laut.de-Kritik

Leiden konnte er schon immer gut, der Mann aus Seattle.

Review von

Zeitlupenaufnahmen von Wellen, Flüssen, offenen Meeren und anderen Formen des kühlen Nass haben eine beruhigende Wirkung. Diese Naturgewalt. Mal sanft und bedächtig, mal wild und stürmisch. Genau so ist eigentlich Eddie Vedder.

Die Bild- und Emotionswelt der Ozeane ist beim Pearl Jam-Sänger auch auf seiner ersten Solo-DVD augenblicklich präsent. Selbst das Cover zeigt einen einsamen Recken, der auf einer Ukulele davon rudert.

Nach dem Erfolg von Into The Wild war Eddie Vedder auf Tour. Er brachte persönliches Liedgut, Covers und Pearl Jam-Songs auf kleine Theaterbühnen und versprach Tolles: Vedder pur, bewaffnet nur mit Gitarren und einem Sack voll Lebensweisheiten und Geschichten.

Zwei Nächte dieser ansprechend klingenden Kombination wurden im August 2008 im Warner Theater in Washington, D.C. auf Film gebannt. Drei Jahre später schien die Zeit reif genug, um den daraus entstehenden Konzertfilm "Water On The Road – Eddie Vedder Live" endlich zu veröffentlichen.

Nach einem recht typischen Intro mit abwechselnden Szenen der wartenden Fans und Vedder backstage, entert dieser im gewohnten Look - Löwenmähne und Holzfällerhemd - die Bühne. Ein Griff zur weißen Fender und schon erklingt "Sometimes" vom '96er Pearl Jam-Album "No Code".

Von der ersten Note weg hat Vedder sein Publikum im Griff und stiftet bereits nach wenigen Zeilen zu einem beeindruckenden Singalong an. Die Intensität behält auch das Cat Stevens-Cover "Trouble" bei, dem Eddie einige Unzen mehr Dynamik verleiht. Denn leiden konnte er schon immer gut, der Mann aus Seattle.

Die Kamera richtet sich voll und ganz auf Vedder, versucht vor allem seine Mimik einzufangen. Keine leichte Aufgabe bei jemanden, der durch die Kraft der Musik den ganzen Bewegungsspielraum seines Hockers auslotet. Trotzdem vermitteln die Aufnahmen das Gefühl, Ed würde direkt neben einem seine Liedchen trällern. Die ohnehin schon intime Atmosphäre des altehrwürdigen Theaters verstärkt die Kameraarbeit noch.

Egal ob bei ruhigeren Klängen wie Dylans "Girl From The North Country" oder energischem Akustikrock in "Setting Forth", Eddie Vedder spielt jede Note und jeden Ton, als ob es um sein Leben ginge. Bestens bei Stimme steckt er literweise Herzblut in die Songs, verliert sich so sehr darin, dass er für die Ansagen zwischen den Songs öfters ansetzen muss, um seine Gedanken verbalisieren zu können.

Wenn er sich doch zu längeren Geschichten hinreißen lässt, fesselt er so wie mit der Musik. Aber mal ehrlich, diesem Typen würde man auch beim Vorlesen des Telefonbuchs an den Lippen kleben.

Leider merkt man durch die recht unbeholfenen Schnitte zwischen den Songs, dass so manche Story im digitalen Papierkorb landete. Auch der Abgleich mit den tatsächlichen Setlists dieser Auftritte offenbart Basteleien an der Zusammenstellung der DVD.

Wenn der Roadie nach "Guaranteed" sichtbar die Mandoline von "Rise" wegträgt, Eddie dann mit einer Ukulele dasitzt, wenige Augenblicke später aber wieder eine normale Akustikgitarre in den Händen hält, bleibt irgendwo die Authentizität auf der Strecke, die besonders bei solchen persönlichen Konzerten wichtig bleibt. Da hätte das vollständige Konzert, vom Opener bis zur letzten Zugabe, vielleicht besser funktioniert.

Derlei Wermutstropfen wischen aber herausragende Performances wie seine Version von "Forever Young", die Probe von "Golden State" in der Umkleide mit EJ Barnes (die mit Liam Finn gemeinsam den Toursupport gab) und das zornige "No More" wieder weg. Durchaus schön anzusehen ist auch der leicht kitschigerAusflug nach Hawaii, wo Eddie zuerst eine Kokosnuss schlürft und nachher im hohen Grass ein noch unfertiges "Unthought Known" klimpert.

Erwähnenswert sind zudem die Schamanengesänge von "Arc", bei dem Eddie neunmal mit sich selbst im Duett singt. Eigentlich lässt sich die Liste der Highlights beliebig mit jedem Song fortsetzen.

Wahrscheinlich weil man von Eddie Vedders einnehmender Persönlichkeit (und seinem Können) nicht genug bekommen kann, trübt die viel zu kurze Laufzeit und die bearbeitete Setlist ein wenig den Spaß an einem ansonsten grandiosen Konzerterlebnis. Bis Ed eine Kamera wieder so nah an sich heranlässt, dürfte es dauern.

Trackliste

Water On The Road - Film

  1. 1. CD1=Water On The Road - Film
  2. 2. Canyon Mix - Instrumental
  3. 3. Sometimes
  4. 4. Trouble
  5. 5. Around the Bend
  6. 6. Girl From The North Country
  7. 7. Guaranteed
  8. 8. Setting Forth
  9. 9. Far Behind
  10. 10. No Ceiling
  11. 11. Rise
  12. 12. Golden State
  13. 13. Society
  14. 14. Forever Young
  15. 15. Ed Piano - Instrumental
  16. 16. I'm Open
  17. 17. Man of the Hour
  18. 18. Driftin'
  19. 19. No More
  20. 20. You're True
  21. 21. Ukelele Interlude - Instrumental
  22. 22. Unthought Known (in Hawaii on Hill)
  23. 23. Arc
  24. 24. Big Hard Sun
  25. 25. Canyon Mix - Instrumental
  26. 26. CD2=Extras
  27. 27. All Along The Watchtower
  28. 28. Blackbird

Extras

  1. 1. All Along The Watchtower
  2. 2. Blackbird

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