Porträt

laut.de-Biographie

Dee Snider

Blonde Pudellocken, Lippenstift, blauer Lidschatten und jede Menge Wangenrot: So wird Dee Snider in die ewige Ruhmeshalle des Hardrock und Heavy Metal einziehen. In diesem Aufzug prangt er auf dem 1984 veröffentlichten dritten Album seiner Band Twisted Sister, einem Eckstein des sogenannten Hair Metal, und in diesem würde er auch noch Jahre später über die Bühnen stolzieren.

Dee Snider - For The Love Of Metal Aktuelles Album
Dee Snider For The Love Of Metal
Der Twisted Sister-Sänger macht jeden zum Hurricane.

Bevor Snider, Jahrgang 1955, sich zur Heavy Metal-Drag Queen stilisiert, wächst er als Sohn eines New York State Troopers und einer Kunstlehrerin in einem amerikanisch-episkopalen Haushalt auf und singt im Kirchenchor. Dank dieses Engagements genießt er eine grundlegende Ausbildung als Countertenor. Obwohl er es sogar in die Chorauswahl des Staates New York schafft, kehrt er diesem Feld jedoch bald den Rücken, um sich auf Rockmusik zu konzentrieren, die er durch Bands wie Blue Cheer, Mountain, Led Zeppelin, Black Sabbath und Grand Funk Railroad lieben lernt.

"Ich half dabei die Woodstock-Nation zu zerstören", freut er sich später. "Metal hieß damals noch Hard Rock und davor liebte jeder alles – Peace, Love, Music, wäh! Meine Freunde und ich schwangen dagegen den verdammten Vorschlaghammer! Wir mochten diese Scheiße nicht. Fuck Richie Havens! Fuck Country Joe And The Fish! Fuck Crosby, Stills And Nash! Make it fuckin' hard!"

1976 tritt er den damals vorübergehend sängerlosen Twisted Sister bei. Es dauert nicht allzu lang, bis Snider die kreative Kontrolle übernimmt. Sämtliche Songs des 1982 erscheinenden Debütalbums "Under The Blade" stammen von ihm und so handhabt es die Band auch bei den Folgeplatten. So schreibt er natürlich auch die auf "Stay Hungry" releasten Megahits "We're Not Gonna Take It" und "I Wanna Rock".

Durch sein provokantes, extrovertiertes Auftreten mit Twisted Sister schlägt Snider nicht nur Wohlwollen entgegen. Das macht ihn zu einem relevanten Zeugen in einer 1985 vom frisch gegründeten Parents Music Resource Center angestoßenen Senatshörung. Es geht um ein Elternwarnsystem für Musik, das in den Augen mancher zu nahe an Zensur vorbeischrammt. Snider spricht sich wie auch Frank Zappa und John Denver gegen solche Bevormundung aus.

Nachdem der Sänger 1987 vorerst genug von Twisted Sister hat, die Band verlässt und diese sich daraufhin auflöst, beschäftigt er sich mit mehreren neuen Projekten. Gemeinsam mit dem ehemaligen Iron Maiden-Drummer Clive Burr, Gitarrist Bernie Torme (Gillan) und Bassist Marc Russel gründet er zunächst Desperado. Wegen Streitigkeiten mit ihrem Label erscheint das bereits aufgenommene Album "Ace" nie offiziell und die Band trennt sich bereits nach zwei Jahren. Allerdings bleiben sie durch geleakte Bootleg-Tapes ("Bloodied But Unbowed") zumindest im Underground präsent. Hymnische Hard Rock-Nummern wie "The Heart Is A Lonely Hunter" verdienen durchaus Aufmerksamkeit.

Kaum langlebiger als Desperado ist Sniders nächstes Projekt Widowmaker. In der kurzen, kommerziell wenig erfolgreichen Zeit zwischen 1992 und 1994 erscheinen aber immerhin zwei Alben – "Blood And Bullets" und "Stand By For Pain". Im Vergleich zu Twisted Sister erkundet Snider hier metallisch härteres Territorium. Schließlich verlegt er sich aber doch wieder darauf, seine Klassiker zu spielen und tingelt in der zweiten Hälfte der 90er mit der Tribute-Band Dee Snider's SMFs (Sick Motherfuckers) umher. Mit dabei ist unter anderem Primal Scream- und Carnivore-Veteran Keith Alexander an der Gitarre, ab und an gastiert auch Twisted Sister-Kumpel A.J. Pero.

Mit der Radioshow "The House Of Hair" findet Snider endlich wieder ein langfristiges Zuhause. Ab 1997 moderiert er die Sendung auf wöchentlicher Basis. Schon zuvor hatte er er Erfahrung in diesem Metier gesammelt: 1985 debütierte das MTV-Format Heavy Metal Mania – ein Vorläufer des später etablierten Headbangers Ball – mit Snider als Host.

Während einer seiner Songs, "The Magic Of Christmas Day (God Bless Us Everyone)" 1998 irgendwie Celine Dion ins Repertoire rutscht, belebt Snider einerseits Twisted Sister wieder und probiert sich andererseits als Drehbuchautor und Schauspieler. Der Horror-Flic "Strangeland" erlangt zumindest in Aficionado-Kreisen Kultstatus. Der Plan, mit dem von ihm selbst verkörperten Piercing-Killer Cpt. Howdy eine Ikone vom Format Freddy Kruegers (dessen Darsteller Robert Englund sogar selbst im Film mitwirkt) zu schaffen, geht jedoch nicht auf.

Nach 2000 taucht Snider plötzlich auch des Öfteren in Fernsehsendungen auf, zum Beispiel mehrfach in Donald Trumps "The Apprentice". Im Rahmen von "Celebrity Wife Swap" tauscht er 2012 seine Frau Suzette, mit der er seit 1981 verheiratet ist, vorübergehend gegen Flavor Flavs bessere Hälfte Liz ein. Mit "We're Not Gonna Take It" wird Snider bzw. sein Werk außerdem des Öfteren sowohl freiwillig als auch unfreiwillig für politische Zwecke instrumentalisiert. Arnold Schwarzenegger unterstützt der Sänger sogar aktiv in einer Kampagne. Als Donald Trump den Song aber im Präsidentschaftswahlkampf einsetzt, reißt Snider schließlich der Geduldsfaden. Anfängliches Wohlwollen gegenüber den ungewöhnlichen Ansätzen Trumps schlägt wegen dessen zunehmend sexistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen bald in vehemente Ablehnung um. Schließlich kündigt Snider seinem alten "Apprentice"-Kumpel die Freundschaft.

Die Zeit Twisted Sisters neigt sich unterdessen einem zweiten Ende zu. Seit der Reunion kam außer dem negativ hervorstechenden "A Twisted Christmas" kein nennenswertes neues Material mehr nach. Als A.J. Pero 2015 unerwartet verstirbt, verkündet die Band ihre Abschiedstournee.

Den Grundstein für seine folgende Solokarriere hat Snider bereits Anfang des 21. Jahrhunderts gelegt. Er veröffentlicht seine erste Songsammlung unter eigenem Namen: "Never Let the Bastards Wear You Down". Nach einem elfwöchigen Broadway-Gastspiel im Cast des Musicals "Rock Of Ages" folgt "Dee Does Broadway" – stilistisches Neuland, aber unter dem Banner Dee Snider geführt. Darauf covert er berühmte Musical-Hits von "Sweeney Todd" bis "West Side Story". 2016 gibts gar endlich wieder (teils) neues Hard Rock-Material zu hören, nämlich auf "We Are The Ones". Die Euphorie hält sich zwar in Grenzen, dafür sind die Tracks zu zahn- und belanglos, doch immerhin bekommen die Fans ein Lebenszeichen.

Bereits im Jahr darauf verdichten sich die Anzeichen auf ein weiteres, diesmal wesentlich härteres Soloalbum Sniders. Hatebreed-Sänger Jamey Jasta fordert ihn in seiner Radiosendung heraus, ein solches zu machen. Snider nimmt die Challenge dankend an. Gemeinsam realisieren die beiden "For The Love Of Metal" und rekrutieren dafür eine ganze Riege namhafter Kollegen. So kollaborieren Lamb Of Gods Mark Morton, Nick Bellmore von Toxic Holocaust, der ehemalige Killswitch Engage-Fronter Howard Jones, Arch Enemy-Sängerin Alissa White-Gluz und Charlie Bellmore (Kingdom Of Sorrow).

"Ich denke, das Album bietet etwas für jeden Hard Rock- und Metalfan", strahlt Snider. Damit könnte er tatsächlich recht haben. Davon, die Szene zu revolutionieren, ist er mit "For The Love Of Metal" zwar weit entfernt – doch dazu trug Snider schließlich schon über dreißig Jahre zuvor bei. Und angesichts dessen darf man ruhig auch mal über sich selbst singen: "I am a force of nature!"

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