiktiv und oberflächlich, dass es höchstens Rezeptoren des Früh-Teenietums triggert. Ammenmärchen aus Clubs sind nun mal willkommene Vorstellungswelten für Fans, deren Besuch in derartigen Einrichtungen noch mindestens fünf Jahre verwehrt bleibt.

Um die wilden Party-Turbulenzen aber auch mal kurz ruhen zu lassen, besänftigen in regelmäßigen Abständen schmächtige Balladen das entwicklungsgehemmte Hörer-Herz. Dann wird ausführlich über die große Liebe, die man entweder an der Bar, oder ansonsten auf der Tanzfläche kennenlernt, geschwärmt.

Nennen kann man es wie man will, am Ende des Tages macht die Band nichts anderes als Pop. Kein Luxus. Vom Fliegertyp maximal ein G2, der darüber hinaus auch noch unter dem Radar der Mittelmäßigkeit fliegt. So gerne würde sie doch den Underground aufmischen, oder zumindest tangieren, aber dort wäre ihr gesamter Output schon wieder jedem scheißegal.

Was Cypress Hill für die Kiffer dieser Welt bedeuteten, ist jetzt Far East Movement für alle Alkopops-Lover. Die Teilhabe am stereotypischen ausschweifenden Jetset-Leben im Club und drum rum, zusätzlich propagiert durch Billo-Musikvideos, ein Höllenflug. Bitte bringen sie ihren Sitz in eine aufrechte Position, um abkotzen zu können.

Trackliste

  1. 1. Girls On The Dance Floor ft. The Stereotypes
  2. 2. Like a G6 ft. The Cataracs & Dev
  3. 3. Rocketeer ft. Ryan Tedder
  4. 4. If it was you (OMG) ft. Snoop Dogg
  5. 5. She Owns The Night ft. Mohambi
  6. 6. So What?
  7. 7. Don't Look Now ft. Keri Hilson
  8. 8. Fighting For Air ft. Frank Musik
  9. 9. White Flag ft. Kayla Kai
  10. 10. 2 Is Better ft. Natalia Kills & Ya Boy

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