laut.de-Kritik

Alles beim Alten? Fast.

Review von

Alles beim Alten, möchte man meinen, wenn man die Informationen überfliegt. Wie der Vorgänger "Mala" (2013) in den eigenen vier Wänden in Los Angeles aufgenommen, begleitet von denselben Musikern und Produzenten (Noah Georgeson und Josiah Steinbrick). Auch das Cover stammt weiterhin vom Meister höchstpersönlich, schließlich hat Prestel 2015 eine Sammlung seiner grafischen Werke mit dem Titel "I Left My Noodle On Ramen Street" veröffentlicht.

Doch ist es gerade der Titel des Albums, der zeigt, dass sich etwas geändert hat. Widmete Banhart den Vorgänger noch seiner Freundin, der serbischen Fotografin, Künstlerin und Model Ana Kraš ("Mala" bedeutet so etwas wie "Liebling"), klingt "Menschenaffe in pinkem Marmor" doch etwas kryptischer.

Der Grund ist nachvollziehbar: Das Paar hat sich getrennt. Was in Banhart offenbar eine Welle der Melancholie ausgelöst hat. Sie sind immer noch da, die karibisch angehauchten Rhythmen, die kleinen eingestreuten Keyboard-Melodien, die Akustikgitarren. Auch seinen Sinn für Melodien hat er nicht verloren, wie die ersten zwei Stücke "Middle Names" und "Good Times Charlie" unter Beweis stellen. Doch alles in Moll, verglichen mit dem vergleichsweise fröhlich klingenden "Mala".

Banhart scheint die Rolling Stones für sich entdeckt zu haben. Und den Blues. So zwinkert "Linda" "Angie" zu, auch wenn Banhart im Gegensatz zu Mick Jagger die Rolle der Frau einnimmt ("I'm a lonely woman / Alone in the world / Drifting through town"). Trotz eines wabernden Keyboards klingt der Beginn des abschließenden "Celebration" nach einer verlangsamten Version von "Wild Horses".

"Ape In Pink Marble" zeigt, dass aus dem einstigen Folk-Freak ein Künstler Mitte 30 geworden ist, der immer noch mit seiner Identität hadert, es sich in seiner Nische aber gemütlich gemacht hat. Dafür hat er nun einen gewissen roten Faden gefunden, der ihm früher gefehlt hat und der das Album (endlich mal) zu einer Einheit macht.

Trackliste

  1. 1. Middle Names
  2. 2. Good Time Charlie
  3. 3. Jon Lends A Hand
  4. 4. Mara
  5. 5. Fancy Man
  6. 6. Fig in Leather
  7. 7. Theme for a Taiwanese Woman in Lime Green
  8. 8. Souvenirs
  9. 9. Mourner's Dance
  10. 10. Saturday Night
  11. 11. Linda
  12. 12. Lucky
  13. 13. Celebration

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1 Kommentar

  • Vor 2 Jahren

    Banhart ist die personifizierte Spitze des Hipstatums, zwischen innovativ und albern, vereint scheinbare gegensätze wie Retro und Mainstream. Ich bin mir nicht mal sicher was ich von ihm halte. Er kann einem schon auf den Sack gehen, rr hat mir andererseits auch schon ein paar schöne Momente mit seinen Songs geschenkt, leider allerdings in der Regel nur in Form einzelner Tracks. Aber auch diese Platte bekommt ne Chance.