laut.de-Kritik

Songs über Abschied, Trauer und Selbstzerstörung.

Review von

"Who else is going to love someone like you that's marked for death? / Who else is going to be with you when you breathe your last? / Who else is going to take my place and hold and keep you safe? / Who else is going to stay?" Emma Ruth Rundles zweites Album steht für einiges, aber sicher nicht für lebensbejahenden Sonnenschein-Pop. Abschied, Trauer, Selbstzerstörung und purer Herbst tragen den Longplayer der Singer/Songwriterin. "Marked For Death" malt die Wörter "Verlust" und "Depression" in den unterschiedlichsten Grautönen an die Wand.

Nach ihrem Solodebüt "Some Heavy Ocean" und der "Electric Guitar One"-EP fokussiert sie hier all ihr Talent. Die umtriebige Rundle, die sonst zu den Bands Red Sparows, Marriages und Nocturnes gehört, definiert sich hier als Solo-Künstlerin. Dies gelingt ihr mit einem solchen Nachdruck, dass ihre anderen Bands von nun an in ihrem Schatten stehen.

In sanfter Düsternis umgarnen sich verletzliche Passagen und dunkle, hypnotische Gitarrenausbrüche. Streicher ranken sich wie wilder Wein und Efeu an den aufgetürmten Klangwänden empor. Inmitten dieses Umfelds findet Emma Ruth Rundle zu ihrer eigenen, in Leid getauchten Stimme. So verletzlich, angezählt und persönlich klang sie noch nie.

Vertrauensvoll legt sich ihre verschrundete Seele in die Hände ihrer Zuhörer, konfrontiert diese schonungslos mit ihrem Kummer. "I am worthless in your arms", jault und klagt sie in "Protection", bis ihre schmerzverzerrte Gitarre den Track flutet.

"Hand Of God" verzichtet auf das allgegenwärtig Spiel zwischen Ruhe und Verzerrung, zieht mit einem schummrigen Folk-Anteil jedoch nur noch mehr in den Bann. Doch die grollende Gitarre bleibt eines der Hauptmerkmale auf "Marked For Death" und kehrt in "So, Come" zurück. "All these things come down / I wish they would not", wiederholt Rundle wie ein Mantra und lässt die eindringliche Melodie so nachhaltig ankern.

Wie der Opener "Marked For Death" rückt das finale "Real Big Sky" den Tod wieder in den Mittelpunkt und schließt so den Kreis. Für ihren berührendsten Moment braucht Emma Ruth Rundle nur ihre Stimme und eine verratzt auf Akkorden schreddernde Gitarre. Wie eine Antwort auf den Verlust im Titelstück, singt sie voller Trauer und Todeshoffnung von einem erhofften Wiedersehen: "I don't want to be awake when it takes me / … / I can't wait to see you smile on the other side."

Trackliste

  1. 1. Marked For Death
  2. 2. Protection
  3. 3. Medusa
  4. 4. Hand Of God
  5. 5. Heaven
  6. 6. So, Come
  7. 7. Furious Angel
  8. 8. Real Big Sky

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5 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Danke für die Rezi, Musik und ausgelöste Emotionen treffend beschrieben.

    Gelungen ist auch diese Platte, ja. Hier steckt deutlich mehr von dem drin, was ich mir für die letzte Bat for Lashes erwünschte, was dort jedoch nie auftauchte... (ja, sanftes zurückrudern im Vergleich zu meinem Kommntar zur BfL-VÖ :) )

    • Vor 2 Jahren

      Apropos - laufe zwar Gefahr, das äußerst subjektiv zu sehen - aber habt ihr nicht auch das Gefühl, dass 2016 ein qualitativ unglaublich ertragreiches Jahr für women in music international war?

      Meine Heavy Rotation z.B. lässt tief blicken...

    • Vor 2 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 2 Jahren

      Dann unbedingt mal die neue Jenny Hval anhören. Finde ich noch einen Tick stärker.

    • Vor 2 Jahren

      Been there, done that. Kenne sie durch das "Mesher"-Album mit Susanna Wallumrød.

      Gibt wohl kaum eine Person, die innerhalb zweier beliebiger ihrer Alben musikalisch/thematisch so unterschiedliche Themen bearbeiten kann und dabei trotzdem in jedem Moment integer wirkt. Gefällt!

    • Vor 2 Jahren

      *"Meshes"-Album

    • Vor 2 Jahren

      Mit "Meshes Of Voices" habe ich beide live gesehen. War glaube ich ihr einziges Deutschlandkonzert zusammen. Von Susanna halte ich ja gesanglich noch mehr, aber "Triangle" war leider etwas enttäuschend in diesem Jahr.

      "Meshes Of Voices" und dieses unhörbare Free-Jazz-Album mit dem Trondheim Jazz Orchestra von Jenny Hval in diesem Jahr haben aber auch einen völlig anderen Background. Bei den restlichen Platten seit "Viscera" sehe ich lyrisch einen roten Faden. Sie ist ja nebenher auch als (feministische) Autorin aktiv, was ihre Alben stark prägt.

  • Vor 2 Jahren

    Vom Sound fährt es ja schon etwas die 90er-Emoschiene meets eine Schippe Gothic-Doom, aber insgesamt alles sehr hörbar.

  • Vor 2 Jahren

    5/5..Bombe hatte danach bock auf Tori Amos

  • Vor 2 Jahren

    Und dann noch mal die beiden Nocturnes Alben hören. Wundervoll

  • Vor einem Jahr

    Sorry, I'm late...
    Richtig gut, genau wie der Vorgänger. Vielleicht einen Ticken düsterer.