laut.de-Kritik

Einfallsreichtum und Vielfalt eines Galeerentrommlers

Review von

Aus "Raider" wurde "Twix", aus "Die Krupps" wird "DKAY.COM".

Jürgen Engler, der in den 90ern allerlei Bands dazu bewegen konnte, "Die Krupps" zu remixen (zur Erinnerung: Paradise Lost, Sisters of Mercy, KMFDM, Clawfinger ...), scheint sein Organisationstalent noch nicht verloren zu haben. Heutzutage hält er an zwei Ex-Krupps-Zuarbeitern fest und versammelt außerdem Typen von Skrew, Motorsheep, Armageddon und ein Philip Boa-Mitglied um sich herum.

Das Resultat dieser Fusion ist allerdings dasselbe wie im Falle Twix. Die Krupps scheinen nur die Verpackung zeitgemäßer gestaltet zu haben - DKAY.COM. Alles andere jedoch blieb beim Alten - nur schlechter und abgedroschener. Aus "Fatherland" wird "The Final Show" und von U2 auch noch ein Song gemopst (ehrlicherweise heißt dieser aber noch immer "Numb").

Die Brillianz der elektronischen Effekte, die wir vom "Krupps 3"-Album kennen, kommt bei DKAY.COM überhaupt nicht rüber. Allein Adam Grossman (Ex-Skrew) versucht hörbar die Platte zu retten. Sein Einfluss auf die Musik ist somit auch das Einzige, was mit zwei zugedrückten Augen als positiv zu bewerten ist. Der von Unvermögen heimgesuchte Jürgen hingegen hat es noch nicht einmal geschafft, für DKAY.COM seine Stimme anders zu shiften als früher. Damit trägt er dazu bei, dass das Album so jung und fetzig erscheint wie Ötzi, nur dass dieser nicht versucht hat, andere zu kopieren.

Die größte Enttäuschung ist jedoch, dass für die kompletten 51 Minuten der denkbar monotonste Beat gewählt wurde (mit Ausnahme von "Numb" natürlich). Wenn schon gemixt wird, wieso dann einen Grundrhythmus mit dem Einfallsreichtum und der Vielfalt eines Galeerentrommlers?

Alles in allem ist DKAY.COM´s Titel ("Decaydenz") also richtig gewählt, die Platte ist so überflüssig wie Schweineschmalz. In diesem Sinne endet der Artikel, ebenso wie das Album, mit einem fast 3-minütigen "Fuck You" (Jürgen).

Trackliste

  1. 1. Split Infinity
  2. 2. Hell Is Heaven
  3. 3. Drag Me Down
  4. 4. The Final Show
  5. 5. Numb
  6. 6. E-Motion
  7. 7. How Many Times
  8. 8. Neverland (Demo Version)
  9. 9. The Paradise Way
  10. 10. Cerulian Blue
  11. 11. Here We Are Strangers

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