laut.de-Kritik

Musik von dieser Qualität stünde jedem Radio gut zu Gesicht.

Review von

Eben erst erntete Esperanza Spalding mit "Chamber Music Society" Begeisterungsstürme - und ein paar Morddrohungen seitens verwirrter Kinder, die ihr übel nahmen, dass sie - nicht etwa Justin Bieber - als Newcomer des vergangenen Jahres geehrt wurde. Mit "Radio Music Society" legt sie nun nach, was ursprünglich einmal als zweite Hälfte eines Doppelalbums hätte erscheinen sollen.

Der Titel allein lässt schon ahnen: Zugänglicher soll es zugehen, auch auf ein nicht unbedingt Jazz-affines Publikum genießbar wirken. Wer jemals auch nur eine einzige Nummer von Esperanza Spalding gehört hat, der weiß: Ein Abgleiten in seichte Mainstream-Radio-Gewässer steht trotzdem nicht zu befürchten. Dafür sind sie und ihre Mitstreiter, viel zu musikalisch, ihre Kompositionen, Arrangements und Texte viel zu ausgefuchst.

Sachte angerührtes Schlagzeug, Bläser, Streicher, Klavier und Backgroundgesänge weben ihrer üppigen Instrumentierung zum Trotz zarte Klanggespinste, die die beiden Hauptdarsteller - Bass und Gesang - umgarnen. Vieles wirkt wie gekonnt improvisiert. Die Sicherheit, mit der die wie zufällig zusammen geworfenen Fragmente an ihren angestammten Platz finden, lässt dahinter aber sehr genaue - und schlaue - Überlegung vermuten.

Obwohl die einzelnen Nummern in ihrem Detailreichtum vor musikalischen Ideen schier zu bersten scheinen, verströmen sie doch nie die verkopft-verschlossene Unzugänglichkeit, mit der sich Jazz dem unadaptierten Ohr nur allzu oft verweigert. In Esperanza Spaldings Musik darf man sich vertrauensvoll fallen lassen.

Man landet auf einem weichen Klangteppich voller ineinander verschlungener Muster - unter dem "Cinnamon Tree", beispielsweise. Umrahmt von klassischen Streicher- und Bläserklängen, breiten sich Klavierkaskaden, locker darüber getupfte Bläser und funky Gitarrenpassagen aus, gekrönt von hingebungsvollem Gesang.

Fanfarenklänge empfangen den Herzkönig - nur angemessen. Ab und an erhebt sich ein einzelnes Instrument aus dem Gewimmel, in das es hinterher wieder zurücksinkt. Die Regentschaft bleibt jedoch stets der Stimme vorbehalten. Wer eines Beweises bedarf, dass ein Liebeslied ohne ausgelutschte Klischees auskommen kann - er trägt den Titel "Crowned & Kissed".

Etwas weniger rosig gestaltet sich das Beziehungs-Szenario in "Let Her": Doch auch, wenn die Liebe hier bereits in Trümmern liegt, bezaubert insbesondere der groovige Bass, der stellenweise sogar Reggae-Charakter entwickelt. An anderen Stellen klingt eine Spur Bossa Nova an, oder es liegt ein Hauch von Asien in der Luft.

Immer wieder wechseln Stimmungen und Tempi. Eben noch in ruhigem Fahrwasser, findet man sich unvermittelt inmitten betriebsamer Wuseligkeit wieder. Von der Big Band-Revue-Bühne in den versteckt-verrauchten Jazzkeller, und von da auf eine einsame Lichtung: bei dieser Begleitung nur winzige Schritte.

Die beiden Cover-Versionen - "I Can't Help It" stammt von Stevie Wonder, "Endangered Species" geht auf das Konto des Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter - machen sich Esperanza Spalding und Kollegen völlig zu Eigen. Sie fügen sich nahtlos ins Gesamtgefüge von "Radio Music Society" ein. Wer dieser Platte unbedingt etwas ankreiden möchte, möge auf dem auf Albumlänge doch ein wenig gleichförmigen Klangbild herumreiten. Dennoch: Mehr "Radio Music" dieser Qualität stünde jeder beliebigen Gesellschaft blendend zu Gesicht.

Trackliste

  1. 1. Radio Song
  2. 2. Cinnamon Tree
  3. 3. Crowned & Kissed
  4. 4. Land Of The Free
  5. 5. Black Gold
  6. 6. I Can't Help It
  7. 7. Hold On Me
  8. 8. Vague Suspicions
  9. 9. Endangered Species
  10. 10. Let Her
  11. 11. City Of Roses
  12. 12. Smile Like That

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